Bericht von Juristen zum NATO-Gipfel: 'Mindestens 668 Festnahmen, 179 Inhaftierungen'
Ein Bericht über Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit Sicherheitsmaßnahmen, Demonstrationsverboten und Polizeieinsätzen während des NATO-Gipfels in Ankara wurde veröffentlicht.
Während des NATO-Gipfels, der vom 7. bis 8. Juli in Ankara stattfand, wurden außerordentliche Sicherheitsmaßnahmen, Demonstrationsverbote und Polizeieinsätze umgesetzt. Nun wurde der "Bericht zu Menschenrechtsverletzungen während des NATO-Gipfels vom 7.-8. Juli" veröffentlicht, der die Bilanz dieser Maßnahmen aufzeigt. In dem von der Initiative "Adalet İçin Hukukçular" (Juristen für Gerechtigkeit) erstellten Bericht wird festgehalten, dass in der gesamten Türkei mindestens 668 Personen festgenommen und 179 inhaftiert wurden. Zudem wird betont, dass verfassungsmäßige Rechte eingeschränkt und der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verletzt wurden.
WELLE VON "DEMONSTRATIONSVERBOTEN" IN DEN STÄDTEN
Im Bericht wird dargelegt, dass die vor dem NATO-Gipfel aus Sicherheitsgründen in zahlreichen Städten verhängten umfassenden Verbote über bloße Proteste hinaus die Ausübung demokratischer Rechte insgesamt unterbunden haben:
Ankara: Durch einen Beschluss des Gouverneursamtes wurden für 13 Tage jegliche Art von Aktionen und Veranstaltungen in der Stadt untersagt.
Eskişehir, Karabük, Adana und Konya: In diesen Städten galten für einen Zeitraum von 10 Tagen ähnliche Verbotsbeschlüsse.
Elazığ: Die Verbotsregelung blieb für 14 Tage in Kraft.
Den im Bericht enthaltenen Daten zufolge stellt sich das Bild, das durch die juristischen Verfahren und die Einsätze auf der Straße entstand, wie folgt dar:
Im Rahmen einer von der Generalstaatsanwaltschaft Ankara geführten Ermittlung wurden bei einer großen Operation vor dem Gipfel (am 23. Juni) 225 Personen festgenommen. Von diesen Personen, die dem Gericht vorgeführt wurden, wurden 179 inhaftiert, gegen 34 Personen wurde Hausarrest als richterliche Kontrollmaßnahme verhängt, während 6 Personen freigelassen wurden.
Bei den Anti-NATO-Protesten, die am 5. Juli in Ankara, Istanbul, Izmir, Adana, Samsun und Çanakkale stattfanden, wurden mehr als 150 Personen auf der Straße festgenommen. Bei Hausdurchsuchungen am selben Tag wurden weitere 39 Personen, darunter Anwälte, Studenten und Vertreter politischer Parteien, zur Polizeidienststelle gebracht.
Bei den Ermittlungen in Izmir wurden 61 Personen, bei den Gipfelprotesten am 7. Juli in Ankara 74 Personen und bei der Aktion in Istanbul-Beyoğlu 12 Personen festgenommen.
HANDFESSELN AUF DEM RÜCKEN, SCHLECHTE BEHANDLUNG UND REISEEINSCHRÄNKUNGEN
Der Bericht der Juristen beleuchtet auch die Menschenrechtsverletzungen während der Festnahmeprozesse sowie die Einschränkungen des städtischen Lebens.
Es wurde festgehalten, dass bei der Aktion in Istanbul-Beyoğlu die Festgenommenen mit auf dem Rücken gefesselten Händen abgeführt wurden und dass Vorwürfe wegen schlechter Behandlung bei einigen Festnahmen von den Juristen dokumentiert wurden.
Es wurde darauf hingewiesen, dass um den Flughafen Esenboğa Einschränkungen des Flugverkehrs eingeführt und zahlreiche Hauptverkehrsadern für den Verkehr gesperrt wurden. Diese Maßnahmen hätten nicht nur die Gipfeldelegationen, sondern auch das tägliche Leben und das Arbeitsleben direkt beeinträchtigt.
"GRUNDSATZ DER VERHÄLTNISMÄSSIGKEIT VERLETZT"
Im Fazit des Berichts wird bewertet, dass die während des NATO-Gipfels ergriffenen Sicherheitsmaßnahmen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit überschritten haben. Der Bericht betont, dass zahlreiche Grundrechte verletzt wurden, insbesondere das Recht auf Freiheit und Sicherheit der Person, das Recht auf Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit, die Reisefreiheit sowie das Recht auf ein faires Verfahren und das Recht auf Verteidigung.
Nachrichtenquelle: 12punto
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