Hochwasserrisikokarte für Istanbul: Die gefährlichsten Bezirke stehen fest
Durch den globalen Klimawandel zunehmende Extremniederschläge haben zur Erstellung neuer Risikokarten für Istanbul geführt. Eine KI-gestützte Bewertung hat die Bezirke mit dem höchsten Hochwasserrisiko in der Megacity identifiziert.
In Istanbul, das mit Entwässerungsproblemen und zunehmender Betonierung zu kämpfen hat, wurden die Hochwasserrisiken in einer vom Katastrophenmanagement-Institut der Technischen Universität Istanbul (İTÜ) durchgeführten Studie auf Bezirksebene analysiert. In diesem gemeinsam mit dem Katastrophenkoordinationszentrum (AKOM) entwickelten Projekt wurde erstmals in der Türkei ein KI-basierter Entscheidungsunterstützungsalgorithmus eingesetzt. Unter Berücksichtigung zahlreicher Indikatoren, von der Bevölkerungsdichte bis zur Topografie sowie von der Anfälligkeit bis zur Exposition, wurde die Risikokarte der Bezirke aktualisiert.
Den Ergebnissen der Untersuchung zufolge belegen die Bezirke Fatih, Gaziosmanpaşa, Bağcılar, Güngören und Beyoğlu die vordersten Plätze unter den Gebieten mit dem höchsten Hochwasserrisiko. Als Bezirke mit dem geringsten Risiko wurden Adalar, Şile, Silivri, Sarıyer und Çekmeköy ermittelt.
Doz. Dr. Ömer Ekmekcioğlu von der İTÜ erklärte, dass sie in der Studie Analysen auf Basis von insgesamt fast 20 Indikatoren durchgeführt und die räumliche Verteilung des Hochwasserrisikos in Istanbul detailliert aufgezeigt hätten. „Etwa 15 verschiedene Indikatoren wurden hinsichtlich der Gefahr und die übrigen hinsichtlich der Anfälligkeit und Exposition auf Bezirksebene betrachtet. Mit den gesammelten Daten haben wir bestimmt, welche Bereiche auf der weiten Fläche der Stadt empfindlicher sind“, so Ekmekcioğlu, der betonte, dass das Risiko insbesondere in den zentralen Bezirken ein ernstes Ausmaß erreicht habe.
EUROPÄISCHE SEITE HERAUSRAGEND
Ekmekcioğlu sagte, dass die Hochwassergefahr auf der europäischen Seite verbreiteter sei; insbesondere Bezirke wie Fatih, Gaziosmanpaşa, Bağcılar, Esenler und Güngören hätten in der Vergangenheit häufig Überschwemmungen erlebt, und das Risiko sei aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte gestiegen. Auf der anatolischen Seite stünden zwar Bezirke wie Üsküdar, Ümraniye, Ataşehir und Kadıköy stärker im Fokus, doch insgesamt trage die europäische Seite ein etwas höheres Risiko.
„Etwa 10 Prozent der Fläche Istanbuls wurden als Hochrisikogebiet und 10 Prozent als Zone mit mittlerem Risiko definiert. Auch wenn die übrigen Gebiete als risikoarm erscheinen, ist es entscheidend, dass dieser 10-prozentige Hochrisikoanteil auf die bevölkerungsreichen Bezirke der Stadt entfällt. Hier ist die Wahrscheinlichkeit von Überflutungen und Hochwasser stärker“, bewertete Ekmekcioğlu und wies auf die Urbanisierung und dichte Bebauung hin.
„NATURBASIERTE LÖSUNGEN GEGEN HOCHWASSERGEFAHR SIND UNERLÄSSLICH“
Doz. Dr. Ömer Ekmekcioğlu betonte, dass der Rückgang der natürlichen Flächen der Stadt und die Ausbreitung undurchlässiger Oberflächen das Hochwasserrisiko erhöhten, und gab folgende Empfehlungen:
„In großen und bevölkerungsreichen Städten wie Istanbul muss der Schwerpunkt auf naturbasierten Lösungen liegen. Die Verbreitung von Regenwassernutzungssystemen, Regengärten und durchlässigen Böden, die das Versickern von Wasser ermöglichen, sollte Priorität haben. Insbesondere das Sammeln von Regenwasser auf Dächern kann verhindern, dass Wasser schnell abfließt und zu Überschwemmungen führt. Die Umsetzung dieser Maßnahmen ist sowohl für eine nachhaltige Wassernutzung als auch für die Verringerung des Hochwasserrisikos entscheidend.“
Es wurde berichtet, dass das mit künstlicher Intelligenz entwickelte Modell neben vergangenen Hochwasserereignissen auch meteorologische und topografische Faktoren berücksichtigt und somit riskante Gebiete mit einer Genauigkeit von 90 bis 95 Prozent vorhersagen kann.
BEZIRKE MIT DEM HÖCHSTEN UND NIEDRIGSTEN RISIKOWERT
Im Rahmen der Studie belegten die Bezirke Fatih (0,7750), Gaziosmanpaşa (0,7505), Bağcılar (0,7340), Güngören (0,7305) und Beyoğlu (0,7211) die ersten fünf Plätze der Gefahrenskala. Die Gebiete mit dem geringsten Hochwasserrisiko in Istanbul waren Adalar (0,1376), Şile (0,1377), Silivri (0,1831), Sarıyer (0,1880) und Çekmeköy (0,2212).
Experten weisen darauf hin, dass die Stadtplanung in der kommenden Zeit durch wissenschaftliche Risikokarten und die Verbreitung naturbasierter Anwendungen unterstützt werden müsse.
Nachrichtenquelle: 12punto
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