Die Türkei-Formel nach der Hormus-Blockade
Nachdem der Iran gezwungen war, seine Ölexporte auf dem Seeweg aufgrund der von den USA verhängten Blockade der Straße von Hormus einzustellen, sucht das Land angesichts schrumpfender Exportwege nach alternativen Transportrouten. Während die Lagerkapazitäten im Land rapide erschöpft sind, richtet sich der Blick auf den Land- und Schienentransport über die Türkei und die Nachbarländer.
Die verstärkte Überwachung der Straße von Hormus durch die US-Marine hat den internationalen Ölhandel des Iran nahezu vollständig zum Erliegen gebracht. Infolgedessen wurde die Ölproduktion im Iran gedrosselt, während die Lagerkapazitäten für den Export ein kritisches Limit erreicht haben. Die Regierung in Teheran setzt auf ihren langjährigen Ansatz einer „Widerstandswirtschaft“ gegen die Sanktionen und prüft verschiedene Alternativen zur Bewältigung der aktuellen Krise.
Die in jüngster Zeit rapide gesunkenen Exportzahlen und die drohende Überfüllung der inländischen Lager zwingen den Iran dazu, neue Wege für seine Exportaktivitäten zu suchen. Einem hochrangigen iranischen Beamten zufolge, der gegenüber Bloomberg Auskunft gab, wurden bereits Maßnahmen ergriffen, um eine Kapazitätsüberschreitung bei der Ölförderung zu verhindern. Besonders die hohe Auslastung auf der Insel Charg, einem der wichtigsten Exportstandorte des Landes, ist bemerkenswert.
Dieser neue Druck durch die USA hat auch dazu geführt, dass die vom Iran traditionell genutzte „Schattenflotte“ – also Tanker, die sich der internationalen Kontrolle entziehen – sowie geheime Liefermethoden, insbesondere in Richtung China, weitgehend außer Kraft gesetzt wurden. Infolge des gestoppten Schiffsverkehrs warten Millionen Barrel Öl auf See.
IRANS WIDERSTANDSSTRATEGIEN
In der schwierigen Lage, in der sich Teheran befindet, vertraut die wirtschaftliche Führung des Landes auf ihre Erfahrung bei der Bewältigung solcher Krisen. Hamid Hosseini, Sprecher des iranischen Verbandes der Exporteure von Öl, Gas und petrochemischen Produkten, erklärte: „Wir verfügen über ausreichend Fachwissen und Erfahrung, wir sind nicht besorgt.“ Beamte betonen, dass die neuen Techniken, die insbesondere nach dem Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen im Jahr 2018 entwickelt wurden, auch heute angewendet werden können.
In dieser Phase zunehmender Spannungen in der Region versucht die US-Regierung, den Iran durch wirtschaftlichen Druck wieder an den Verhandlungstisch zu zwingen. Es fällt jedoch auf, dass Teheran die hohen Ölpreise weiterhin als Trumpf in der Hand hält. Experten betonen, dass der Iran über ein erhebliches Know-how verfügt, um die Produktion schnell zu drosseln und wieder hochzufahren.
LAGERKRISEN UND ORIENTIERUNG AUF NEUE ROUTEN
Aktuelle Daten zeigen, dass der Iran unter den gegenwärtigen Bedingungen noch über Lagerkapazitäten für etwa einen Monat verfügt. Der US-Finanzminister Scott Bessent betont, dass die Haupt-Exportinsel Charg ihre Kapazitätsgrenze in Kürze erreichen werde, was den Verhandlungsdruck auf Teheran erhöhe.
Iranische Exporteure zielen jedoch darauf ab, ihre Exportkapazitäten über Land- und Schienenwege zu stärken, um der Möglichkeit einer Schließung der Seewege entgegenzuwirken. Hamid Hosseini gibt an, dass Lieferungen per LKW in Länder wie die Türkei, Pakistan, Afghanistan und Usbekistan möglich seien. Zudem zählt der Schienentransport nach China zu den Optionen, auch wenn dieser kostspieliger ist.
DER DRUCK AUF DEN ÖLSEKTOR NIMMT ZU
Laut Antoine Halff, Mitbegründer des Daten- und Forschungsunternehmens Kayrros, herrscht im iranischen Ölsystem derzeit „erheblicher Stress“. Eine Drosselung der Produktion sei unumgänglich. Dennoch verfolgt die iranische Führung das Ziel, die Produktionskapazitäten bei einer Lockerung des Embargos schnell wieder auf das alte Niveau zu bringen.
Brett Erickson, Geschäftsführer von Obsidian Risk Advisors, äußert die Einschätzung, dass der massive wirtschaftliche Druck Washingtons auf Teheran nicht so schnell Ergebnisse liefern werde wie erwartet, und merkt an: „Diese Regime kapitulieren nicht, sie passen sich an.“ Es bleibt abzuwarten, inwieweit die Strategie der „Widerstandswirtschaft“ des Iran den wirtschaftlichen Beschränkungen der USA in den kommenden Wochen standhalten kann.
Nachrichtenquelle: 12punto
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