Brief von Ahmet Özer an den Architekten des Öffnungsprozesses Bahçeli: 'Die aktuellen Maßnahmen sind ein großer Widerspruch'
Der inhaftierte und seines Amtes enthobene Bürgermeister von Esenyurt, Ahmet Özer, hat aus dem Gefängnis mit einem Brief auf den Aufruf des MHP-Vorsitzenden Devlet Bahçeli zu seiner Freilassung reagiert. Özer erklärte: „Es besteht ein großer Widerspruch zwischen dem Friedensprozess und dem, was uns angetan wird. Bahçelis Ansatz enthält einen wahren Kern.“
Der inhaftierte Bürgermeister von Esenyurt, Ahmet Özer, ging in einem Brief an die Zeitung Nefes auf die jüngsten Äußerungen des MHP-Chefs Devlet Bahçeli ein. Bahçeli hatte erklärt, dass Özer im Rahmen des Öffnungsprozesses freigelassen werden müsse und ein Ende der Zwangsverwaltung gefordert.
Özer wies in seinem Schreiben auf den Widerspruch zwischen dem Friedensprozess und seiner eigenen Inhaftierung hin. „Einerseits setzt man sich unter dem Vorwand eines Friedensprozesses mit Öcalan an einen Tisch, andererseits sperrt man mich ins Gefängnis, weil ich zu den Personen gehöre, von denen Öcalan bereits vor 11 Jahren sagte, sie könnten zum Lösungsprozess beitragen. Kann mit einem solchen Ansatz Frieden erreicht werden? Dass dies nicht möglich ist, sieht auch Herr Bahçeli, weshalb er sagt: ‚Wenn die Türkei wirklich in einen Friedensprozess eingetreten ist, muss Ahmet Özer freigelassen werden‘“, so Özer.
Özer betonte zudem, dass Bahçeli mit der Aussage „Ahmet Türk sollte in sein Amt zurückkehren, die Politik der Zwangsverwaltung muss enden“ wichtige Signale für den Lösungsprozess gesendet habe.
Der inhaftierte Bürgermeister erinnerte zudem daran, dass sein Leben vom Kampf für Frieden und Demokratie geprägt sei und er zahlreiche Arbeiten zur kurdischen Frage verfasst habe. „Müsste jemand wie ich nicht draußen sein, um zum Friedensprozess beizutragen? Was uns derzeit widerfährt, steht in krassem Gegensatz zum Friedensprozess“, sagte er.
Özer, der Bahçeli bescheinigte, die sensiblen Prozesse im Land richtig einzuschätzen und den Umständen entsprechende Schritte zu unternehmen, fügte hinzu: „Es ist offensichtlich, dass die Niederlegung der Waffen und der Friedensprozess sowohl unserem Land als auch der Region zugutekommen werden. Bahçeli hat an diesem Punkt ein Risiko auf sich genommen, eine konstruktive Rolle übernommen und unternimmt die richtigen Schritte. Dass wir inhaftiert sind, nützt niemandem. Unsere Freilassung wäre auch ein positives Signal an die Gesellschaft. Daher begrüße ich solche Äußerungen und Schritte.“
Nachrichtenquelle: 12punto
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