Chanukka-Feierlichkeiten in Frankreich lösen Debatte über Laizismus aus
Die Feier zum jüdischen Chanukka-Fest im Élysée-Palast in Anwesenheit von Präsident Emmanuel Macron hat in Frankreich Kritik ausgelöst, da sie als Verstoß gegen das Prinzip des Laizismus gewertet wurde.
In der Hauptstadt Paris fand gestern Abend im Élysée-Palast, dem Amtssitz des Präsidenten, im Rahmen der Konferenz der europäischen Rabbiner eine Zeremonie unter Teilnahme des Oberrabbiners von Frankreich, Haim Korsia, statt.
Korsia zündete dort eine Kerze an, um den Beginn des Chanukka-Festes zu feiern.
Während diese in den sozialen Medien verbreiteten Bilder für Aufsehen sorgten, wurde die Ausrichtung eines religiösen Festes im offiziellen Amtssitz der Französischen Republik unter Teilnahme des Staatsoberhauptes als unvereinbar mit dem Laizismus kritisiert.
Die Präsidentin der Region Okzitanien, Carole Delga, erklärte auf der Social-Media-Plattform X, dass der Élysée-Palast kein „Gotteshaus“ sei.
Delga erinnerte daran, dass am 9. Dezember der Jahrestag des 1905 in Kraft getretenen Laizismus-Gesetzes begangen wird, das Staat und Kirche voneinander trennt.
Sie wies darauf hin, dass Macron mit dieser Handlung „ein falsches Signal für die Republik“ gesendet habe und betonte, dass beim Laizismus keine Kompromisse gemacht werden dürften.
Der französische Abgeordnete Jérôme Guedj erklärte auf derselben Plattform, dass gewählte französische Vertreter an keinerlei religiösen Zeremonien, einschließlich Chanukka, teilnehmen sollten.
Der Abgeordnete Adrien Quatennens äußerte, der Élysée-Palast habe sich gestern Abend in ein „Gotteshaus verwandelt“ und fragte, ob dort am Sonntag nun auch eine lateinische Messe gelesen werde.
AUCH FRANZÖSISCHE JUDEN REAGIEREN KRITISCH
Yonathan Arfi, Präsident des Dachverbandes jüdischer Organisationen in Frankreich (CRIF), erklärte in der Sendung Radio Sud, dass der Vorfall im Amtssitz des Präsidenten ein „Fehler“ gewesen sei und nicht hätte stattfinden dürfen.
Arfi betonte, der Élysée-Palast sei nicht der Ort, um eine Chanukka-Kerze anzuzünden, und dass das Wesen der französischen Republik darin bestehe, sich von religiösen Dingen fernzuhalten. Er fügte hinzu, er kenne die Gründe nicht, die Macron zu einem solchen Verhalten bewogen hätten.
Ein Nutzer der Social-Media-Plattform X namens Michael Sadoun schrieb: „Ich bin ein französischer Jude und die Bilder von Chanukka im Élysée stören mich.“
Sadoun argumentierte, dass diesem Umstand „Vetternwirtschaft“ zugrunde liege, und erklärte, er hätte es vorgezogen, wenn Macron dort lediglich als Zeichen gegen Antisemitismus präsent gewesen wäre.
KRITIK, DASS „LAIZISMUS GEGEN MUSLIME VERWENDET WIRD“
Die Feier von Chanukka im Élysée-Palast brachte auch die Kritik mit sich, dass die Regierung den „Laizismus nur gegen Muslime einsetzt“.
Der Journalist Amine Snoussi argumentierte in einem Beitrag auf X, dass die Vision der Regierung vom Laizismus lediglich dazu diene, Druck auf Muslime auszuüben.
Einem Beitrag in den sozialen Medien zufolge rief ein Bürger im Sekretariat des Élysée-Palastes an, erinnerte daran, dass der Freitag für Muslime ein wichtiger Tag sei, und fragte: „Kann ich vorbeikommen und das Freitagsgebet verrichten?“
Der Bürger fragte seinen Gesprächspartner am Telefon, ob es möglich sei, das kommende Fest ebenfalls im Élysée-Palast zu feiern, und sagte: „Da gestern eine religiöse Feier im Élysée-Palast stattfand, wollte ich fragen, ob wir als Muslime auch ein Recht darauf haben.“
Die Person am anderen Ende der Leitung reagierte auf die Frage zum Freitagsgebet mit der Gegenfrage „Was ist das für eine Frage?“ und erklärte, dass sie die entsprechenden Anliegen weiterleiten werde.
KABINETT VERTEIDIGT MACRON
Premierministerin Élisabeth Borne behauptete in einer Presseerklärung, dass der Antisemitismus im Land zunehme, und sagte, der französische Präsident habe dies getan, um in diesem Kontext seine Unterstützung für die jüdische Gemeinde zu zeigen.
Innenminister Gérald Darmanin kommentierte in einer Fernsehsendung, dass „Laizismus nicht bedeute, Religionen zu ignorieren“.
Darmanin behauptete, Macron verteidige „Religionen“ und verletze damit nicht das Prinzip des Laizismus.
Berichten der nationalen Presse zufolge erklärte Macron, Laizismus bedeute nicht, Religionen abzuschaffen, sondern jedem die Freiheit zu gewähren, sich für oder gegen einen Glauben zu entscheiden.
Macron betonte, er bereue die Feier des Beginns des Chanukka-Festes im Amtssitz des Präsidenten nicht und dass diese Feier im Einklang mit dem Geist der Republik stattgefunden habe.
Das 1905 in Frankreich in Kraft getretene Laizismus-Gesetz hatte staatliche Angelegenheiten von religiösen Angelegenheiten getrennt.
In Frankreich, das in Artikel 1 seiner Verfassung als „laizistische Republik“ definiert ist, müssen Staatsvertreter und Beamte aufgrund des Laizismus-Prinzips während ihrer Amtsausübung ihre religiöse Zugehörigkeit neutral halten.
Nachrichtenquelle: AA
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