Wichtige Entdeckung auf der Venus: Atomarer Sauerstoff nachgewiesen
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat in der Atmosphäre der Venus auf der sonnenzugewandten Seite oberhalb der giftigen Wolken atomaren Sauerstoff entdeckt.
Wie ABC News berichtet, haben Wissenschaftler des DLR in ihrer Studie festgestellt, dass neben dem bereits zuvor auf der Nachtseite der Venusatmosphäre nachgewiesenen Sauerstoff auch auf der sonnenzugewandten Seite des Planeten atomarer Sauerstoff, eine reaktive Form von Sauerstoff, vorhanden ist.
Es wurde festgehalten, dass die Venus ähnliche Eigenschaften wie die Erde aufweist, ihre Masse der der Erde nahekommt und der Planet aufgrund seiner wolkenverhangenen Atmosphäre, die größtenteils aus Kohlendioxid besteht, unter einem intensiven Treibhauseffekt leidet.
Unter der aufgrund von Schwefelsäure gelb erscheinenden Atmosphäre seien die Bedingungen auf der Oberfläche der Venus weitaus extremer, wobei die Temperaturen so hoch steigen könnten, dass Blei schmilzt; dennoch seien einige Schichten der Wolken am Himmel mild, mit einer Durchschnittstemperatur von etwa 30 Grad in diesen Regionen, hieß es.
ATMOSPHÄRE WIRD ERFORSCHT, UM INFORMATIONEN ÜBER DIE VENUS ZU GEWINNEN
Wissenschaftler führen Beobachtungen und Untersuchungen der Venusatmosphäre durch, um die Vergangenheit des Planeten und die dort herrschenden schwierigen Bedingungen zu bestimmen.
Unter der Leitung von Prof. Dr. Heinz-Wilhelm Hübers, Dozent an der Humboldt-Universität zu Berlin, haben DLR-Wissenschaftler erstmals atomaren Sauerstoff, eine reaktive Sauerstoffart, in der Atmosphäre der sonnenzugewandten Seite der Venus nachgewiesen.
Atomarer Sauerstoff, der in den oberen Schichten der Erdatmosphäre in hoher Konzentration vorkommt, unterscheidet sich vom eingeatmeten molekularen Sauerstoff dadurch, dass er sehr schnell reagieren kann und eine entscheidende Komponente für das Energiegleichgewicht und die Abkühlung des Planeten darstellt. Diese Sauerstoffart entsteht, wenn Licht Moleküle wie Ozon oder Stickstoffdioxid aufspaltet.
Die Forscher betonten, dass der entdeckte atomare Sauerstoff darauf hindeute, dass die Venus einst feucht, warm und bewohnbar gewesen sein könnte.

Unter der Leitung von Hübers entdeckten Wissenschaftler im Jahr 2021 die Existenz von atomarem Sauerstoff in den oberen Schichten der Erdatmosphäre mithilfe des inzwischen außer Dienst gestellten Stratosphären-Observatoriums für Infrarot-Astronomie (SOFIA), das aus einem Teleskop mit 2,5 Metern Durchmesser bestand, das in ein modifiziertes Flugzeug vom Typ Boeing 747SP eingebaut war.
Hübers und sein Team, die ihre Forschung auch auf die Venus ausdehnten, wiesen bei ihren Flügen in 17 Regionen der Atmosphäre atomaren Sauerstoff nach, davon 9 auf der Nachtseite, 7 auf der Tagseite und 1 in der Übergangszone.
Die Forscher bestimmten insbesondere, wie sich die Atmosphäre in einer Höhe von 90 bis 120 Kilometern über der Venusoberfläche, wo atomarer Sauerstoff am häufigsten vorkommt, bewegt und verändert.
Prof. Dr. Stephen Kane von der University of California, Riverside, der nicht an der Studie beteiligt war, erklärte seinerseits: „Eine der interessanten Eigenschaften der Venus, die wir immer noch zu entschlüsseln versuchen, ist die Frage, ob es auf ihrer Oberfläche flüssiges Wasser gab. Wenn es auf der Venus Wasser gäbe, würde es verdampfen, sobald der Planet sich aufzuheizen beginnt und in den heutigen außer Kontrolle geratenen Treibhauszustand übergeht. Dieser (in der Studie nachgewiesene) Sauerstoff könnte ein wichtiger Bestandteil des zuvor vorhandenen Oberflächenwassers sein, das nun in der Atmosphäre verblieben ist.“
Kane merkte an, dass die Entdeckung ein völlig anderes Bild der Venus zeichne als das heute bekannte, und wies darauf hin, dass die Venus vor Milliarden von Jahren ein bewohnbarer Planet gewesen sein könnte.
Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht.
Nachrichtenquelle: AA
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