Finden Sie Nachrichten im folgenden Datumsbereich
und und
und und
und und
Löschen
Euro
Arrow
54,0178
Dollar
Arrow
44,7901
Pfund Sterling
Arrow
63,0625
Gold
Arrow
6249,4651
BIST 100
Arrow
10.729

Europa in Sorge: Erste Reaktionen auf die „absolute Nichtigkeit“ in Berlin

Die Entscheidung zur „absoluten Nichtigkeit“ gegen die CHP hat die CHP-Organisationen in Deutschland und die türkischen Sozialdemokraten in Europa aufgerüttelt. In Berlin gingen CHP-Anhänger auf die Straße. Slogans wie „Die absolute Nichtigkeit ist ungültig“, „Recht, Gesetz, Gerechtigkeit“ und „Unser Präsident Ekrem İmamoğlu“ prägten den Abend. Von den CHP-Verbänden in Europa kamen nacheinander scharfe Stellungnahmen.

Überlass die Wahl deiner Nachrichten nicht dem Algorithmus - entscheide selbst, was du liest. Füge 12punto zu deinen bevorzugten Quellen hinzu!
Europa in Sorge: Erste Reaktionen auf die „absolute Nichtigkeit“ in Berlin

IŞIN ERTÜRK – STUTTGART

Die vom Gericht verkündete Entscheidung zur absoluten Nichtigkeit hat auch in der europäischen Presse Alarmstimmung ausgelöst. Der deutsche öffentlich-rechtliche Sender ZDF interpretierte den Prozess gegen die CHP nun offen als „Ausschaltung politischer Konkurrenten“. In der Nachrichtenanalyse des Senders wurde betont, dass die CHP nach den Kommunalwahlen 2024 in allen Meinungsumfragen an Erdoğans AKP vorbeigezogen sei. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass die Wellen von Festnahmen und Inhaftierungen gegen oppositionelle Politiker an Fahrt gewonnen hätten.

Der folgende Satz aus dem ZDF-Beitrag verdeutlicht, dass sich die Spannungen auf der Achse Berlin-Ankara nun deutlich schärfer auf den europäischen Bildschirmen widerspiegeln: „Die Justiz wird hier eindeutig zum Handlanger der Regierung. Politische Gegner werden aus dem System gedrängt.“

Der Sender warnte davor, dass es nach der Inhaftierung von Ekrem İmamoğlu in der Türkei erneut zu Massenprotesten kommen könnte. Es wurde an die Proteste des letzten Jahres erinnert, bei denen Zehntausende Menschen tagelang auf der Straße blieben. Es wurde betont, dass erste Aufrufe zu Protesten bereits begonnen hätten.

Genau in dieser Atmosphäre wurde der Straßenprotest in Berlin zu einem der ersten großen Anzeichen für den Zorn in Europa.

GEMEINSAME ERKLÄRUNG DER CHP-ANHÄNGER IN EUROPA

In der gemeinsamen Erklärung der CHP-Auslandsverbände fiel der scharfe Ton auf. In der Deklaration hieß es: „Wir werden unser Elternhaus, die Partei, die unsere Republik gegründet hat, gegenüber keinem juristischen Spiel, keinem politischen Eingriff oder Versuch der Willensenteignung schutzlos zurücklassen.“

In der Erklärung wurde betont, dass die CHP eine politische Bewegung sei, die aus dem Volkswillen hervorgegangen ist, und darauf hingewiesen, dass Eingriffe in die internen Abläufe der Partei einen offenen Angriff auf die Demokratie und den Rechtsstaat darstellten.

In der Deklaration, in der Özgür Özel und Ekrem İmamoğlu offen unterstützt wurden, stachen folgende Aussagen hervor:

„Wir sind Unterstützer des Wandlungswillens, der unter der Führung unseres Vorsitzenden Herrn Özgür Özel und durch den Kampf unseres Präsidentschaftskandidaten Herrn Ekrem İmamoğlu gewachsen ist.“

Der Vorstoß in der gemeinsamen Erklärung der CHP-Auslandsverbände machte die Haltung der europäischen Organisationen deutlich:

„Die Cumhuriyet Halk Partisi kann nicht übernommen werden. Der Wille des Volkes kann nicht ignoriert werden.“

STRASSENPROTEST IN BERLIN: „WIR ANERKENNEN DIE ABSOLUTE NICHTIGKEIT NICHT“

Bei dem Protest, der am Abend in der deutschen Hauptstadt Berlin stattfand, trafen sich CHP-Anhänger und Unterstützer in Kreuzberg. Es wurde der Slogan „Schulter an Schulter gegen die absolute Nichtigkeit“ gerufen. Bei der Aktion wurden Slogans zugunsten von Özgür Özel und Ekrem İmamoğlu laut.

