EIN STEIN IST AN SEINEM PLATZ SCHWER – 152. NICHT VERGESSEN, NICHT VERGESSEN LASSEN.
Menschen haben Skulpturen geschaffen, um ihre Gefühle und Gedanken auszudrücken, bedeutende Persönlichkeiten und Wesen zu ehren oder ihre religiösen Überzeugungen widerzuspiegeln.
Auch heute werden solche Werke weiterhin geschaffen.
Skulpturen wurden von der Antike bis zur Moderne mit unterschiedlichen Stilen und Techniken gefertigt.
In dieser Hinsicht bildeten sich künstlerische Stile heraus, und die Kunst entwickelte sich durch verschiedene Auffassungen weiter.
In der Antike war Pergamon ein sehr bedeutendes Zentrum, in dem die Bildhauerei florierte.
Begabte Künstler und geschickte Meister schufen mit einzigartiger Kreativität zahlreiche unvergleichliche Werke.
Sie hauchten Stein und Marmor Leben ein.
Diese Werke wurden von fanatischen Christen und den Umayyaden zerstört und in Stücke gerissen.
Sie wurden unter der Erde vergraben und als Spolien in Mauern verbaut.
Diese Statuen, die lange Jahre in den Armen der Zeit schlummerten, wurden von Handlangern des deutschen Imperialismus – als Archäologen getarnte Diebe, die nach einem kulturellen Deckmantel für ihre wurzellose Vergangenheit suchten – geraubt.
Von 1864 bis 1878 brachten sie Teile des Pergamonaltars und Statuen ohne jegliche Genehmigung oder Benachrichtigung des Osmanischen Reiches nach Deutschland, nach Berlin.
Der Anführer dieses Schmuggels, ein als Ingenieur getarnter Kunsträuber namens Carl Humann, begann zusammen mit seinem Netzwerk im Jahr 1878, mit dubiosen Genehmigungen die bereits gefundenen, aber noch nicht abtransportierten Werke außer Landes zu schaffen und neue Ausgrabungen durchzuführen.
In dieser Zeit, im Frühjahr 1879 (falls das angegebene Datum korrekt ist), fanden sie südöstlich des Standorts des Zeus-Altars eine in eine Zisterne geworfene, teilweise beschädigte Marmorstatue einer Frau.

Diese prächtige Statue mit einer Höhe von 218,5 cm und einer Hüftbreite von 72 cm hat keinen rechten Arm.
Der Abstand zwischen den äußeren Augenwinkeln beträgt 11,9 cm, die Länge zwischen Stirn und Kinn 23 cm.
Sie wird auf das zweite Viertel des 2. Jahrhunderts v. Chr. datiert, als die Bildhauerei in Pergamon/Bergama ihren Höhepunkt erreichte.
Diese Marmorstatue ist größer als ein durchschnittlicher Mensch.
Wahrscheinlich wurde sie von bilderstürmerischen, fanatischen Christen in eine nahegelegene Zisterne, eine Grube, geworfen, um sie zu zerstören, wobei sie an vielen Stellen beschädigt wurde.
Dennoch hat sie nichts von ihrer Vollständigkeit und Pracht verloren.
Besonders ihr friedvoller Gesichtsausdruck ist bis heute unverändert erhalten geblieben.
Da sie in der Nähe des Zeus-Altars gefunden wurde, die Schlichtheit des Umhangs auf ihrem Rücken sowie ihr würdevolles und einladendes Erscheinungsbild darauf hindeuten, dürfte diese dargestellte Frau vermutlich eine helfende Begleiterin gewesen sein, die denjenigen den Weg wies, die Opfergaben zum Zeus-Altar brachten.
In der Statue ist die Frau so dargestellt, dass sie ihr rechtes Bein deutlich nach hinten und zur Seite gezogen hat, während das linke Bein einen Schritt nach vorne macht, als würde sie gehen oder bereit sein, loszugehen, während sie aufrecht steht.
Die umgekehrte Haltung der Beine, die den Eindruck erweckt, als würde die Frau einen Schritt nach vorne machen, und die Gestaltung der Statue in diesem für die Pergamenische Bildhauerschule typischen Stil, müssen das Ziel des Künstlers gewesen sein.
Der Kopf der Statue ist leicht nach links und nach unten geneigt. Das schwere Gewand, das sie trägt, ist an der rechten Schulter mit einer Brosche befestigt. Der Umhang beziehungsweise Schal, der sich von der linken Schulter herab über den Arm bis zum linken Bein zieht, ist deutlich erkennbar. Die Sandale an ihrem rechten Fuß ist äußerst detailreich ausgearbeitet.
Ihr Haar ist über der Stirn mit einem Band zurückgehalten und modelliert. Es ist an den Schläfen zu Knoten gedreht und im Nacken zu einem zweigeteilten Knoten zusammengefasst, von wo aus es den Hals hinabfällt.
Diese Statue der Frau, die vermutlich eine der Zeremonienmeisterinnen des Zeus-Altars von Pergamon war, wird im Berliner Museum/Gefängnis unter der Inventarnummer „Ident.Nr. AvP VII 69“ aufbewahrt.
In dem großen Saal, in dem sich die monumentale Struktur des Zeus-Altars im Berliner Museum/Gefängnis befindet, wurde sie wie ein „seltsames Wesen“ ausgestellt.
Nun wurde dieser Saal wegen angeblicher Renovierungsarbeiten geschlossen.
Im Inneren des Museums/Gefängnisses, das im Flussbett im Boden versinkt, wird sie wahrscheinlich Moos ansetzen.
Jetzt wird sie in einem anderen Saal des zum Ausstellungsort umfunktionierten Museums/Gefängnisses den Besuchern gegen ein kostenpflichtiges Ticket präsentiert!
Auf diese Weise verdienen diejenigen, die unsere geraubten Kunstwerke in ihrem Besitz halten, Tausende von Euro.
Obwohl die Statue im Laufe der Zeit einige Restaurierungen erfahren hat, ist sie noch immer so schön und prächtig wie an dem Tag, an dem sie geraubt wurde, und empfängt die Besucher, die sie zusammen mit den anderen Gefangenen betrachten, mit einer tiefen Melancholie.
Sie muss sich freuen, wenn sie unter den Besuchern – auch wenn es nur vereinzelt vorkommt – jemanden aus Pergamon sieht.
Sie bringen dieser in der Kälte Berlins frierenden Marmorfrau aus Pergamon die Sonne der Ägäis mit!
Wie schmerzhaft ist es doch, dass historische Artefakte gewaltsam von dem Boden, auf dem sie entstanden sind, und aus ihrer ursprünglichen Umgebung ferngehalten werden.
Mehr als nur Schmerz – es ist eine Unterdrückung!
Eine Dienerin, die einst dem Zeus-Altar diente, muss weit weg von Pergamon ihre Tränen wohl in sich hineinweinen!
Die Plünderung historischer Kulturgüter ist in keiner Weise hinnehmbar. Ungerechtigkeiten können niemals ewig andauern.
DER ZEUS-ALTAR UND DIE BERGAMA-ARTEFAKTE GEHÖREN NICHT IN DAS KALTE UND NEBLIGE BERLIN, SONDERN IN DAS SCHÖNE BERGAMA. SIE MÜSSEN UNBEDINGT ZURÜCKKEHREN, SIE MÜSSEN NACH HAUSE KOMMEN!
Quelle: http://www.smb-digital.de/eMuseum, Database ,Antikensammlung,---
Sefa Taşkın
22.11.2024
Karşıyaka/Izmir
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