Kim Jong-uns Behauptung einer „wundersamen Transformation“: Wie real ist der Aufschwung der nordkoreanischen Wirtschaft?
Wie BBC Türkçe berichtet, zeigt die nordkoreanische Wirtschaft Anzeichen von Wachstum; Experten sind jedoch der Ansicht, dass sich diese Gewinne nicht auf die Bevölkerung auswirken.
Die Erklärung des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un, sein Land habe eine „wundersame Transformation“ durchlaufen, hat erneut die Frage aufgeworfen, ob es in der Wirtschaft des abgeschotteten Regimes tatsächlich eine dauerhafte Erholung gibt.
Nach Schätzungen der südkoreanischen Zentralbank ist die nordkoreanische Wirtschaft im Jahr 2024 um 3,7 Prozent gewachsen. Diese Rate deutet auf die stärkste Expansion des Landes in den letzten acht Jahren hin. Experten bewerten zudem, dass die Regierung in Pjöngjang derzeit eine der komfortabelsten finanziellen Bedingungen seit Beginn der Ära Kim Jong-un erlebt.
Dieses Bild beseitigt jedoch nicht die düsteren Daten zu den Lebensbedingungen im Land. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind in Nordkorea etwa 11 Millionen Menschen, also 45 Prozent der Bevölkerung, unterernährt. Menschenrechtsverletzungen, strenge Sicherheitskontrollen und die Abgeschottetheit gegenüber der Außenwelt führen dazu, dass Informationen über das Land begrenzt bleiben.
QUELLEN DES AUFSCHWUNGS
Hinter der jüngsten wirtschaftlichen Belebung steht vor allem die Annäherung an Russland. Westlichen Geheimdienstberichten zufolge hat Pjöngjang aufgrund des Ukraine-Krieges Munition und Waffen an Russland geliefert; zudem wurden Tausende von Mitarbeitern entsandt, um auf russischer Seite zu kämpfen oder in der russischen Industrie zu arbeiten.
Das 2024 unterzeichnete umfassende strategische Partnerschaftsabkommen mit Russland wurde zu einem der Symbole für die militärische und politische Annäherung zwischen den beiden Ländern. Experten zufolge hat diese Zusammenarbeit die Produktion in einigen Bereichen der Schwerindustrie, des Bergbaus, des Maschinenbaus und der chemischen Industrie, die in Nordkorea lange Zeit mit geringer Kapazität arbeiteten, wieder angekurbelt.

Der Handel mit China und die Lockerung bei der Umsetzung von Sanktionen zählen ebenfalls zu den Faktoren, die den finanziellen Spielraum des Regimes erweitert haben. Die Botschaften des chinesischen Präsidenten Xi Jinping zur Stärkung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Pjöngjang zeigen, dass die langfristige wirtschaftliche Ausrichtung Nordkoreas weiterhin weitgehend von den Beziehungen zu Peking abhängt.
Darüber hinaus wird darauf hingewiesen, dass Pjöngjang seit Jahren verschiedene Wege nutzt, um Sanktionen zu umgehen. Laut einem Bericht des US-amerikanischen Unternehmens Chainalysis haben mit Nordkorea verbundene Akteure im Jahr 2025 Vermögenswerte im Wert von 2 Milliarden Dollar aus dem Krypto-Ökosystem gestohlen. Experten betonen, dass solche Ressourcen zwar die Kassen des Regimes stärken, sich jedoch nicht als Wohlstand für die breite Gesellschaft niederschlagen.
WACHSTUM OHNE AUSWIRKUNGEN AUF DIE BEVÖLKERUNG
In letzter Zeit sind in Pjöngjang Veränderungen wie eine bessere Straßenbeleuchtung, ein regelmäßigerer Betrieb von Aufzügen in einigen Hochhäusern, die Nutzung von Mobiltelefonen, importierte Elektrofahrzeuge und mobile Anwendungen zu beobachten. Analysen von Satellitenbildern zeigen ebenfalls einen Anstieg der elektrischen Beleuchtung in der Hauptstadt.
Experten zufolge ist diese Verbesserung jedoch weitgehend auf die Hauptstadt und das Umfeld der herrschenden Elite beschränkt. In ländlichen Regionen und Siedlungen außerhalb von Pjöngjang bleiben Ernährungsunsicherheit, geringes Einkommen und staatliche Kontrolle die grundlegenden Probleme des Alltags.
Kim Jong-uns Versprechen, mit dem sogenannten „20x10“-Programm innerhalb von 10 Jahren landesweit 20 Fabriken zu errichten, wird daher aufmerksam verfolgt. Stephen Haggard, Experte für die nordkoreanische Wirtschaft an der University of California, San Diego, stellt fest, dass es zwar Anzeichen für ländliche Entwicklung und Wohnungsbauinvestitionen gibt, die Kluft zwischen Pjöngjang und dem Rest des Landes jedoch nach wie vor sehr groß ist.
Jongkyu Lee vom Korea Development Institute in Seoul bezeichnet das aktuelle Bild eher als ein „kriegsorientiertes Wachstum“ denn als ein nachhaltiges Entwicklungsmodell. Laut Lee stützt die militärische Nachfrage zwar kurzfristig die Produktion, doch die langfristigen Auswirkungen seien ungewiss; der erzielte Nutzen habe die einfachen Bürger noch nicht erreicht.
Obwohl die Anzeichen für eine Erholung der nordkoreanischen Wirtschaft also real sind, gibt es ernsthafte Zweifel an der Dauerhaftigkeit und der gesellschaftlichen Resonanz der Behauptung einer „wundersamen Transformation“. Es wird eingeschätzt, dass dieses Wachstum begrenzt und fragil bleiben könnte, solange die steigenden Einnahmen des Regimes nicht in die Lebensbedingungen der Bevölkerung, sondern in das Atomprogramm und den Sicherheitsapparat fließen.
Nachrichtenquelle: 12punto
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