Der ehemalige CHP-Vorsitzende von Berlin, Kenan Kolat, erklärte in einer exklusiven Stellungnahme gegenüber 12punto, dass die politischen Folgen der Entscheidung schwerwiegend sein würden. Kolat betonte, dass es sich bei der Angelegenheit nicht mehr nur um ein internes Problem der CHP handele, sondern direkt um die Zukunft der Demokratie in der Türkei.

Kolat, der sagte: „Wenn das Recht in der Türkei auch nur ein wenig funktioniert, muss der YSK diese Entscheidung ablehnen“, argumentierte, dass andernfalls der Weg für eine Steuerung politischer Parteien durch die Justiz geebnet werde.

Kolat sagte auch, dass der Schritt, den Kemal Kılıçdaroğlu unternehmen werde, kritisch sei. Er erklärte, dass ein Aufruf zu einem außerordentlichen Parteitag gemeinsam mit Özgür Özel die Partei stärken würde, und bewertete: „Wenn er versucht, die Partei neu zu gestalten und sich wie ein Vorsitzender verhält, wird er als Spalter in die Geschichte eingehen.“

Die Erklärungen von Kenan Kolat erinnerten auch an die Krise, die in der Vergangenheit in der deutschen Struktur der CHP aufgetreten war. Vor etwa vier Jahren gab es in den europäischen Organisationen der CHP Diskussionen über eine „neue Strukturierung“, und es wurden scharfe Kritiken laut, dass alte Verbände über Stadtorganisationen ausgeschaltet würden. Kolat war einer der Namen, für die während seiner Zeit als Vorsitzender der CHP Berlin ein Treuhänder eingesetzt wurde.

Kolat, der sagte: „Ich akzeptiere weder den Treuhänder noch die Nichtigkeit“, erklärte, dass an der CHP-Basis in Europa ein ernsthafter Bruch und große Sorge entstanden seien.

CHP-WÄHLER IN EUROPA SIND BESORGT

Die CHP-Wähler in Europa spielen seit vielen Jahren eine aktive Rolle in Wahlprozessen. Mit dem Referendum über den Übergang zum Präsidialsystem in der Türkei machten die im Ausland eingerichteten Wahlurnen die politische Mobilisierung in Europa sichtbarer. Die CHP-Organisationen arbeiten seit Jahren intensiv daran, die Wähler an die Urnen zu bringen. Wahlperioden, in denen Wähler mit Bussen transportiert werden, bedeuten für die Organisationen in Europa große Anstrengungen.

Genau aus diesem Grund hat das entstandene Bild die CHP-Wähler in Europa tief erschüttert. Während die Wunden der Krisen, die in der Vergangenheit über Stadtorganisationen und Verbände erlebt wurden, noch nicht vollständig verheilt sind, hat die Tatsache, dass die CHP-Zentrale nun in die Diskussion um die „absolute Nichtigkeit“ hineingezogen wird, an der europäischen Basis Alarmstimmung ausgelöst.

Der Straßenprotest in Berlin gilt als eines der ersten Anzeichen für diesen Zorn.

„DIES IST EINE REGIMEKRISE“

Bemerkenswert ist auch die scharfe Erklärung von İbrahim Vural, einem der Gründer der CHP-Organisationen in Deutschland und ehemaliger Vorsitzender des CHP-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen.

Vural sagte, die Türkei erlebe nicht nur eine Wirtschaftskrise, sondern eine Krise des Rechts, des Gewissens und des Regimes. Er wies darauf hin, dass breite Bevölkerungsschichten, von Journalisten bis zu Studenten, von Bürgermeistern bis zu Künstlern, unter Druck stünden.

Vural, der sagte: „Heute geht es nicht nur um einen Regierungswechsel. Es geht darum, ob der Staat eine Verbindung zum Recht herstellen kann“, argumentierte, dass die Eingriffe gegen die CHP die Hoffnung des Volkes auf Veränderung zum Ziel hätten.

Vural, der den Ausdruck „diejenigen, die in der Sprache des Palastes sprechen“ verwendete, kritisierte auch mit scharfen Worten, dass Menschen im Gefängnis ohne Gerichtsurteil für schuldig erklärt würden.

Vural, der die Botschaft „Wir werden nicht schweigen. Wir werden einander nicht im Stich lassen“ vermittelte, sagte: „Wenn dieses Land wieder aufstehen soll, werden dies diejenigen erreichen, die sich gegen Ungerechtigkeit stellen.“

NACHRICHTEN AUS DER EUROPÄISCHEN PRESSE: „EIN DUNKELR TAG“

Die Entscheidung fand auch in der europäischen Presse ein breites Echo. Der Schweizer öffentlich-rechtliche Sender SRF schrieb, dass die CHP seit langem unter Druck stehe. In dem Bericht wurde erwähnt, dass Hunderte Parteimitglieder und zahlreiche Bürgermeister festgenommen wurden und dass innerhalb der CHP ein Machtkampf zwischen den Achsen Özgür Özel und Kemal Kılıçdaroğlu andauere. Özgür Özels Aussage „Ich verspreche Ehre, Mut und Kampf“ wurde hervorgehoben.

