Ermittlungen gegen Journalistin Şule Aydın nach „Spionage“-Anzeige: „'Tımarhane' als kriminelle Vereinigung eingestuft“
Gegen die Journalistin Şule Aydın wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, nachdem eine unbekannte Person eine E-Mail-Anzeige an die Polizeidirektionen aller 81 Provinzen geschickt hatte.
Gegen die Journalistin Şule Aydın wurde ein Ermittlungsverfahren wegen „Spionage und Aktivitäten einer kriminellen Vereinigung“ eingeleitet, nachdem eine Person, die sich als „Ahmet Türkeş“ ausgab, eine E-Mail-Anzeige bei der Polizei erstattet hatte. Aydıns Anwältin Gamze Pamuk, die bei der Aussage anwesend war, empörte sich: „Wie konnte eine Journalistin aufgrund einer völlig haltlosen Anzeige zur Verdächtigen gemacht werden?“
Im Rahmen der Ermittlungen, die nach einer E-Mail-Anzeige einer unbekannten Person an die Polizeidirektionen in 81 Provinzen gegen die Journalistin Şule Aydın eingeleitet wurden, gab es eine neue Entwicklung. In der Anzeige wurden schwere Vorwürfe wie „Spionage“, „Geheimdiensttätigkeit“, „Geldwäsche“ und „Aktivitäten einer kriminellen Vereinigung“ gegen Aydın erhoben, ohne dass dafür konkrete Beweise vorgelegt wurden. Şule Aydın begab sich gemeinsam mit ihrer Anwältin Gamze Pamuk zur Polizeiwache und gab ihre Aussage als Beschuldigte zu Protokoll.
„BARIŞ PEHLİVAN SCHRIEB IN SEINER KOLUMNE: ANZEIGE WURDE ALS BEWEISSTÜCK GEWERTET“
Der Journalist Barış Pehlivan, der die Details des skandalösen Ermittlungsverfahrens in seiner Kolumne in der Zeitung Cumhuriyet erläuterte, beschrieb die Hintergründe des Prozesses mit folgenden Worten:
„Die Generalstaatsanwaltschaft Ankara leitete im Jahr 2025, als diese E-Mail versendet wurde, ein Ermittlungsverfahren gegen Şule Aydın ein. Im vergangenen April wurde ein Weisungsschreiben an die Generalstaatsanwaltschaft Istanbul-Anadolu übermittelt. Demnach wurde diese Anzeige als Beweisstück betrachtet und gefordert, 'die Aussage von Şule Aydın als Beschuldigte dazu aufzunehmen, ob sie die strafbaren Beiträge gemäß den vorliegenden Unterlagen getätigt hat'. Kurz darauf erteilte auch der Staatsanwalt in Istanbul der Polizei entsprechende Anweisungen. In dem offiziellen Schreiben wurde die 'Verteidigung von Şule zu den ihr zur Last gelegten Straftaten' gefordert.“
„'Tımarhane'-SERIE ALS 'KRIMINELLE VEREINIGUNG' EINGESTUFT“
Im Anzeigentext wurde behauptet, dass die Journalistin Şule Aydın über ihre Social-Media-Konten und YouTube-Sendungen provokative Äußerungen tätige, die auf staatliche Institutionen, Justizangehörige und die Polizei abzielten.
Insbesondere Aydıns populäres YouTube-Programm „Tımarhane“ (Irrenhaus) wurde ins Visier genommen, wobei gefordert wurde, diese Sendungen als „Aktivitäten einer kriminellen Vereinigung“ zu werten. Der Anzeigenerstatter forderte zudem die sofortige Schließung von Aydıns Konten sowie eine gemeinsame Untersuchung durch den türkischen Geheimdienst MİT und die Polizei.
„CIA, MOSSAD, MI6 – ALLES DABEI“
Im Abschnitt „Spionageaktivitäten“ des Textes wurden absurde Behauptungen aneinandergereiht. Es wurde behauptet, Aydın betreibe „psychologische Kriegsführung“, und es wurden folgende Vorwürfe erhoben:
„Şule Aydın könnte in direktem oder indirektem Kontakt mit feindlichen Strukturen wie CIA, MOSSAD, MI6, DGSE, BND, PKK, FETÖ, DHKP-C und ähnlichen stehen.“
Anwältin Gamze Pamuk: „Es gibt keine konkreten Beweise, das Ziel ist die Kriminalisierung“
Aydıns Anwältin Gamze Pamuk betonte, dass ihre Mandantin bewusst in der Öffentlichkeit kriminalisiert werden solle, und wies auf die rechtliche Schwäche des Verfahrens hin:
„Bei der Prüfung des Anzeigentextes zeigt sich, dass gegen meine Mandantin extrem schwere Vorwürfe erhoben werden; durch die gezielte Nennung ausländischer Geheimdienste wie CIA, MOSSAD und MI6 soll meine Mandantin in der Öffentlichkeit kriminalisiert werden. Im Strafrecht ist jedoch nicht das Gewicht der Anschuldigungen entscheidend, sondern ob diese Vorwürfe durch konkrete Beweise gestützt werden. Es gibt weder materielle Beweise noch technische Feststellungen, keine konkrete strafbare Handlung und keinen Kausalzusammenhang. In dieser Form stellt die besagte Anzeige keine Grundlage dar, die einen konkreten Tatverdacht begründen könnte.“
Während noch unklar ist, ob das Ermittlungsverfahren zu einer Anklage führen wird, schloss der Journalist Barış Pehlivan seinen Artikel mit den Worten: „Journalismus in diesem Land zu betreiben bedeutete, jeden Morgen damit zu rechnen, sich vor Gericht mit der Fantasiewelt einer Person mit unbekannter Identität auseinandersetzen zu müssen.“
Nachrichtenquelle: 12punto
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