Hakan Fidan äußert sich markant zur Syrien-Agenda und zu internationalen Problemen
Außenminister Hakan Fidan beantwortete im Sender Al Jazeera wichtige Fragen zur aktuellen Lage; er äußerte sich klar zu den Machtverhältnissen in Syrien, zu terroristischen Elementen und zu den roten Linien der Türkei. Fidan teilte zudem seine Einschätzungen zum israelisch-palästinensischen Konflikt, zum Russland-Ukraine-Krieg und zu den internationalen Machtverhältnissen.
Außenminister Hakan Fidan äußerte sich in einer Sendung des in Katar ansässigen Fernsehsenders Al Jazeera zu Syrien, Palästina und globalen Entwicklungen. Fidan, der die Fragen des Al Jazeera-Korrespondenten Resul Serdar Ataş beantwortete, machte insbesondere markante Einschätzungen zu den aktuellen Entwicklungen in Syrien und zur Vereinbarung zwischen der YPG und der syrischen Übergangsverwaltung.
Fidan betonte die große Bedeutung der getroffenen Vereinbarung und erklärte: „Als Türkei unterstützen wir dies prinzipiell, solange sich die Parteien einig sind. Aber wir haben unsere eigenen nationalen Sicherheitsinteressen und roten Linien. Auch die Abkommen zwischen der Regierung in Damaskus und den SDF werden mit dieser Sensibilität behandelt.“
Fidan wies darauf hin, dass das Waffenstillstandsumfeld in Syrien es den amerikanischen Streitkräften ermögliche, IS-Gefangene in den Irak zu verlegen, und sagte: „Ich denke, jeder sollte dabei helfen. Als Türkei bemühen wir uns gemeinsam mit den Amerikanern um eine Lösung.“
Auf die Frage, wie die Türkei zu einer von Kurden geführten Polizeistruktur stehe, antwortete Fidan: „Die SDF sind der syrische Ableger der PKK. Wir schätzen die syrischen Kurden jedoch sehr und sind der Meinung, dass sie fair behandelt werden sollten.“
ES GIBT LINKE ORGANISATIONEN, VON DENEN NIEMAND WEISS
Fidan machte auch auf die linken Gruppierungen in Syrien und deren Bedrohung für die Türkei aufmerksam und erklärte: „Es gibt einen Punkt, den die Weltöffentlichkeit kaum kennt: In den von den SDF kontrollierten Gebieten gibt es etwa 300 bewaffnete Personen, die türkischen linken Organisationen angehören, und diese suchen aktiv nach Möglichkeiten, die Türkei anzugreifen. Wir wissen von allen und arbeiten daran, sie zu eliminieren.“
In Bezug auf die YPG und die SDF sagte er: „Im Einklang mit dem Prinzip eines souveränen und unitären Staates muss es in Syrien eine einzige Armee geben. Die Polizei und andere Strukturen könnten zwischen Damaskus und den SDF geregelt werden.“
Fidan betonte zudem, dass sich der Ansatz von US-Präsident Donald Trump in Bezug auf Syrien in erheblichem Maße mit der Sichtweise der Türkei überschneide. „Es ist wichtig, dass sich die neue syrische Führung an die internationale Gemeinschaft anpasst. Wir unterstützen auch die Waffenstillstandsbemühungen in Gaza und der Ukraine“, unterstrich er die Position der Türkei.
In seiner Bewertung der Entwicklungen in Gaza verwies Fidan auf die Entwicklung von Friedensplänen und sagte: „Der Friedensrat spielt eine neue Plattform für eine Lösung in Gaza und eine zentrale Rolle bei der humanitären Hilfe. Wir sind bereit, einen Beitrag zur Internationalen Stabilisierungstruppe zu leisten.“
Zum Stopp der Handelsbeziehungen mit Israel erklärte Fidan, dies sei eine Reaktion auf die Politik Israels in der Region gewesen; das eigentliche Problem der Türkei sei die Vorgehensweise Israels gegenüber den Palästinensern und insbesondere die Praktiken in Gaza.
Bezüglich der potenziellen Spannungen zwischen dem Iran und Israel äußerte Fidan, dass Israel zwar militärische Strukturen im Iran ins Visier nehmen wolle, ein Regimewechsel jedoch nicht durch militärische Interventionen von außen herbeigeführt werden könne.
Fidan betonte die Vermittlerrolle der Türkei im Russland-Ukraine-Krieg und bei den Friedensinitiativen: „Wir stehen in ständigem Kontakt mit allen Parteien; wir sind einem Waffenstillstand so nah wie nie zuvor. Die Türkei übernimmt eine wichtige erleichternde Rolle bei Gefangenenaustauschen und humanitären Themen.“
Fidan ging auch auf die geopolitischen Debatten zwischen den USA und Europa ein und stellte fest, dass die Grönland-Frage, die Zukunft der NATO und die Veränderungen in der europäischen Sicherheitsarchitektur zu hitzigen Diskussionen an der Westfront geführt hätten. Er sagte, dass ein möglicher Rückzug Amerikas aus dem europäischen Sicherheitssystem bei den europäischen Verbündeten Sorge auslöse.
Fidans Erklärungen haben die Position der Türkei in Bezug auf die regionalen Machtverhältnisse und die internationalen Beziehungen erneut verdeutlicht.
Nachrichtenquelle: 12punto
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