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Nach tödlichem Übergriff in Esenyurt: Anwalt erhebt Vorwürfe: 'Schritte zugunsten der Täter'

Während die Ermittlungen zum Tod des Journalisten Hakan Tosun, der in Esenyurt zusammengeschlagen wurde, andauern, warnen die Anwälte vor kritischen Versäumnissen und einer möglichen Anwendung des „Strafmilderungsgrundes wegen ungerechtfertigter Provokation“.

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Nach tödlichem Übergriff in Esenyurt: Anwalt erhebt Vorwürfe: 'Schritte zugunsten der Täter'

Während die Ermittlungen zum Fall des Journalisten und Umweltaktivisten Hakan Tosun, der am 10. Oktober in Esenyurt mitten auf der Straße schwer zusammengeschlagen wurde und am 13. Oktober verstarb, andauern, haben seine Anwälte wichtige Erklärungen abgegeben. Die Anwälte der Familie Tosun äußerten ihre ernste Besorgnis über Mängel im Ermittlungsverfahren und die bisherige Praxis.

„DER WEG FÜR EINE STRAFMILDERUNG WEGEN UNGERECHTFERTIGTER PROVOKATION WIRD GEEBNET“

Die Anwälte behaupteten, dass im Ermittlungsprozess Schritte unternommen würden, die auf eine Strafmilderung für die Täter abzielten. Rechtsanwalt Onur Cingil erklärte, dass die in den offiziellen Antworten verwendete Sprache eine Grundlage zugunsten der Angreifer schaffe. Cingil sagte: „Wir sehen, dass bestimmte Aussagen in die Anklageschrift aufgenommen werden sollen. Dieser Ansatz wirkt wie ein Entwurf, der den Weg für eine Strafmilderung wegen 'ungerechtfertigter Provokation' für die Angreifer ebnen könnte.“

GROSSER TEIL DER BEWEISMITTEL NICHT GESICHERT

Die Anwälte erklärten, dass von den 25 Beweismitteln, die sie bisher gefordert hatten, nur drei erreicht werden konnten, was auf einen schleppenden Fortschritt der Ermittlungen hindeute. Rechtsanwalt Hakan Bozyurt betonte folgende Mängel: „Nicht alle Kameraaufnahmen vom Tatort wurden sichergestellt. Die Aussagen der Personen, die den Notruf 112 gewählt haben, wurden immer noch nicht aufgenommen. Es gibt gravierende Lücken bei den HTS-Aufzeichnungen der Verdächtigen. Zudem sind die Kameraaufnahmen der umliegenden Geschäfte verloren gegangen, da sie nicht rechtzeitig angefordert wurden.“

Bozyurt äußerte seine Besorgnis über den Ermittlungsprozess mit den Worten: „Ein Großteil der Beweise wurde entweder gar nicht erst gesammelt oder ist durch verspätetes Handeln verloren gegangen. Dies verhindert, dass die Ermittlungen ordnungsgemäß voranschreiten.“

WIDERSPRÜCHE IM OBSTLADEN

Die Anwälte wiesen darauf hin, dass auch die Protokolle bezüglich des Obstladens, der angeblich von einem Verwandten eines der Verdächtigen betrieben wird, bemerkenswert seien. Cingil sagte: „Im Protokoll hieß es, die Kamera zeichne nicht auf, aber dies widerspricht den Informationen, die Journalisten in der Region erhalten haben. Im Protokoll wird behauptet, der Betrieb sei geschlossen gewesen, doch dies steht im Widerspruch zu früheren Erkenntnissen.“

FRAGEZEICHEN BEIM DETAIL DER GLASFLASCHE

Auch widersprüchliche Aussagen bezüglich einer Glasflasche, die Hakan Tosun während des Übergriffs in der Hand hielt, kamen zur Sprache. Die Anwälte sagten: „Es konnte nicht erklärt werden, wie die Flasche in Tosuns Hand gelangte. Die offiziellen Stellen antworteten, er habe sie 'vielleicht aus der Tasche gezogen', aber diese Erklärung ist unzureichend.“ Zudem fügten sie hinzu: „Es ist nicht logisch, dass eine Glasflasche in der Tasche einer Person, die in der Metrobus-Station stürzt, völlig unversehrt bleibt.“

Die Anwälte wiesen darauf hin, dass es ernsthafte Zweifel an der Identität einer dritten Person gebe, die in den Ermittlungen erwähnt wird, und dass es nicht ausreiche, diese Person lediglich als Zeugen zu vernehmen. Cingil sagte: „Die Verbindungen und Beiträge dieser Person hätten untersucht werden müssen. Es blieb jedoch nur bei einer Aussage. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass sie geflohen ist.“

AUFRUF: „DIE WAHRHEIT DARF NICHT VERTUSCHT WERDEN“

Cingil und Bozyurt wiesen darauf hin, dass die Ermittlungen durch den Druck der Öffentlichkeit vorangetrieben würden, und erklärten: „Dieser Prozess wird nicht nur von den Anwälten, sondern mit der Unterstützung aller Journalisten und der Öffentlichkeit geführt.“ Die Anwälte betonten, dass jedes neue Beweismittel den Verlauf des Falls verändern könne und die Ermittlungen daher mit größter Sorgfalt geführt werden müssten.


Nachrichtenquelle: 12punto

Hakan Tosun