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6 Menschen verloren ihr Leben: Begründetes Urteil zur İstiklal-Attentäterin veröffentlicht

Das begründete Urteil im Prozess gegen Ahlam Albashir, die den Sprengsatz bei dem terroristischen Bombenanschlag auf der İstiklal-Straße deponiert hatte und zu siebenmal lebenslanger Haft sowie 1.794 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, ist veröffentlicht worden.

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6 Menschen verloren ihr Leben: Begründetes Urteil zur İstiklal-Attentäterin veröffentlicht

Auf der İstiklal-Straße im Istanbuler Stadtteil Beyoğlu ereignete sich am Sonntag, dem 13. November 2022, ein Bombenanschlag, bei dem 6 Menschen ums Leben kamen und 99 weitere verletzt wurden. Das 13. Schwurgericht von Istanbul hat nun das 130-seitige begründete Urteil zu diesem Anschlag veröffentlicht. 

In der Urteilsverkündung des Prozesses am 26. April war die Attentäterin Ahlam Albashir, die den Sprengsatz deponiert hatte, zu siebenmal lebenslanger Haft sowie 1.794 Jahren Gefängnis verurteilt worden. 

Im begründeten Urteil wurde festgehalten, dass die Angeklagten Bilal Elhacmaos und Ahlam Albashir Mitglieder der YPG/PYD seien. Das erklärte Ziel der Organisation sei es, das Staatsgebiet der Republik Türkei zu spalten und auf diesem Boden einen sogenannten unabhängigen kurdischen Staat zu errichten. Um dieses Ziel zu erreichen, strebe die Organisation danach, die öffentliche Ordnung zu stören, die staatliche Autorität zu schwächen, Unruhe in der Gesellschaft zu stiften, den Weg für eine Politisierung und Polarisierung der Gesellschaft durch Gewalt zu ebnen, das Vertrauen in den Staat zu erschüttern und somit die Einheit und Integrität des Staates zu untergraben. 

ANGEBLICH ANGEBOTE ZUR SPIONAGETÄTIGKEIT ERHALTEN 

In dem Urteil, in dem erläutert wird, dass das Organigramm der Führungsebene der Organisation durch Ermittlungen der Abteilung für Terrorismusbekämpfung identifiziert wurde, heißt es, die Angeklagte Albashir habe infolge des Bürgerkriegs in Syrien an verschiedenen Orten gelebt. Vor ihrer Ankunft in der Türkei habe sie längere Zeit in der Stadt Manbidsch gewohnt, die unter der Kontrolle der YPG/PYD stand. Dort habe sie ihren Lebensunterhalt in Cafés und Konditoreien verdient und Angebote von YPG/PYD-Mitgliedern erhalten, für diese zu arbeiten und Spionagetätigkeiten auszuüben. 

SPRENGSTOFF IN UNTERWÄSCHE VERSTECKT

Im begründeten Urteil wird ausgeführt, dass sich in dem Paket, das der Angeklagte Bilal El Hacmaos mitbrachte, neben weißen, weichen, mehlartigen Sprengstoffen auch rote Damenunterwäsche befand. Diese Unterwäsche habe über spezielle Fächer verfügt, in denen Kabel, drahtähnliche Gegenstände und Sprengmaterialien untergebracht werden konnten. Am fünften Tag ihres Aufenthalts in Idlib habe Bilal El Hacmaos von Ahlam verlangt, diese Unterwäsche zu tragen. Albashir habe die Materialien in das von ihr getragene Korsett und den BH eingearbeitet und weite, bequeme Kleidung getragen, die ihre Bewegungsfreiheit nicht einschränkte.

