Die Fettgewinnungsfähigkeiten der Neandertaler: Eine Entdeckung, die Licht auf die Zeit vor 125.000 Jahren wirft
Archäologische Ausgrabungen in Neumark-Nord haben ergeben, dass Neandertaler Fett aus den Knochen großer Säugetiere gewannen und so einer tödlichen Proteinvergiftung entgingen.
Neue Erkenntnisse, die an der archäologischen Fundstätte Neumark-Nord in Deutschland gewonnen wurden, stellen bisherige Annahmen über das Ernährungsverhalten der Neandertaler infrage. Laut einer im Fachmagazin Science veröffentlichten Studie wurde festgestellt, dass die vor 125.000 Jahren lebenden Neandertaler nicht nur das Fleisch und das Knochenmark der von ihnen gejagten Tiere verzehrten, sondern die Knochen auch mit verschiedenen Methoden bearbeiteten, um das darin enthaltene Fett zu gewinnen.
Detaillierte Analysen von über 2.000 Knochen großer Säugetiere, die an der Ausgrabungsstätte ans Licht kamen, zeigen, dass diese Knochen systematisch zerschlagen und gekocht wurden. Das Forschungsteam stellte fest, dass insbesondere die Knochen großer Tiere wie Elefanten und Bisons selbst nach dem Verzehr des Marks noch mit verschiedenen Techniken erhitzt wurden, bis sie knackten, um das verbleibende Fett zu extrahieren. In diesem Prozess stechen Schritte wie das Kochen, das Zerkleinern in kleine Stücke und das wiederholte Erhitzen hervor.
Die Hauptautorin der Studie, Prof. Dr. Sabine Gaudzinski-Windheuser, betonte die Bedeutung der Funde mit den Worten: „Wir haben Kochspuren und Fettrückstände auf den Knochen gefunden. Dies zeigt, dass die Neandertaler über komplexe Techniken der Lebensmittelverarbeitung verfügten.“
WIE ÜBERWANDEN SIE DAS RISIKO EINER PROTEINVERGIFTUNG?
Wissenschaftler erinnern daran, dass Gemeinschaften, die sich hauptsächlich von magerem Fleisch und Protein ernähren, einem ernsthaften Gesundheitsrisiko ausgesetzt sein können, das als „Kaninchenhunger“ (Proteinvergiftung) bekannt ist. Der Körper kann sich nicht allein auf Protein verlassen, um seinen Energiebedarf zu decken; insbesondere ein Mangel an Fett und Kohlenhydraten kann tödliche Folgen haben.
Die Neandertaler schafften es, diesem Risiko zu entgehen, indem sie neben dem Fleisch und Mark der gejagten Tiere auch Fett aus den Knochen gewannen. Die Forscher bewerten dies wie folgt: „Diese Art des Ressourcenmanagements war nicht nur ein Überlebensmechanismus, sondern auch Teil der langfristigen Ernährungsstrategie der Gemeinschaft.“ Fett spielte eine entscheidende Rolle, da es sowohl eine energiereiche Quelle darstellte als auch lagerfähig war.
ÄHNLICHKEITEN ZUM VERHALTEN DES MODERNEN MENSCHEN
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Neandertaler versuchten, den maximalen Nutzen aus den von ihnen gejagten Tieren zu ziehen, und über fortgeschrittene Techniken der Lebensmittelverarbeitung verfügten, ähnlich wie der moderne Mensch. Es wird darauf hingewiesen, dass die Neandertaler bei der Fettlagerung und der Optimierung von Nahrungsmitteln bereits in einer viel früheren Periode als bisher angenommen komplexe Methoden entwickelt hatten.
Wissenschaftlern zufolge stützt diese Entdeckung die Annahme, dass die Neandertaler über weitaus kreativere und fortgeschrittenere Ernährungsstrategien verfügten, als bisher gedacht. Es wurde erneut bewiesen, dass sie nicht nur „Jäger“ waren, sondern Gemeinschaften, die ihre Ressourcen rational verwalteten und Fähigkeiten zur Lebensmittelverarbeitung und -lagerung entwickelt hatten.
Nachrichtenquelle: 12punto
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