Entdeckung in der antiken Stadt Hattuşa: Verziertes Elfenbeinstück gefunden
Bei archäologischen Ausgrabungen in der antiken Stadt Hattuşa im Landkreis Boğazkale in Çorum wurde ein etwa 2.800 Jahre altes verziertes Elfenbeinstück gefunden.
AA
Die archäologischen Ausgrabungen in der zum Landkreis Çorum gehörenden Stadt Boğazkale, wo sich die hethitische Hauptstadt Hattuşa befindet, begannen im Jahr 1906. Seit 2006 werden sie im Auftrag des Deutschen Archäologischen Instituts unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Schachner durchgeführt.
Im 117. Jahr der Ausgrabungen wurde am nordwestlichen Hang des Bereichs Büyük Kale der antiken Stadt ein Fundstück freigelegt, das Aufschluss über die Kunst der Eisenzeit geben könnte.
Auf dem etwa 30 Zentimeter langen und 10 Zentimeter breiten Elfenbeinstück sind eine Sphinx (eine Statue mit Menschenkopf und Tierkörper), ein Löwe sowie zwei Lebensbaum-Figuren abgebildet, die auf einen glänzenden Untergrund gezeichnet wurden.
Wissenschaftliche Untersuchungen an dem Stück, dessen Figuren aufgrund einer aufliegenden Schicht nur unter geeigneten Lichtverhältnissen erkennbar sind, dauern an.
'ES WIRD VERMUTET, DASS ES SICH UM EINE MÖBELVERZIERUNG HANDELT'
Grabungsleiter Prof. Dr. Andreas Schachner erklärte gegenüber einem AA-Korrespondenten, dass das Artefakt in der eisenzeitlichen Schicht der Ausgrabungsstätte Hattuşa gefunden wurde, die Spuren vieler Zivilisationen trägt.
Schachner betonte, dass das gut erhaltene Stück etwa 2.800 Jahre alt sei: "In seiner Zeit war es höchstwahrscheinlich als Verzierung an einer Holzkiste oder einem Möbelstück aus Holz angebracht. Das Werk ist an der rechten und linken Seite gebrochen, während die Ober- und Unterseite im Originalzustand erhalten sind. Daher ist es möglich, dass wir davon ausgehen können, dass es ursprünglich länger war."
'WIR KÖNNEN SAGEN, DASS DIES EIN MACHTZENTRUM WAR'
Schachner erläuterte die Bedeutung des Stücks wie folgt:
"Dieses Werk ist ein Unikat für Boğazköy. Wir stehen zum ersten Mal einem so dichten, so schön gearbeiteten und verzierten Werk gegenüber. In Boğazköy wurden sehr umfangreiche Ausgrabungen zur Eisenzeit durchgeführt, aber ein derart detailliertes Werk ist uns bisher nicht begegnet. Sowohl in Bezug auf die Szene als auch auf die verwendete Ikonografie und den Stil können wir damit die künstlerischen Beziehungen von Boğazköy in seiner Zeit, also im ersten Jahrtausend vor Christus, in Richtung Südostanatolien sowie in den Südwesten und nach Griechenland besser aufzeigen."
Schachner wies darauf hin, dass das Werk wichtige Hinweise auf seine Zeit gebe: "Wenn ein solches Werk existiert, können wir auch sagen, dass dies keine kleine Stadt mehr war, sondern ein bedeutenderer Ort, vielleicht ein Machtzentrum.
Denn wenn wir es mit einer anderen Entdeckung aus früheren Jahren bewerten, können wir sagen, ob es auf eine komplexe oder eine hierarchische Sozialstruktur hindeutet. Wir können nach und nach bessere Informationen über die sozialen Status jener Zeit gewinnen."
'ZUM ERSTEN MAL EIN SOLCHES WERK GEFUNDEN'
Schachner wies darauf hin, dass das Objekt das Grabungsteam begeistert habe: "Wir sind sehr glücklich und aufgeregt, dass wir dieses Werk gefunden haben. Wir stehen zum ersten Mal einem solchen Werk gegenüber, das uns Informationen über die Kunst jener Zeit liefert. Es ist wirklich ein bedeutendes Objekt."
Schachner fügte hinzu, dass das Werk nach Abschluss der wissenschaftlichen Arbeiten im Museum Boğazköy ausgestellt werde.