Vizeadmiral a.D. Cem Gürdeniz: Dass Deutschland eine solche Oper auf die Bühne bringt, ist nicht gut gemeint
Die Oper „Atatürk – Die Legende von Mustafa Kemal“, die die Staatsoper Stuttgart für die Spielzeit 2027 plant, hat bereits vor der Premiere in Deutschland für große Diskussionen gesorgt. Der Vizeadmiral a.D. Cem Gürdeniz äußerte sich ebenfalls kritisch zu dem Stück, das in der Türkei erstmals von 12punto thematisiert wurde.
12punto
Gürdeniz begann seine auf seinem Social-Media-Kanal veröffentlichte Bewertung mit den Worten: „Die Oper ‚Atatürk – Die Legende von Mustafa Kemal‘, die die Staatsoper Stuttgart für den 10. April 2027 plant, ist keine gewöhnliche künstlerische Veranstaltung.“
Vizeadmiral a.D. Cem Gürdeniz äußerte sich in seiner Social-Media-Erklärung wie folgt:
Dies geht bereits aus dem offiziellen Ankündigungstext der Oper hervor. In der Vorstellung wird dargelegt, dass Atatürk im Kontext von „autoritärem Machtanspruch“, Nationalismus, Exil, Gewalt und historischen Verbrechen behandelt werden soll, und dass eine Erzählung in deutscher, türkischer, armenischer, kurdischer, französischer, griechischer und englischer Sprache aufgebaut wird.
Dass Deutschland eine solche Oper auf die Bühne bringt, ist nicht gut gemeint.
Mit welcher historischen und moralischen Überlegenheit maßen sich die sogenannten Künstler eines Deutschlands an, das zwei Weltkriege und den Tod von Millionen unschuldiger Menschen verursacht hat, das seit 1945 von den USA besetzt ist, das selbst heute Schwierigkeiten hat, in der Außenpolitik völlig unabhängig zu agieren, und das nicht einmal die Sabotage an Nord Stream aufklären konnte, Mustafa Kemal Atatürk zu verurteilen – jenen Mann, der aus den Trümmern eines zusammengebrochenen Reiches durch einen Unabhängigkeitskrieg gegen den Imperialismus die unabhängige Republik Türkei gründete, der aus Untertanen Staatsbürger und aus einer Glaubensgemeinschaft eine Nation machte und das Land, das am Rande des Abgrunds stand und auf die Vertreibung nach Zentralasien wartete, in einen laizistischen und modernen Staat verwandelte?
Zudem ist dieser Vorstoß kein Zufall. In den letzten zwanzig Jahren wurde Atatürk in der Türkei insbesondere von der jungen Generation wiederentdeckt, die Verbundenheit der Nation zu ihrem Staatsgründer hat in jedem Umfeld an Sichtbarkeit gewonnen und dasselbe Interesse hat sich auch unter der türkischen Jugend in Europa rasch verstärkt.
Genau in dieser Zeit soll eine Oper auf die Bühne gebracht werden, die versucht, das historische Erbe Atatürks mit Begriffen wie „Autoritarismus“ und Ähnlichem neu zu definieren.
Wenn man sich die politische Atmosphäre in Deutschland vor Augen führt, das die Türkei seit vielen Jahren über ethnische und konfessionelle Bruchlinien betrachtet, sowie den Umgang mit der PKK und Projekte aus der Vergangenheit wie die „Föderale Islamische Republik Anatolien“, die die Integrität der Türkei infrage stellten, sollte diese Oper nicht nur als künstlerisches Werk betrachtet werden.
Selbst das unten gezeigte Werbeplakat gibt bereits Hinweise auf das Libretto der Oper. Anstatt Mustafa Kemal Atatürk darzustellen, wurde eine anonyme und identitätslose Figur gewählt, die keinerlei Bezug zur historischen Realität hat. Dies ist mehr als eine ästhetische Entscheidung; es ist ein Versuch, die historische Persönlichkeit bewusst zu symbolisieren und neu zu konstruieren. Dasselbe Verständnis ist die visuelle Spiegelung des fehlerhaften Ansatzes im Ankündigungstext, der versucht, Atatürk über den „autoritären Machtanspruch“ zu lesen. Kurz gesagt, die Botschaft ist klar, noch bevor das Werk aufgeführt wird. Das Ziel ist nicht, Geschichte zu erzählen, sondern Geschichte neu zu interpretieren.
Die türkische Öffentlichkeit hat bisher auf Filme, Dokumentationen und kulturelle Kampagnen, die auf Behauptungen bezüglich Armenien, Pontos und Ähnlichem basieren, reagiert.
Auch in dieser Angelegenheit wurde in den sozialen Medien und durch unsere in Deutschland lebenden Bürger der notwendige Protestprozess eingeleitet. Dies muss jedoch fortgesetzt werden.
In den sozialen Medien muss eine starke und demokratische öffentliche Meinung gebildet werden, und jeder Bürger sollte auf legitimer und rechtlicher Grundlage Verantwortung übernehmen, damit die Staatsoper Stuttgart dieses Werk nicht aufführt.
Die Oper „Atatürk – Die Legende von Mustafa Kemal“, die die Staatsoper Stuttgart für den 10. April 2027 plant, ist keine gewöhnliche künstlerische Veranstaltung.
— Cem GÜRDENİZ (@cemgurdeniznet) 27. Juli 2026
Dies geht bereits aus dem offiziellen Ankündigungstext der Oper hervor. In der Vorstellung wird dargelegt, dass Atatürk im Kontext von „autoritärem Machtanspruch“, Nationalismus,... pic.twitter.com/A14daYDz1i
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