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Spannungen im Nahen Osten bedrohen globale Agrarmärkte

Die militärischen Aktivitäten in der Region führen zu Preissteigerungen bei Energie- und Agrarprodukten und bergen neue Risiken für die globale Lebensmittelversorgungskette. Experten warnen, dass Sicherheitsbedenken in der Straße von Hormus und steigende Energiekosten die Lebensmittelpreise in der kommenden Zeit weiter in die Höhe treiben könnten.

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Spannungen im Nahen Osten bedrohen globale Agrarmärkte

Die jüngste Eskalation der Spannungen zwischen Israel und dem Iran im Nahen Osten wirkt sich nicht nur tiefgreifend auf die Energiemärkte, sondern auch auf den Agrarsektor aus. Nach den Luftangriffen Israels auf iranische Atomanlagen begannen die Preise für wichtige Agrarrohstoffe, allen voran Weizen, rapide zu steigen. In den globalen Lieferketten stehen Sicherheits- und Kontinuitätsbedenken im Vordergrund.

In Paris erholten sich die Weizen-Futures für September auf 203 Euro pro Tonne von den niedrigen Niveaus der Vorwoche, während die Weizenpreise auf dem Chicagoer Markt auf 5,70 Dollar pro Scheffel stiegen. Analysten führen diesen Anstieg größtenteils auf das Schließen von Short-Positionen zurück, das durch geopolitische Risiken ausgelöst wurde. Zudem treibt die Übertragung des Anstiegs der Ölpreise auf die landwirtschaftlichen Produktionskosten die Preise weiter nach oben.

Der Persische Golf und das Rote Meer gehören zu den kritischen Routen für den weltweiten Agrarhandel. Im Jahr 2024 wurden über diese Routen etwa 52 Millionen Tonnen Agrarprodukte transportiert; dies entspricht etwa 8 Prozent der weltweiten Agrarlieferungen. Laut Daten von S&P Global befanden sich Mitte Juni etwa 80 Schiffe auf diesen Routen, die Produkte wie Sojabohnen, Zucker, Mais und Weizen transportierten. Insbesondere Produkte aus Brasilien und Argentinien sind gefährdet. Während Brasilien bei den Maisimporten des Iran führend ist, wird darauf hingewiesen, dass jede Unterbrechung des Schiffsverkehrs in der Region zu einer Kettenreaktion bei den Preisen für Agrarprodukte führen könnte.

Experten betonen, dass geopolitische Krisen kurzfristig zu spekulativen Bewegungen bei Agrarrohstoffen führen können und dass sich erst in den kommenden Wochen zeigen wird, ob die Preissteigerungen von Dauer sind. Sollten die Energiekosten und Frachtprämien auf einem hohen Niveau bleiben, wird für die zweite Jahreshälfte 2025 ein Aufwärtstrend bei den Lebensmittelpreisen erwartet.

Auch die indirekten Auswirkungen des Anstiegs der Energiepreise auf den Agrarsektor sind bemerkenswert. Brent-Öl stieg in der letzten Woche um 11 Prozent und überschritt die Marke von 77 Dollar pro Barrel. Insbesondere wenn man bedenkt, dass in den USA 40 Prozent der Maisproduktion für die Ethanolherstellung verwendet werden, ist zu erwarten, dass der Anstieg der Energiekosten auch die Preise für Produkte wie Mais und Weizen in die Höhe treibt.

Die Lieferungen von Basmati-Reis und Tee von Indien in den Iran sind hingegen fast vollständig zum Erliegen gekommen. Der Iran ist der größte Abnehmer von indischem Basmati-Reis und importiert jährlich etwa 1,2 Millionen Tonnen Reis. Ebenso sind die für afrikanische Länder lebenswichtigen Düngemittellieferungen aus dem Iran gefährdet.

Der Iran ist mit einer Exportkapazität von etwa 17 Millionen Tonnen pro Jahr der drittgrößte Harnstofflieferant der Welt. Die jüngsten Angriffe haben jedoch ein ernstes Risiko für einen Bruch in der globalen Lieferkette in diesem Bereich geschaffen. Mit der Zunahme geopolitischer Risiken ist auch ein Anstieg der Düngemittelpreise zu beobachten. Das Kriegsumfeld führt zu höheren Kosten für Schiffsversicherungen und zu Verzögerungen auf den Transportrouten. Insbesondere die Sicherheitsrisiken bei der Durchfahrt durch die Straße von Hormus bedrohen die Düngemittellieferungen. Bei Lieferungen vom Iran nach Südasien und Afrika sind die Fracht- und Versicherungsprämien um bis zu 30 Prozent gestiegen. Zudem erhöht die Möglichkeit, dass die USA zusätzliche Sanktionen gegen den Iran verhängen, die Unsicherheit auf dem Markt. In den letzten zwei Wochen kam es bei UAN, wasserfreiem Ammoniak und Harnstoff zu zweistelligen Preissteigerungen. Große Abnehmer wie Indien und Brasilien haben begonnen, nach alternativen Lieferanten zu suchen. Analysten zufolge könnten die Preissteigerungen bei Düngemitteln bis Ende 2025 anhalten. Sollten sich die Konflikte ausweiten und die Straße von Hormus geschlossen werden, wird ein zusätzlicher Anstieg der Düngemittelpreise um 20 bis 30 Prozent prognostiziert.


Nachrichtenquelle: 12punto