Das einflussreichste deutsche Wirtschaftswochenmagazin, die Wirtschaftswoche, nahm die folgende Einschätzung des Politikwissenschaftlers Berk Esen auf:

„Die Türkei erlebt einen ihrer dunkelsten Tage. Die größte Oppositionspartei soll auf juristischem Wege in beispielloser Weise umgestaltet werden.“

In der Nachrichtenanalyse auf der Website des Magazins wurde auf den Erfolg der CHP bei den Kommunalwahlen 2024 hingewiesen und daran erinnert, dass Ekrem İmamoğlu als Erdoğans stärkster Rivale angesehen werde. Der Bericht enthielt auch Kommentare, dass nach den Operationen gegen oppositionelle Bürgermeister nun die CHP-Führung zum Ziel geworden sei.

ACHSE BERLIN-ANKARA UND DAS SCHWEIGEN EUROPAS

Die deutsche Zeitung Die Welt bewertete die Entwicklungen direkt im geopolitischen Kontext. In der Analyse der Zeitung wurde betont, dass das strategische Gewicht der Türkei für Europa mit dem Ukraine-Krieg und den Krisen im Nahen Osten zugenommen habe.

Es wurde festgestellt, dass westliche Hauptstädte aufgrund der Kontrolle Ankaras über das Schwarze Meer, der Tatsache, dass sie eine der größten Armeen der NATO besitzt, und ihrer Rolle in der europäischen Sicherheitspolitik nun anders auf die Türkei zugingen.

In der Analyse wurde auf die Genehmigung des Eurofighter-Verkaufs durch die deutsche Regierung und die nach Jahren wieder aufgenommenen deutsch-türkischen Regierungskonsultationen hingewiesen. Aufgrund dieses Bildes wurde kommentiert, dass Europa gegenüber Demokratie- und Rechtsverletzungen schweigsamer bleibe.

Genau aus diesem Grund richten sich die Augen nun auf die europäischen Sozialdemokraten. Es wird mit Spannung erwartet, welche Haltung die sozialdemokratischen Parteien in Europa, die bisher Erklärungen zur Unterstützung von Ekrem İmamoğlu abgegeben und Besuche im Gefängnis abgestattet haben, von nun an einnehmen werden.

Der in Berlin laut gewordene Slogan ist bereits zu einer Zusammenfassung des Zorns in Europa geworden: „Die absolute Nichtigkeit ist ungültig.“

Doch die Angelegenheit ist nicht mehr nur eine interne Krise der CHP oder eine juristische Debatte in der Türkei. Auch die Sprache der europäischen Medien wird schärfer. Es fällt auf, dass deutsche öffentlich-rechtliche Sender wie das ZDF direkt kommentieren, dass die „Justiz zum Handlanger der Regierung geworden ist“. In der europäischen Presse ist nun nicht mehr nur „Besorgnis“ zu spüren, sondern ein Ton, der eine klare politische Position einnimmt.

Denn die europäischen Hauptstädte sehen Folgendes: Die politischen Spannungen in der Türkei könnten wieder auf die Straße getragen werden.

Es wird befürchtet, dass sich die Massenproteste, die nach der Inhaftierung von Ekrem İmamoğlu stattfanden, nun in größerem Maßstab wiederholen könnten. Die ersten Aufrufe zu Protesten haben bereits begonnen.

Dass dies Auswirkungen auf Europa haben wird, scheint unvermeidlich.

In Europa, wo etwa 7 Millionen Menschen türkischer Herkunft leben, zeigen Schätzungen, dass allein die Bevölkerung in Deutschland, die direkt türkischer Herkunft ist oder in irgendeiner Form familiäre Bindungen zur Türkei hat, bei fast 5 Millionen liegt, dass die politischen Erdbeben in Ankara auch auf den Straßen von Berlin, Köln, Hamburg, Frankfurt und Stuttgart ein starkes Echo finden können.

Wenn die Lage in der Türkei wieder unruhig wird und die Massenproteste zunehmen, gilt es als sicher, dass Europa und insbesondere Deutschland politisch einen äußerst heißen Sommer erleben werden.

Kurz gesagt: Das politische Erdbeben in der Türkei ist nicht mehr nur ein Problem Ankaras. Dass die deutsche Hauptstadt Berlin, die eine Bevölkerung mit Türkei-Bezug von fast 200.000 Menschen beherbergt, sofort in diese Erschütterung hineingezogen wurde, sobald die Entscheidung zur absoluten Nichtigkeit fiel, ist ein ernstes Indiz. Man kann sagen, dass die deutsche politische Klasse angesichts der Möglichkeit unerwarteter Bewegungen beunruhigt ist.


Nachrichtenquelle: 12punto

Kommunalwahl 2024 Deutschland Europa Berlin CHP Cumhuriyet Halk Partisi Ekrem İmamoğlu