Massengrab für 12.000 Menschen in Erfurt entdeckt
Geophysikalische Untersuchungen und Bohrungen in Deutschland haben ein Massengrab freigelegt, das vermutlich aus der Zeit des Schwarzen Todes stammt, einer der größten Katastrophen des Mittelalters. In Erfurt wurden die Überreste von etwa 12.000 Menschen gefunden.
Bei Sondierungsarbeiten vor einem Bauvorhaben im Erfurter Stadtteil Roter Berg wurde ein außergewöhnlicher archäologischer Fund gemacht. Bei den Tiefengrabungen wurde festgestellt, dass der Boden eine künstliche Struktur von 15x10 Metern Größe und 3,5 Metern Tiefe aufweist. Die Entdeckung zahlreicher menschlicher Knochen bei ersten Untersuchungen löste unter Experten große Begeisterung aus.
Radiokohlenstoffanalysen der in diesem Bereich gefundenen Knochen belegen, dass sie aus der Mitte des 14. Jahrhunderts stammen, also aus der Zeit, als die Pestepidemie des Schwarzen Todes in Europa ihren Höhepunkt erreichte. Geschichtsbücher berichten, dass die Stadt Erfurt im Jahr 1350, als sie mit der Geschwindigkeit der Epidemie nicht mehr Schritt halten konnte, etwa 12.000 ihrer Bewohner in riesigen Gruben vor den Toren der Stadt beisetzte. Bisher konnte der genaue Standort dieser Gräber jedoch nicht bestimmt werden.
Wissenschaftliche Arbeiten unter der Leitung der Universität Leipzig deuten darauf hin, dass der genaue Standort eines der legendären Pestgräber entdeckt wurde. Michael Hein, der Leiter der Studie, erklärte: „Unsere Ergebnisse zeigen eindeutig, dass wir eines der in den Chroniken erwähnten Pestgräber in Erfurt identifiziert haben.“
Die Wahl des Standorts war kein Zufall. Nach der Miasma-Theorie, dem vorherrschenden Glauben des Mittelalters, verbreiteten sich Krankheiten durch schlechte und feuchte Luft. Aus diesem Grund wurde die Anlage der Gräber an einem kontrollierbaren Punkt direkt am Rande des Flusstals bevorzugt. Der Klimahistoriker Martin Bauch erklärte dazu, dass man damals glaubte, die Bestattung der Toten in feuchter Erde würde das Risiko erhöhen, dass sich die Pest durch „Ausdünstungen“ verbreite.
NEUE ÄRA DURCH WISSENSCHAFTLICHE ANALYSEN
Nach den archäologischen Funden richten sich die Blicke nun auf die DNA-Analysen, die am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig durchgeführt werden sollen. Das Forschungsteam wird in den aus dem Grab geborgenen Überresten nach genetischen Spuren des Pestbakteriums Yersinia pestis suchen. Mit den gewonnenen Erkenntnissen sollen mehr Informationen über die Identität der während der Epidemie verstorbenen Personen, ihre gesundheitlichen Bedingungen und die Evolution der Pest gewonnen werden.
Wissenschaftler geben an, dass in dem Gebiet umfassendere Ausgrabungen durchgeführt werden sollen, um zu endgültigen Ergebnissen zu gelangen. Alle Funde und Analysen könnten neue Geheimnisse über die tödlichste Epidemie der europäischen Geschichte lüften.
Mit diesem Fund wird erstmals wissenschaftlich so deutlich wie nie zuvor sichtbar, wie Massenbestattungen während des Schwarzen Todes in der europäischen Geschichte stattfanden und wie die Bevölkerung jener Zeit auf die Epidemie reagierte.
Nachrichtenquelle: 12punto
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