Vier-Tage-Woche: Pilotprojekt in Portugal reduziert Depressionen und Ängste
Das von der linken Regierung in Portugal gestartete Pilotprojekt zur Vier-Tage-Woche hat zu einer Verringerung von Depressionen und Ängsten geführt. Ziel des Modells ist es, die wöchentliche Arbeitszeit um 12 Prozent zu reduzieren, ohne die Gehälter zu kürzen, um so die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu stärken und die Arbeitsproduktivität zu steigern.
Portugal: Die Beschäftigten, die an dem von der Regierung im Juni gestarteten Pilotprojekt teilnehmen, sind mit der Vier-Tage-Woche ohne Gehaltskürzung zufrieden.
In Portugal, wo das in den letzten Jahren in verschiedenen Ländern diskutierte Modell der Vier-Tage-Woche in 41 Unternehmen mit insgesamt rund tausend Beschäftigten als Pilotprojekt eingeführt wurde, soll dadurch die Bindung zwischen Beruf und Familie gestärkt und die Produktivität am Arbeitsplatz erhöht werden.
Eine Umfrage unter den Beschäftigten, die seit Juni an dem Pilotprojekt teilnehmen, ergab, dass Stress- und Schlafprobleme um 21 Prozent zurückgegangen sind.
In der von der Regierung in Auftrag gegebenen und von zwei Universitäten durchgeführten Umfrage zur Bewertung des Projektverlaufs wurde festgestellt, dass der Anteil derjenigen, die die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf als "schwierig" oder "sehr schwierig" empfinden, von 46 Prozent auf 8 Prozent gesunken ist.
Dem Bericht zur Umfrage zufolge wurde bei den Beschäftigten der am Pilotprojekt teilnehmenden Unternehmen ein Rückgang von Ängsten, Anspannung und depressiven Verstimmungen um 21 Prozent, von Müdigkeit um 23 Prozent und von Einsamkeitsgefühlen um 14 Prozent gemeldet.
Darüber hinaus gaben 65 Prozent der Beschäftigten an, mehr Zeit mit ihren Familien zu verbringen, während der Anteil derjenigen, die mehr Zeit für Hobbys und Interessen aufwenden, 60 Prozent erreichte.
Es wurde mitgeteilt, dass die am Pilotprojekt beteiligten Unternehmen die zuvor wöchentliche Arbeitszeit von 41,5 Stunden um etwa 12 Prozent auf 36,5 Stunden reduziert haben, ohne dabei die Gehälter der Beschäftigten anzupassen.
Die Unternehmen legten je nach betrieblichen Abläufen freie Tage für ihre Mitarbeiter fest; entgegen der Erwartungen wählten nur 20 Prozent den Freitag, während der Montag am häufigsten bevorzugt wurde.
Pedro Gomes, Wirtschaftsprofessor an der Universität London und Mitglied der Forschungsgruppe, wies darauf hin, dass es bei der Anpassung an das neue Arbeitssystem einige Schwierigkeiten gebe.
"VIELE GEWOHNHEITEN MÜSSEN GEÄNDERT WERDEN"
Gomes wies darauf hin, dass zur Steigerung der Produktivität bei den neuen Arbeitszeiten einige Änderungen zur Vermeidung von Zeitverlusten erforderlich seien: "Viele Gewohnheiten wie lange Kaffee- oder Mittagspausen, verspätetes Erscheinen zu Besprechungen oder das Unterbrechen von Kollegen, um über Fußball zu sprechen, müssen geändert werden", so seine Einschätzung.
Gomes erklärte zudem, dass fast 60 Prozent der Führungskräfte in den am Pilotprojekt teilnehmenden Unternehmen Frauen seien, während dieser Anteil in der portugiesischen Arbeitswelt insgesamt bei lediglich 27 Prozent liege.
Obwohl 95 Prozent der am Pilotprojekt beteiligten Unternehmen das System derzeit als vorteilhaft bewerten, wurde darauf hingewiesen, dass die Studie im April 2024 abgeschlossen sein wird.
In Europa werden in einigen Ländern wie Belgien, Island oder teilweise in Frankreich bereits ähnliche Arbeitssysteme praktiziert. Die linke Koalitionsregierung in Spanien plant, die wöchentliche Arbeitszeit von 40 Stunden im Jahr 2025 auf 37,5 Stunden zu senken.
Nachrichtenquelle: AA
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