"SIE HAT KALTBLÜTIG GEHANDELT"

Im begründeten Urteil heißt es weiter: „Die Absicht, der Antrieb und das moralische Prinzip hinter der Tat der Angeklagten Albashir bestanden darin, so viele Menschenleben wie möglich zu fordern. Sie wusste, dass ihre Tat zum Tod vieler Menschen führen würde, und handelte vorsätzlich, beharrlich, bedingungslos und kaltblütig. Infolge der unmittelbar ausgeführten Tat, die mit geeigneten Mitteln begangen wurde, kamen 99 Menschen aufgrund von Umständen, die außerhalb der Kontrolle der Angeklagten lagen, nicht ums Leben, sondern wurden verletzt. Es ist erwiesen, dass die Angeklagte ihr endgültiges Ziel in Bezug auf die 99 verletzten Personen nicht erreichen konnte.“ 

2 MONATE LANG AUSSPÄHUNG

Im begründeten Urteil wird dargelegt, dass die Angeklagten Bilal Elhacmos und Ahlam Albashir auf illegalem Weg aus Syrien in die Türkei geschickt wurden, um den Anschlag zu verüben. Die Angeklagten seien ebenfalls auf illegalem Weg nach Istanbul gelangt und hätten zwei Monate lang Ausspähungen und Vorbereitungen für die Tat getroffen. Am Tag des Anschlags hätten sie auf dem Taksim-Platz, der als geeignet für den Anschlag identifiziert worden war, durch die Zündung einer Bombe die Tat ausgeführt. Infolgedessen seien 6 Menschen, darunter ein Kind, ums Leben gekommen, 99 Menschen seien auf unterschiedliche Weise verletzt worden, was medizinische Eingriffe erforderte, und an zahlreichen Wohnungen, Geschäften und Fahrzeugen sei Sachschaden entstanden. 

In dem veröffentlichten Urteil wird betont, dass die Tat von Anfang an auf wehrlose Zivilisten abzielte und von einer Person mit dem Decknamen ‚Hacı‘, die als Führungskraft der Organisation identifiziert wurde, vollständig darauf ausgelegt war, gegen Zivilisten verübt zu werden. Zudem sei die Flucht der Angeklagten ins Ausland nach der Tat organisiert worden. 

ANSCHLAG AUF DEN NÄCHSTEN TAG VERSCHOBEN

Im begründeten Urteil wird ausgeführt, dass die Chemikalien und anderen Stoffe, die der Bombe ihre zerstörerische und tödliche Wirkung verliehen und sie einsatzbereit machten, von einer weiblichen Person der Organisation geliefert wurden, deren Identität, Aufenthaltsort und Zeitpunkt des Treffens mit Bilal nicht geklärt werden konnten. Bilal habe diese Stoffe gemäß den Anweisungen und Anleitungen des Organisationsführers mit dem Decknamen ‚Hacı‘ zusammengesetzt, einsatzbereit gemacht und in der Tasche platziert. Einen Tag vor der Tat hätten Bilal Elhacmaos und Ahlam Albashir geplant, für den Anschlag zum Taksim-Platz zu fahren. Da sie jedoch planten, ins Ausland zu fliehen, habe Bilal Elhacmaos seine Entscheidung geändert und mit der Bemerkung „Es ist zu spät, wir gehen morgen“ den Anschlag auf den 13. November verschoben. 

Im begründeten Urteil wird zudem festgehalten, dass Khalil Manja Hussein, Hazni Gölge und Hüseyin Güneş für die Flucht der Haupttäter ins Ausland verantwortlich waren. Hussein, der die logistische Unterstützung der Organisation in Syrien sicherstellte, habe im Rahmen der von ihm aufgebauten Organisation geplant, Ahlam und Bilal ins Ausland zu schleusen, um ihre Festnahme zu verhindern. Unter der Koordination des Angeklagten Hazni Gölge sei geplant gewesen, den Wohnsitz des Angeklagten Güneş zu nutzen, und die Verdächtigen seien mithilfe von Fahrzeugen mit versteckten Fächern ins Ausland geschleust worden.


Nachrichtenquelle: 12punto

Ahlam Albashır İstiklal Caddesi Terroranschlag