Preiserhöhungen bei Agrarprodukten erwartet: El Niño steht vor der Tür
Während sich das Wetterphänomen El Niño darauf vorbereitet, ab dem Sommer 2026 an Intensität zu gewinnen, mehren sich die Warnungen vor Preissteigerungen und Versorgungsengpässen auf den Agrarrohstoffmärkten. Insbesondere bei Baumwolle, Kakao, Palmöl und Reis steht ein globaler Preisanstieg zur Debatte.
Mit den erwarteten Veränderungen der globalen Wetterbedingungen hat El Niño die Sorgen in verschiedenen Sektoren, allen voran in der Landwirtschaft, wieder an die Oberfläche gebracht. Während aktuelle Daten darauf hindeuten, dass sich die Auswirkungen dieses Wetterphänomens ab Juli 2026 deutlich bemerkbar machen werden, haben Experten die Aufmerksamkeit der Märkte bereits auf El Niño gelenkt.
Experten prognostizieren, dass El Niño vom Pazifischen Ozean ausgehend weltweit zu steigenden Temperaturen und veränderten Niederschlagsmustern führen wird. Dieses Wetterereignis könnte für Erzeuger insbesondere in ohnehin schwierigen Anbaugebieten zu Dürren führen und in Regionen wie Südostasien bei Palmöl, in Westafrika bei Kakao sowie auf den asiatischen Reisfeldern Versorgungsengpässe auslösen.
Die Erwartung, dass mögliche Produktionsrückgänge bei Grundnahrungsmitteln wie Palmöl, Kakao, Baumwolle und Reis die Preise in die Höhe treiben könnten, verunsichert den Markt. Zudem wird darauf hingewiesen, dass auch andere Pflanzenöle wie Soja- und Sonnenblumenöl von diesem Prozess betroffen sein könnten.
Klimaforschern zufolge wird damit gerechnet, dass der El-Niño-Effekt in der verbleibenden Zeit des Jahres mit einer Wahrscheinlichkeit von über 80 % eintritt. In den Wintermonaten wird erwartet, dass dieser Wert sogar 90 % übersteigt.
„Unseren Prognosen zufolge ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich El Niño ab Juli verstärkt, sehr hoch. Wir beobachten, dass diese Wahrscheinlichkeit in den Wintermonaten noch deutlich zunimmt“, kommentiert Zafer Ergezen, Experte für Termin- und Rohstoffmärkte, und führt weiter aus: „Wenn wir uns die Modellierungen ansehen, zeigen diese uns ebenfalls, dass der El-Niño-Effekt eintreten wird. Um kurz zu erklären, was El Niño ist: Er entsteht durch Temperaturveränderungen im Ozean. Wenn wir uns die Erwärmung der Weltmeere ansehen und insbesondere die Abschwächung der Winde in Richtung Amerika, so führt dies zu einem Anstieg der Wassertemperaturen im Pazifischen Ozean vor der amerikanischen Küste. Das bedeutet etwas mehr Dürre. Man kann sagen, dass wir eine heißere Periode erleben. Besonders auf der amerikanischen Seite. Wir können auch sehen, dass sich die asiatische Seite erwärmt und die Niederschläge dort abnehmen. Auf der amerikanischen Seite hingegen kann es zu mehr Überschwemmungen und Regen kommen. In einer solchen Phase können wir also Folgendes erwarten: In Asien und Australien nehmen die Regenfälle ab und Dürren beginnen. An den amerikanischen Küsten hingegen nehmen die Niederschläge zu. Auch in Afrika und Indien gerät der zeitliche Ablauf der Jahreszeiten durcheinander.“
Im Bereich Baumwolle wird darauf hingewiesen, dass hohe Temperaturen in Verbindung mit verzögerten Monsunregen auf dem indischen Subkontinent das Risiko von Schädlingsbefall erhöhen könnten, was zu erheblichen Bewegungen bei den Baumwollpreisen führen dürfte. Ebenso könnte eine Dürre in Westafrika zu einer Verknappung des Kakaoangebots führen und die Preise im Jahr 2027 zusätzlich in die Höhe treiben.
Bei einem weiteren kritischen Produkt, dem Reis, wird darauf hingewiesen, dass es aufgrund unzureichender Niederschläge in den großen Erzeugerländern Vietnam und Thailand zu neuen Preisschocks kommen könnte. „Wir haben jetzt nur über die negativen Aspekte gesprochen, aber wenn wir es von der anderen Seite betrachten, können wir zum Beispiel sagen, dass es bei Sojabohnen einen Anstieg geben könnte, da die Produktion von Sojabohnen in der Vergangenheit in Regionen wie Amerika und Argentinien immer gestiegen ist. Das könnten wir wieder sehen“, sagt Zafer Ergezen.
Experten betonen zudem, dass der Verlauf der Monsunsaison in Indien eine Schlüsselrolle bei der Preisentwicklung strategischer Rohstoffe wie Baumwolle, Zucker, Reis und Palmöl spielen wird. Sollte der Monsun schwach ausfallen, wird betont, dass sich der El-Niño-Effekt in der kommenden Zeit noch weiter verstärken könnte.
In dieser Phase zunehmender Unsicherheit an den Agrarrohstoffmärkten beobachten Erzeuger und Branchenvertreter die kommenden Monate genau. Insbesondere die El-Niño-Bedingungen, gepaart mit den Auswirkungen der globalen Erwärmung, könnten neue Preisschocks auf die Märkte bringen.
Nachrichtenquelle: 12punto
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