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Informationskrieg

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„Informationskrieg“ ist zwar kein völlig neues Konzept, bleibt aber dennoch umstritten. In medialen Diskursen wird der Begriff jedoch häufig verwendet. Thomas N. Rona führte den Begriff „Informationskrieg“ offiziell in die Literatur ein, als er 1976 einen Bericht mit dem Titel „Waffensysteme und Informationskrieg“ bei der Boeing Company vorlegte. Er schlug folgende Definition vor: „Es bedeutet die Nutzung von Informationen zur Erreichung von Zielen sowie die Kriegsführung zwischen Wettbewerbern, Rivalen, Gegnern oder Feinden auf strategischer, operativer und taktischer Ebene in den Bereichen Frieden, Krise, Eskalation, Konflikt, Krieg, Kriegsende und Wiederaufbau.“ Diese Definition mag sehr umfassend sein, da in einer Kriegssituation viele Akteure und Handlungen involviert sind. Trotz dieser Eigenschaft ist sie jedoch eher menschlicher als technologischer oder militärischer Natur.

Im weitesten Sinne ist der Informationskrieg ein Konzept, das sich auf die Nutzung von Informationsmanagement und Informationstechnologien bezieht, um einen Wettbewerbsvorteil gegenüber dem Gegner zu erlangen. In Sun Tzus Buch „Die Kunst des Krieges“ wird erwähnt, dass Informationen eine entscheidende Rolle beim Sieg über den Feind spielen und eine Form von „Soft Power“ darstellen. Um einen Krieg zu gewinnen, sind möglicherweise viele Informationen erforderlich, aber auf jeden Fall bessere Informationen als die des Gegners. Informationskrieg bedeutet sicherzustellen, dass unser Wissen zuverlässig und korrekt ist. Gleichzeitig bedeutet es, dem Feind die Informationsüberlegenheit zu verweigern. Dies bedeutet, Informationen zu verweigern oder die dem Feind zur Verfügung stehenden Informationen zu manipulieren.

Dieses Konzept, das erstmals in den USA verwendet wurde, hat einen technologisch-militärischeren Charakter angenommen. Einige Forscher weisen darauf hin, dass der Informationskrieg kein Begriff mit einer einzigen Bedeutung ist, sondern vielmehr ein Begriff, der verschiedene Arten der Kriegsführung wie elektronische Kampfführung, psychologische Kriegsführung, wirtschaftlichen Informationskrieg oder Cyberkrieg umfasst. Während amerikanische Wissenschaftler dazu neigen, solche linguistischen Strukturen zu verwenden, konzentrieren sich russische Wissenschaftler bei der Verwendung des Begriffs Informationskrieg stärker auf die menschliche Dimension. (Auf die konzeptionellen Unterschiede zwischen den USA und Russland in Bezug auf den Informationskrieg werde ich in kommenden Artikeln eingehen.) In diesem Krieg um Herzen und Verstand ist die Kontrolle über Rundfunktechnologien wie Fernsehen oder Radio ein wichtiges Ziel. Diese Entwicklung wurde mit dem Aufkommen der Informationstechnologien und des World Wide Web komplexer, da es sehr schwierig ist, Informationen unter Kontrolle zu halten oder zu nutzen; daher muss der Prozess des Teilens, Verbreitens und Empfangens von Informationen neu gestaltet werden. Vor allem aber hat der Begriff Informationskrieg mit der Entwicklung der Informationstechnologien, die heute jeden Moment unseres sozialen Lebens durchdringen, seinen rein militärischen Charakter verloren.

In einer sich schnell entwickelnden Gesellschaft, in der die Menschen mit neuen Technologien und Nachrichtenströmen nicht Schritt halten können, wächst die Bedeutung des Informationskrieges als Konzept ständig, insbesondere da der Informationskrieg weiterhin ein untrennbarer Bestandteil moderner Konflikte bleibt. Die zunehmende Digitalisierung in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts sowie die rasante Entwicklung von Medien-, Informations- und Kommunikationstechnologien schaffen ein neues Spielfeld für internationale Akteure wie die USA, die Russische Föderation und China.

Das Zusammenspiel von Medien- und Politkmacht erscheint heute als ein nahezu unzerstörbares „Duo“. Der Schlüssel zu einem erfolgreichen geopolitischen Krieg liegt in der professionellen Anwendung oder Nutzung von Informationen. Die Menschen wissen nicht, was besser ist, was nützlicher zu lesen, zu hören oder zu sehen ist, um die Wahrheit oder die tatsächliche Realität zu verstehen. Daher macht diese Unschärfe die Realität in Kriegszeiten noch unbestimmter. In diesem Fall werden die Menschen eher von ihren Emotionen und Instinkten geleitet; der logische Teil des Verstandes ist abgeschaltet. Es ist eine Tatsache, dass dies ein perfekter Moment für nationale und internationale politische Akteure ist. Denn sie treten auf den Plan, um die Menschen einer Gehirnwäsche zu unterziehen, sie unvollständig oder falsch zu informieren und hochgradige Propaganda zu betreiben – mit anderen Worten, um komplexe Techniken des Informationskrieges anzuwenden.

Der amerikanische Professor George J. Stein stellt fest: „Das Ziel des Informationskrieges ist der menschliche Verstand, insbesondere jene Verstände, die in Krieg oder Frieden die entscheidenden Entscheidungen treffen.“ Daher ist es neben der Beeinflussung breiter Massen von entscheidender Bedeutung, Informationen bei Entscheidungsträgern zu lenken. Es mag nicht einfach sein, Denk- oder Verhaltensweisen zu beeinflussen oder zu ändern, aber sie bilden den Hauptfokus im Kontext des Informationskrieges.

Traditionell gilt der Erste Golfkrieg, der 1991 mit dem Einmarsch der Koalitionstruppen in Kuwait begann, als der erste Informationskrieg. Dieser Krieg brachte der Weltgemeinschaft die „Kriegsszenen“ aus dem Irak vor Augen. In ihrem Buch „Seeing through the Media: The Persian Gulf War“ (1994) betrachten Lauren Rabinovitz und Susan Jeffords den Prozess des Ersten Golfkrieges als ein „Medienereignis“, geprägt durch Begriffe der amerikanischen Medien wie „die Geschichte neu erschaffen, die Verbreitung von Informationen kontrollieren, sozialen Konsens schaffen und die nationale Identität stärken“.