Brisante Details aus der staatsanwaltschaftlichen Aussage von Cem Küçük: Er gab sein Handy-Passwort nicht preis
Die staatsanwaltschaftliche Aussage des Journalisten Cem Küçük, der im Rahmen einer von der Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft geführten Untersuchung als Beschuldigter vernommen wurde, ist bekannt geworden. Die Aussage enthält bemerkenswerte Erklärungen zu einer Vielzahl von Themen, von den in Fernsehsendungen verwendeten Behauptungen bis hin zu Geldtransfers, Geschenkkorrespondenzen und Verbindungen zu Adnan Oktar.
Bei der staatsanwaltschaftlichen Befragung wurde Cem Küçük daran erinnert, dass er in seiner Fernsehsendung behauptet hatte, Gelder aus Tochtergesellschaften der Stadtverwaltung Istanbul (İBB) seien auf das Konto von Berkay Gezgin überwiesen worden und dies sei in MASAK-Berichten vermerkt.
Küçük erklärte daraufhin, er habe die besagten MASAK-Berichte nie gelesen; sein Verweis auf den Bericht in der Sendung sei lediglich darauf zurückzuführen gewesen, dass das zu diesem Zeitpunkt besprochene Thema mit MASAK-Berichten in Zusammenhang stand.
Küçük argumentierte zudem, dass die Wahrnehmung, wonach monatlich etwa 1 Million Lira an Berkay Gezgin überwiesen worden seien, nicht korrekt sei; er habe sich auf eine Gesamtsumme von etwa 1 Million Lira bezogen.
ER GAB ZU, DIE BEHAUPTUNG „2 MILLIONEN DOLLAR GEFUNDEN“ OHNE ÜBERPRÜFUNG VERBREITET ZU HABEN
In der staatsanwaltschaftlichen Aussage wurde Cem Küçük auch zu seinen Äußerungen in der Sendung „Medya Kritik“ befragt, wonach in der Wohnung von Fatih Keleş „bündelweise 2 Millionen Dollar gefunden“ worden seien.
Küçük gab an, diese Information auf Basis eines Berichts in einer anderen Zeitung verwendet zu haben und erst später, nach Einsicht in die Anklageschrift, festgestellt zu haben, dass die Nachricht nicht korrekt war. Daraufhin habe er seine Aussage korrigiert und sich entschuldigt.
VERTEIDIGUNG ZU 27 EINZELNEN GELDTRANSFERS ALS „SCHULDEN UND ORGANISATIONSGEBÜHREN“
Die Staatsanwaltschaft thematisierte zudem, dass zwischen dem Journalisten Tahir Sarıkaya und Cem Küçük in 27 separaten Transaktionen ein Geldfluss von insgesamt 537.800 Lira stattgefunden habe.
Küçük erklärte, er habe keine geschäftliche Partnerschaft mit Sarıkaya, und begründete die Geldtransfers zunächst mit einer zurückliegenden Schuldenbeziehung.
Als er später mit der Behauptung eines anonymen Zeugen konfrontiert wurde, wonach „Tahir Sarıkaya die Geldgeschäfte von Cem Küçük abwickelt“, behauptete er diesmal, die besagten Transfers seien auf „Forderungen oder Organisationsgebühren“ zurückzuführen. Er legte jedoch keinerlei Belege dafür vor, um welche Organisation oder welche Schulden es sich dabei handelte.
„SENDUNG KOMPLETT ZU DEINEN GUNSTEN“-NACHRICHT UND SCHUH-KORRESPONDENZ
In den im Rahmen der Ermittlungen untersuchten digitalen Materialien tauchten auch WhatsApp-Nachrichten zwischen Cem Küçük und Turgut Koç auf. Es wurde festgestellt, dass Küçük dem Koç nach der Ankündigung, die Vorwürfe gegen ihn in der Sendung zu bewerten, die Nachricht „Die Sendung ist gerade komplett zu deinen Gunsten“ gesendet hatte. Im selben Gespräch soll Küçük gesagt haben: „Jetzt kannst du ein Paar Schuhe schenken“, woraufhin Koç mit „Du bist mein Schatz“ geantwortet habe. Cem Küçük behauptete gegenüber der Staatsanwaltschaft, diese Äußerungen seien rein scherzhaft gewesen und er habe keine Schuhe erhalten.
