Reaktionen aus Europa auf die Äußerungen von NATO-Generalsekretär Rutte zu den USA
Die Erklärungen von NATO-Generalsekretär Mark Rutte, wonach Europa sich ohne die Unterstützung der USA nicht verteidigen könne, haben in vielen europäischen Hauptstädten, insbesondere in Paris und Brüssel, für heftige Reaktionen gesorgt.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte hat eine sehr deutliche Botschaft zur Abhängigkeit der Europäischen Union von den USA im Bereich Sicherheit und Verteidigung gesendet. In seiner Rede vor dem Europäischen Parlament sagte Rutte, dass Europa militärisch ohne die Unterstützung der Vereinigten Staaten nicht autark sein könne, und warnte: "Diejenigen, die glauben, dass Europa ohne die Hilfe Washingtons eine unabhängige Verteidigung aufbauen kann, müssen sich der Realität stellen."
Rutte erklärte, dass der Verzicht europäischer Staats- und Regierungschefs auf die militärische Unterstützung der USA große Risiken berge. Mit Blick auf eine mögliche Erhöhung der Verteidigungshaushalte betonte Rutte, dass Europa möglicherweise 10 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgeben müsste, um ein Sicherheitssystem ohne die USA aufzubauen. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass der Aufbau einer unabhängigen nuklearen Abschreckung Milliarden Euro kosten würde.
Rutte sagte in seiner Rede: "Wenn hier jemand noch einmal darüber nachdenkt, ob die Europäische Union oder Europa als Ganzes sich ohne die USA verteidigen kann, dann sollen sie wissen, dass dies ein Traum ist. Sie können das nicht, und wir können das auch nicht, denn wir brauchen einander."
Diese Äußerungen im Parlament stießen insbesondere in den sozialen Medien aufgrund ihres ironischen Tons auf ein breites Echo und wurden zum Ziel von Kritik. Ruttes Bemerkung "Ich wünsche Ihnen schon jetzt viel Glück" wurde als spöttisch empfunden und löste bei europäischen Politikern und in der Öffentlichkeit Empörung aus.
Die Sprecherin der Europäischen Kommission, Paula Pinho, betonte hingegen den aktuellen strategischen Fokus und erklärte, dass eine widerstandsfähigere und unabhängigere Struktur in allen Bereichen, einschließlich der Sicherheit, angestrebt werden müsse.
HARTE ANTWORT VON FRANZÖSISCHEN UND BELGISCHEN POLITIKERN
Ruttes Äußerungen stießen insbesondere in Frankreich, einem Verfechter der strategischen Autonomie, auf heftige Kritik. Der französische Außenminister Jean-Noël Barrot argumentierte in einer Antwort über soziale Medien, dass die Europäer in der Lage seien, Verantwortung für ihre eigene Sicherheit zu übernehmen, und dass sie diese Verantwortung auch wahrnehmen müssten.
Charles Michel, der zuvor Präsident des Europäischen Rates war, spielte auf den Begriff "Daddy" an, den Rutte in der Vergangenheit für den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump verwendet hatte. Michel kritisierte den Generalsekretär mit den Worten: "Lieber Mark Rutte, du irrst dich. Europa wird sich verteidigen. Donald Trump ist nicht mein, sondern dein 'Daddy'. Denn die Zukunft Europas erfordert Visionen, Mut und Führung. Nicht Unterwerfung oder Fatalismus."
Obwohl Rutte in früheren Krisen innerhalb der NATO eine vermittelnde Rolle gespielt hat, hat dieser jüngste Vorstoß eine neue Debatte über die Zukunft der Verteidigungs- und Sicherheitsbeziehungen zwischen der Europäischen Union und den USA entfacht.
Während viele europäische Länder betonen, dass die Abhängigkeit von den USA verringert und die Verteidigungskapazitäten ausgebaut werden müssen, haben Ruttes Worte die Sorgen über das Machtgleichgewicht innerhalb des transatlantischen Bündnisses auf dem gesamten Kontinent wieder in den Vordergrund gerückt.
Nachrichtenquelle: 12punto
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