Palästinensischer Vertreter: Rafah von Besatzung bedroht
Der palästinensische Außenminister Riad al-Maliki bezeichnete den "Vernichtungskrieg" im Gazastreifen als äußerst gefährlich. Er forderte den Schutz der Zivilbevölkerung sowie die Schaffung sicherer Fluchtkorridore und betonte, dass Israel auf einem Angriff auf die Stadt Rafah beharre.
Außenminister al-Maliki äußerte sich während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seiner deutschen Amtskollegin Annalena Baerbock in Berlin.
Al-Maliki erklärte: "Die Stadt Rafah ist wie andere Städte und Lager von Zerstörung und Besatzung – von der Gefahr eines Angriffs – bedroht; 1,5 Millionen Palästinenser sind in der Stadt eingekesselt."
Bezüglich der von Israel geplanten Bodenoffensive auf Rafah sagte al-Maliki: "Wenn Israel die Absicht zu einer Bodenoffensive hat und darauf beharrt, Rafah anzugreifen, dann ist das, was von uns allen erwartet wird, die Frage, wie wir die Zivilbevölkerung schützen, wie wir Sicherheitskorridore für ihren Abzug öffnen und wie wir garantieren können, dass ihr Durchgang sicher ist und sie nicht angegriffen werden."
"GAZA WIRD ZU EINER ZONE DER KRANKHEITEN UND KATASTROPHEN"
Al-Maliki rief zu sofortiger Hilfe für den Gazastreifen auf und sagte: "Die Palästinenser im Gazastreifen werden nicht nur durch Kugeln und Bomben getötet, sondern auch durch Hunger und Krankheiten. Gaza verwandelt sich in eine Zone der Krankheiten und Katastrophen und benötigt dringend internationale Intervention."
Er betonte, dass man daran arbeite, dass sich das besetzte Westjordanland nicht in ein "zweites Gaza" verwandle, und unterstrich, dass die Gewalt illegaler jüdischer Siedler gestoppt werden müsse, um den Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten.
Al-Maliki sagte, dass die Konzentration der israelischen Angriffe auf Flüchtlingslager zeige, dass palästinensische Flüchtlinge, wo immer sie sich auch befänden, vom israelischen Staat und dessen Armee offen ins Visier genommen würden.
Al-Maliki erläuterte, dass die palästinensische Führung an vier Wegen arbeite: "Erstens ein Waffenstillstand oder ein humanitärer Waffenstillstand, um die Bevölkerung in Gaza zu versorgen. Katar, die USA und Ägypten bemühen sich um eine Einigung. Das für morgen in Ägypten geplante Treffen ist eine Fortsetzung des Vorschlags vom Treffen in Paris und wird begrüßt. Um einen Konsens zu erzielen, ist die Teilnahme Israels erforderlich."
Al-Maliki wies darauf hin, dass der zweite Weg eine Reform der palästinensischen Regierung sei, die bereits begonnen habe und fortgesetzt werde: "Wir brauchen die Unterstützung und Hilfe befreundeter und brüderlicher Länder, damit die Reformen umgesetzt werden können."
Der dritte Weg sei der Wiederaufbau, der internationale Anstrengungen erfordere, so al-Maliki: "Sobald der Krieg gestoppt ist, haben wir begonnen, mit der Weltbank, unseren Freunden und Brüdern Gespräche zu führen, um einen Plan und eine Vision für den schnellen Wiederaufbau (von Gaza) und die Deckung der notwendigen Bedürfnisse zu entwickeln."
Al-Maliki bewertete den vierten Weg wie folgt: "Der politische Weg, um eine Vision für eine politische Perspektive nach dem Krieg zu schaffen. Wir unternehmen gemeinsame Anstrengungen mit den Arabern, es finden Treffen statt. Es ist wichtig, dass Palästina Teil des internationalen Systems ist."
ISRAELS ANGRIFFSPLAN AUF DIE REGION RAFAH
Israel, das bei seinen Angriffen und der Besatzung Gazas zehntausende Palästinenser getötet hat, hat einen Großteil der Bevölkerung aus den nördlichen und mittleren Teilen des Gebiets dazu gezwungen, in die Stadt Rafah an der ägyptischen Grenze zu fliehen.
Israel will nun die südliche Region, die es während der Angriffe selbst zur "Sicherheitszone" für die Menschen aus dem Norden erklärt hatte, ebenfalls mit Bodentruppen besetzen und die Bevölkerung von dort vertreiben.
Es wird geschätzt, dass etwa 1,4 Millionen Zivilisten in Rafah festsitzen.
Die internationale Gemeinschaft warnt Israel davor, dass ein umfassender Angriff auf Rafah eine neue und große Tragödie verursachen würde.
Bei den israelischen Angriffen auf den Gazastreifen seit dem 7. Oktober wurden mindestens 28.473 Palästinenser getötet, darunter mindestens 12.300 Kinder und 8.400 Frauen; 68.146 Menschen wurden verletzt.
Während berichtet wird, dass sich noch tausende Tote unter den Trümmern befinden, wird auch die zivile Infrastruktur zerstört, indem Krankenhäuser und Bildungseinrichtungen, in denen Menschen Zuflucht suchen, gezielt angegriffen werden.
Nachrichtenquelle: AA
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