ER FRAGTE „WAS IST MIT DEN GESCHENKEN?“ UND ERHIELT SCHUHE VON BEYMEN
Ein weiterer bemerkenswerter Teil der Akte betrifft die Korrespondenz mit Mehmet Cemil Acar, dem ehemaligen Abteilungsleiter der staatlichen Flughafenverwaltung (DHMİ). Den Feststellungen der Staatsanwaltschaft zufolge sandte Cem Küçük am 10. Januar 2025 die Nachricht „Was ist mit deinen Geschenken?“ an Mehmet Cemil Acar. In der weiteren Korrespondenz wurden die Schuhgröße, das abzuholende Beymen-Geschäft und die Hinterlegung des Produkts an der Kasse besprochen. Es wurde festgestellt, dass Küçük später den Erhalt der Schuhe bestätigte. In seiner staatsanwaltschaftlichen Aussage räumte Cem Küçük den Erhalt der Schuhe ein, argumentierte jedoch, dass es sich lediglich um ein Neujahrsgeschenk handele und diese nicht als Gegenleistung für eine Nachricht oder Transaktion gegeben worden seien.
NACHRICHT „ICH HABE ES AN DEN KÜLLİYE WEITERGELEITET“ EBENFALLS IN DER AKTE
In einer anderen Korrespondenz mit derselben Person war zu sehen, dass einige Vorwürfe innerhalb der DHMİ an Cem Küçük weitergeleitet wurden mit der Bitte: „Schau dir das mal an, kannst du da was machen, Bruder?“. Es wurde festgestellt, dass Küçük darauf mit „Ich habe es an den Külliye weitergeleitet“ geantwortet hatte. Cem Küçük bestätigte diese Korrespondenz bei der Staatsanwaltschaft und sagte, er habe diese Antwort nicht aus Eigennutz gegeben, sondern um bei der Lösung des ihm mitgeteilten Problems zu helfen.
14-MALIGE GELDZAHLUNG VON EINER PERSON, DIE ER ANGEBLICH NICHT KENNT
Die Staatsanwaltschaft fragte Cem Küçük auch nach insgesamt 99.000 Lira, die ihm von einer Person namens Sezer Sezginer in 14 separaten Transaktionen auf sein Konto überwiesen wurden. Küçük erklärte, er kenne die besagte Person nicht und wisse nicht, warum Geld auf sein Konto überwiesen wurde. Es fiel auf, dass er keine Erklärung dafür liefern konnte, warum er wiederholt Geld von einer Person erhielt, die er angeblich nicht kannte.
KEINE BELEGE FÜR ZAHLUNGEN AUS ZYPERN
Bei der staatsanwaltschaftlichen Befragung wurden auch 17 separate Zahlungen thematisiert, die von der in Zypern ansässigen Diyalog Gazetecilik auf das Konto von Cem Küçük überwiesen wurden. Küçük behauptete, diese Gelder seien für Übersetzungsdienste gezahlt worden, räumte jedoch ein, dass es keine Verträge, Rechnungen, Quittungen oder Korrespondenzen zu diesen Arbeiten gebe. Zudem behauptete er, dass Zahlungen des in China ansässigen Unternehmens GB Times Global aus seinen Kommentatorentätigkeiten der vergangenen Jahre stammten.
ER GAB ZU, BÜCHER VON ADNAN OKTAR GEGEN BEZAHLUNG ÜBERSETZT ZU HABEN
In der staatsanwaltschaftlichen Aussage wurde Cem Küçük auch mit Vorwürfen bezüglich seiner Verbindung zur kriminellen Organisation von Adnan Oktar konfrontiert. Küçük wies die Vorwürfe zurück, er habe Aktivitäten zugunsten der Organisation durchgeführt. Er räumte jedoch ein, dass er die aus dem Ausland kommenden Bücher von Adnan Oktar zusammen mit seinem Team gegen Bezahlung übersetzt habe. Zudem bestätigte er, dass er Adnan Oktar im Jahr 2012 bei einem Iftar-Programm getroffen und einmal an einer Live-Sendung auf dem A9-Fernsehsender teilgenommen habe.
ER GAB SEIN HANDY-PASSWORT NICHT PREIS
In der Aussage erklärte Cem Küçük, dass er bei seiner Festnahme das Passwort seines Mobiltelefons nicht herausgegeben habe und auch bei der staatsanwaltschaftlichen Befragung das Passwort nicht teilen wolle.
In der Ermittlungsakte sind zudem die Behauptungen eines anonymen Zeugen enthalten, wonach Cem Küçük gegen Geld positive oder negative Berichterstattung betreibe, über Tahir Sarıkaya Geld erhalte und durch seine Berichterstattung Druck ausübe. Cem Küçük wies alle diese Vorwürfe zurück und bezeichnete sie als verleumderisch.
Während die Ermittlungen hinsichtlich der Geldflüsse, digitalen Materialien und anderer Beweise fortgesetzt werden, wurde darauf hingewiesen, dass es sich bei den in der Akte enthaltenen Vorwürfen um Bewertungen im Ermittlungsstadium handele und die strafrechtliche Verantwortlichkeit erst nach Abschluss des Verfahrens feststehe.
Nachrichtenquelle: 12punto
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