Es brodelt hinter den Kulissen der AKP: 'Manche warten auf Erdoğans Eingreifen'
Die Journalistin Nuray Babacan schreibt, dass die Auflösungserscheinungen, Machtkämpfe und internen Konflikte, die mittlerweile die Justiz erreicht haben, in der AKP aufmerksam beobachtet werden. Dies stehe in direktem Zusammenhang mit dem Präsidialsystem, und innerhalb der Partei werde auf ein Eingreifen Erdoğans gewartet.
Die Journalistin Nuray Babacan thematisierte in ihrer Kolumne in der Zeitung Nefes Gazetesi eine bemerkenswerte Auflösung und interne Spannungen, die derzeit hinter den Kulissen der AKP zu beobachten sind. Babacan erklärte, dass einige Probleme, über die innerhalb der Partei schon lange gesprochen wurde, ohne jedoch konkret sichtbar zu sein, nun offen zutage treten.
Babacan bewertete die aktuelle Lage mit folgenden Worten:
"In den letzten Jahren ist eine Situation, über die viel geredet, aber wenig gesehen wurde, als sehr klares Bild an die Oberfläche getreten. Auflösung, Verfall, Brüche und Abrechnungen im Lager der Regierung und bei ihren Unterstützern haben sich ausgebreitet, als wäre ein Deckel geöffnet worden."
Es heißt, dass diese Entwicklungen in den Kulissen der Regierung sowohl hinsichtlich ihrer Ursachen als auch ihrer möglichen Folgen genau verfolgt werden.
DIE DEBATTE UM DAS PRÄSIDIALSYSTEM
Babacan berichtete, dass es Stimmen gibt, die das Präsidialsystem als Ursprung des Streits innerhalb der AKP sehen, und wies auf die Kommentare hin, die in diesem Prozess geäußert werden. Sie schrieb, dass Einschätzungen wie „die Unfähigkeit inkompetenter Kader, die Macht zu tragen, und ihr Verfall“ in den Vordergrund rücken.
Zudem betonte sie, dass die als „besorgte Konservative“ bezeichneten Kreise die Geschehnisse als eine Operation gegen sich selbst wahrnehmen.
KOMPETENZDEBATTE UND ÖFFENTLICHE ÄMTER
Laut Babacan steht das neue System, das nach dem Referendum 2017 in Kraft trat, im Zentrum der Verwaltungsprobleme. Spannungen zwischen Ministern und ihren Stellvertretern, in den Medien kursierende Vorwürfe gegen hochrangige Bürokraten sowie Kompetenzdebatten werden mit diesem System in Verbindung gebracht.
In den Kulissen wird zudem geäußert, dass die Besetzung öffentlicher Ämter mit „Freunden, Bekannten und Verwandten“ die Probleme weiter verschärft.
OPERATIONEN GEGEN MEDIEN UND KAPITAL
Babacan ging auch auf die jüngsten Operationen gegen beschlagnahmte Medienunternehmen und regierungsnahe Kapitalgruppen ein und beschrieb diesen Prozess wie folgt:
"Die jüngsten Operationen gegen Kapitalgruppen, die als enge Verbündete der Regierung gelten, sowie gegen beschlagnahmte Medienunternehmen werden als Folge von ‚schneller Bereicherung, schnellem Leben, schnellem Aufstieg und dem rasanten Wechsel des Geldes‘ interpretiert."
Babacan schrieb, dass durch das neue System einflussreiche Bürgermeister, Parteivorsitzende auf Provinzebene und Minister entmachtet wurden. Es wird berichtet, dass in den Kulissen die Einschätzung vorherrscht, „dass die neuen, ineffektiven Kader den stattfindenden Verfall weder sehen noch verhindern können“.
Es wird zudem von Spannungen zwischen erfahrenen Namen und jungen Teams innerhalb der AKP berichtet. Babacan erklärte, dass die alten Kader als „gestrig“ angesehen würden und ihre Vorschläge keine Beachtung fänden.
MEHRERE MACHTZENTREN INNERHALB DER PARTEI
Babacan, die feststellt, dass das System im „Dreieck aus Palast, Familie und Bürokratie“ funktioniere, berichtete von mindestens drei bis vier verschiedenen Machtzentren innerhalb der Partei. Sie fasste diese Situation wie folgt zusammen:
"Letztendlich ist von drei bis vier verschiedenen Gruppen die Rede. Es gibt Klassifizierungen wie diejenigen, die der Erdoğan-Familie nahestehen, solche, die anderen Namen nahestehen, oder jene, die Unterstützung von religiösen Gruppierungen erhalten. Es wird behauptet, dass diese Gruppen, sobald sie an Macht gewinnen, bei Ernennungen in der Bürokratie, bei zu treffenden Entscheidungen und bei der Gestaltung der Palastpolitik mitreden, Einfluss darauf nehmen, welches Kapital in den Vordergrund rückt, wer sich zurückzieht und wer welchen Auftrag erhält. Einigen AKP-Mitgliedern zufolge führen diese neuen Machtzentren in der Partei gegeneinander Operationen durch."
"MANCHE WARTEN AUF ERDOĞANS EINGREIFEN"
Babacan betonte, dass der Konflikt innerhalb der Partei mittlerweile über bloße Gerüchte hinter den Kulissen hinausgehe, und erklärte, dass ein Eingreifen des AKP-Vorsitzenden und Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan erwartet werde:
"Während der Konflikt zunächst als ‚politischer Klatsch‘ in Form der gegenseitigen Enthüllung von Fehlern verlief, hat er durch das Eingreifen der Justiz eine neue Dimension erreicht. Es gibt Leute, die die Situation mit Ausdrücken wie ‚Gegner ausschalten‘ oder ‚Aufräumarbeiten vor den Wahlen‘ erklären. Natürlich sind diese Personen nicht das eigentliche Ziel. Es wird erzählt, dass damit den Politikern, denen sie nahestehen, eine Nachricht übermittelt werden soll. Währenddessen kursieren Informationen, dass einige Vorkehrungen treffen, bevor ihre Namen enthüllt werden, oder durch das Einschalten Dritter Ermittlungen entgehen. Von anderen wird behauptet, sie würden bestraft, weil sie in letzter Zeit dazu neigten, sich von der Regierung zu distanzieren. Ob die Sache noch tiefer geht oder ob sie an einem Punkt durch das Eingreifen des Präsidenten endet, werden wir gemeinsam sehen. Man muss sagen, dass es in der Partei Leute gibt, die auf ein Eingreifen Erdoğans warten, bevor noch mehr an die Öffentlichkeit gerät..."
Nachrichtenquelle: 12punto
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