Warum gibt es bei den meisten Lebewesen zwei Geschlechter?
Obwohl Lebewesen in der Natur unterschiedliche Fortpflanzungsformen aufweisen, ist die große Mehrheit in zwei Geschlechter unterteilt: weiblich und männlich. Dabei sind auch andere Methoden wie die ungeschlechtliche Fortpflanzung möglich. Warum hat sich also ein Großteil der Arten in der Natur für ein geschlechtliches Fortpflanzungssystem entschieden und die Geschlechter in zwei Kategorien unterteilt? Wie ist diese Trennung im evolutionären Prozess entstanden und was sind die biologischen Vorteile? Hier sind die Gründe für die Existenz von zwei Geschlechtern bei Lebewesen.
WARUM UND WIE HAT SICH DIE GESCHLECHTLICHE FORTPFLANZUNG ENTWICKELT?
Vor etwa 1,2 Milliarden Jahren vollzogen Lebewesen den Übergang von der ungeschlechtlichen zur geschlechtlichen Fortpflanzung. Während die ungeschlechtliche Fortpflanzung es einem Individuum ermöglicht, eine eigene genetische Kopie zu erstellen, ermöglichte die geschlechtliche Fortpflanzung die Vermischung von Genen verschiedener Individuen.
Genetische Vielfalt wurde zu einem der wichtigsten Errungenschaften der geschlechtlichen Fortpflanzung. Die Vermischung von Genen verschiedener Individuen machte Populationen widerstandsfähiger gegenüber Umweltveränderungen und Krankheiten. Da Individuen bei der ungeschlechtlichen Fortpflanzung über die exakt gleiche genetische Struktur verfügen, war die Population bei bestimmten Bedrohungen einem großen Risiko ausgesetzt. Dank der geschlechtlichen Fortpflanzung nahm die Vielfalt zu und der Prozess der natürlichen Selektion beschleunigte sich.

WIE KAM ES ZUR ENTSTEHUNG DER GESCHLECHTER?
Anfangs pflanzten sich geschlechtlich fortpflanzende Organismen über ein System namens Isogamie fort. In diesem System ähnelten sich alle Fortpflanzungszellen (Gameten). Doch im Laufe der Zeit begannen sich die Gameten zu differenzieren, und es entstand der Prozess, der als Anisogamie bezeichnet wird.
Als Ergebnis dieses Prozesses wurden die großen und energiereichen Eizellen zu den Gameten der Weibchen, während die kleinen und beweglichen Spermienzellen zu den Gameten der Männchen wurden. Diese Arbeitsteilung sorgte für einen effizienteren Fortpflanzungsprozess. Während große Gameten die für die Entwicklung des Embryos notwendigen Nährstoffe lieferten, erleichterten kleine Gameten durch ihre schnelle Bewegung den Befruchtungsprozess.

WELCHEN EINFLUSS HATTE DIE SEXUELLE SELEKTION AUF DIE ARTEN?
Sexuelle Selektion entsteht dadurch, dass Individuen mit bestimmten Merkmalen ihre Paarungschancen erhöhen. Ein männlicher Pfau mit bunten Federn beispielsweise erregt mehr Aufmerksamkeit bei den Weibchen und erhält die Chance, seine Gene häufiger an die nächste Generation weiterzugeben. Der Wettbewerb unter Männchen und die Wählerischkeit der Weibchen bilden die grundlegenden Dynamiken dieses Prozesses. Ein starker männlicher Löwe kann sich beispielsweise das Recht auf Fortpflanzung sichern, indem er die Weibchen beschützt. Die Weibchen wiederum versuchen, den Fortbestand ihrer Nachkommen zu garantieren, indem sie die Männchen mit den gesündesten und stärksten Genen auswählen.

WIE WIRD DAS GESCHLECHT BESTIMMT?
Die Mechanismen zur Geschlechtsbestimmung in der Natur können variieren. Bei Säugetieren ist beispielsweise das XY-System zur Geschlechtsbestimmung verbreitet; Männchen besitzen XY-Chromosomen, Weibchen XX-Chromosomen.
Bei einigen Vögeln und Reptilien ist das ZW-System zu beobachten. Zudem können bei einigen Arten Umweltfaktoren das Geschlecht bestimmen. Bei Schildkröten kann beispielsweise die Temperatur, bei der sich die Eier entwickeln, bestimmen, ob das Individuum weiblich oder männlich wird. Einige Arten wie Schnecken sind hingegen Zwitter (Hermaphroditen) und besitzen sowohl männliche als auch weibliche Fortpflanzungsorgane.

WARUM GIBT ES NICHT DREI ODER MEHR GESCHLECHTER?
Drei oder mehr Geschlechter würden den Fortpflanzungsprozess verkomplizieren. Eine größere Anzahl an Geschlechtern könnte die Suche nach einem geeigneten Partner erschweren und somit den Fortpflanzungserfolg verringern. Zudem ist ein System mit zwei Geschlechtern vorteilhafter, damit die genetische Rekombination am effizientesten ablaufen kann. Es gibt jedoch Ausnahmen in der Natur; der einzellige Organismus Tetrahymena thermophila besitzt sieben verschiedene Geschlechter.
Nachrichtenquelle: 12punto
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