'In Gaza findet ein Völkermord statt, ich erwarte keinen Konflikt zwischen der Türkei und Israel'
Dr. Aleksandr Sotnichenko, Gesandter der Botschaft der Russischen Föderation, bezeichnete die Ereignisse in Gaza als „Völkermord“. Sotnichenko, der das Schweigen des Westens mit dem „Fehlen einer Bedrohungswahrnehmung“ erklärte, brachte die Israel-Politik der Türkei mit den Machtverhältnissen in Syrien in Verbindung und schätzte die Wahrscheinlichkeit eines direkten Konflikts als gering ein.
In einem exklusiven Interview mit 12punto während der Internationalen Palästina-Konferenz in Istanbul erklärte Dr. Aleksandr Sotnichenko, Gesandter der Botschaft der Russischen Föderation, dass es sich bei den Geschehnissen in Gaza um einen offenen Völkermord handele.
'DIE WELT SCHWEIGT, WEIL ES KEINE BEDROHUNGSWAHRNEHMUNG GIBT'
Sotnichenko führte das Schweigen des Westens darauf zurück, dass Israel für andere Länder keine direkte Bedrohung darstelle:
„Israel greift nur die Palästinenser an. Es gibt keine Bedrohung für die USA, Europa, die Türkei oder Russland. Deshalb drückt der Westen bei den Morden ein Auge zu.“
Unter Verweis auf historische Beispiele erinnerte er an die Massaker der USA an den amerikanischen Ureinwohnern sowie an die Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands an den Juden und fügte hinzu:
„Wenn es keine Bedrohung gibt, schaut die Welt weg. Aber Sicherheit muss entweder überall oder nirgendwo existieren.“
'IM WESTEN DAUERT DER SOZIOKULTURELLE RASSISMUS AN'
Laut Sotnichenko ist in Europa und den USA die Wahrnehmung verbreitet, dass „Israelis weiße, kultivierte Menschen sind, während Palästinenser Barbaren seien“. Aus diesem Grund würden auch die Handelsbeziehungen nicht abgebrochen. Die Unterstützung der USA für Israel führte er zudem auf die Macht der jüdischen Lobby zurück.
'DIE ISRAEL-POLITIK DER TÜRKEI HÄNGT MIT DEM SYRIEN-GLEICHGEWICHT ZUSAMMEN'
Sotnichenko erklärte, dass die jüngsten Schritte der Türkei zur Einschränkung des Handels mit Israel mit den Sicherheitsgleichgewichten in Syrien zusammenhingen. Er äußerte, dass die Präsenz Russlands und der Hisbollah Israel in der Vergangenheit gebremst habe, dieses Gleichgewicht heute jedoch verloren gegangen sei.
'WEGEN DER F-35 KANN DIE TÜRKEI NICHT IN EINEN DIREKTEN KONFLIKT TRETEN'
Der russische Diplomat betonte, dass die Türkei aufgrund ihrer NATO-Mitgliedschaft und ihrer Beziehungen zu den USA nicht in einen direkten Konflikt mit Israel treten könne, und wies zudem auf die militärische Stärke Israels hin:
„Israel verfügt über hochmoderne Kampfflugzeuge wie die F-35. Für die Türkei ist es nicht realistisch, in einen direkten militärischen Konflikt zu treten.“
Dennoch sagte er, dass er keinen heißen Krieg zwischen der Türkei und Israel erwarte:
„Ich glaube nicht, dass es zu einem Konflikt zwischen der Türkei und Israel kommen wird; am Ende werden sie eine Einigung erzielen.“
Nachrichtenquelle : 12punto
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