Nach den Ausschreitungen bei Demonstrationen gegen die hohen Lebenshaltungskosten in Italien hat die Regierung ein Dekret mit neuen Sicherheitsmaßnahmen verabschiedet. Die Regelung, die nach gewaltsamen Vorfällen in mehreren Städten, insbesondere in Mailand, angekündigt wurde, sieht vor, dass auch Minderjährige im Alter von 14 bis 18 Jahren festgenommen werden können und die Kosten für verursachte Schäden von den Familien eingezogen werden.
Die Einzelheiten des Dekrets gab Premierministerin Giorgia Meloni über ihren Social-Media-Account bekannt. Meloni bezeichnete die Bilder von Plünderungen und Angriffen auf Sicherheitskräfte aus Mailand als „inakzeptabel“ und erklärte: „Zerstörung und Diebstahl haben nichts Revolutionäres an sich. Zerstörung und Diebstahl sind kein Protest, sondern ein Verbrechen. Die Antwort des Staates darauf muss entschlossen sein.“
WAS STEHT IN DEM DEKRET?
Mit der neuen Regelung wird „Gewaltanwendung bei einer Demonstration“ als eigenständiger Straftatbestand definiert. Demnach können Personen, die während eines Marsches oder Protests als Teil einer Gruppe von fünf oder mehr Personen Gegenstände wie Steine, Feuerwerkskörper oder Stöcke werfen und damit die öffentliche Sicherheit gefährden, mit bis zu fünf Jahren Haft und einer Geldstrafe von bis zu 20.000 Euro belegt werden.
Sollte der Täter sein Gesicht mit einer Maske oder ähnlichen Mitteln verbergen oder die Tat zu Verletzungen führen, ist eine Verschärfung der Strafe geplant. Die Kosten für Schäden an öffentlichem oder privatem Eigentum während der Demonstrationen können vom Täter selbst oder, falls dieser minderjährig ist, von dessen Eltern eingefordert werden.
Die von der Regierung zuvor ausgearbeitete Regelung, die den Grundsatz der strafrechtlichen Verantwortlichkeit für Kinder im Alter von 14 bis 18 Jahren ändern soll, tritt mit dem Dekret sofort in Kraft. In der bisherigen Praxis musste der Staat in jedem Einzelfall nachweisen, dass ein über 14-jähriges Kind die Bedeutung und die Folgen seiner Handlungen verstehen konnte. Mit der neuen Regelung wird davon ausgegangen, dass Kinder über 14 Jahren über diese Fähigkeit verfügen, sofern nicht das Gegenteil bewiesen wird.

500 ZUSÄTZLICHE SOLDATEN FÜR MAILAND
Meloni sagte, dass unter denjenigen, die am vergangenen Wochenende in Mailand angehalten und auf die Wache gebracht wurden, der Jüngste 11 Jahre alt war. Innenminister Matteo Piantedosi erklärte, dass 80 Prozent der Festgenommenen minderjährig seien, was ein bisher beispielloses Bild darstelle.
Die Premierministerin kündigte zudem an, dass bei der Identifizierung derjenigen, die ihre Gesichter mit Masken oder Kapuzen verbergen, Instrumente der künstlichen Intelligenz eingesetzt werden sollen. Zudem werden 500 Soldaten zur Unterstützung der Polizei und der Carabinieri nach Mailand entsandt. Es ist geplant, dass die Soldaten die Sicherheitskräfte in der Stadt bis zum Jahresende unterstützen.
Im Rahmen der Operation „Sichere Straßen“ sind in Italien bereits rund 6.000 Soldaten für den Schutz sensibler Punkte wie staatlicher Einrichtungen und religiöser Gebäude im Einsatz. Zusammen mit den 800 zusätzlichen Soldaten, die an Bahnhöfen eingesetzt werden, wird die Zahl der für die öffentliche Sicherheit eingesetzten Soldaten durch die neuen Einheiten für Mailand auf 7.300 steigen.

Unterdessen rufen einige Gruppen, die die Demonstrationen über soziale Medien organisieren, zu neuen Aktionen auf. In einem Account namens „Bewegung vom 17. Oktober“ wurde dazu aufgerufen, jeden Samstag in Großstädten wie Rom, Mailand und Bologna regierungskritische Proteste abzuhalten.
Die Gruppe beschrieb sich in ihren veröffentlichten Nachrichten mit den Worten: „Wir haben keinen Präsidenten, keinen Sekretär, keinen Sprecher, der ins Fernsehen eingeladen wird, kein Hauptquartier, das gestürmt werden könnte, und keinen Mitgliedsausweis, den wir verkaufen könnten. Wir sind junge Menschen, die beschlossen haben, nicht länger zu warten.“
Einer der Vertreter des Social-Media-Accounts, der mit den Demonstrationen unter dem Slogan „Italien auf dem Platz“ verbunden ist, sagte der italienischen Nachrichtenagentur Agi, dass sie erwägen, Ende Oktober erneut auf die Straße zu gehen. Der 21-jährige Universitätsstudent, der den Namen Louis verwendet, betonte, dass sie keine Gewaltakte unterstützten und dass dies der „Botschaft des friedlichen Kampfes schade“.
Nachrichtenquelle: 12punto