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Zusätzliches Sachverständigengutachten im Fall Narin Güran liegt den Prozessakten bei

Im Prozess um den Mord an der achtjährigen Narin Güran in Diyarbakır wurde ein ergänzendes Sachverständigengutachten fertiggestellt, das erläutert, mit welchen Techniken und Basisdaten der in den Akten befindliche Bericht zur Funkzellenortung erstellt wurde.

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Zusätzliches Sachverständigengutachten im Fall Narin Güran liegt den Prozessakten bei

Im Fall der Ermordung von Narin Güran, die am 21. August im Dorf Tavşantepe im Bezirk Bağlar als vermisst gemeldet und am 8. September leblos im Eğertutmaz-Bach aufgefunden wurde, stehen der inhaftierte Onkel Salim, die Mutter Yüksel, der Bruder Enes Güran sowie der Nachbar Nevzat Bahtiyar wegen "gemeinschaftlichen vorsätzlichen Mordes an einem Kind" vor Gericht, wobei die Staatsanwaltschaft lebenslange Haftstrafen unter erschwerten Bedingungen fordert.

In einem Zwischenbeschluss des 8. Schwurgerichts von Diyarbakır wurde die Generalstaatsanwaltschaft Diyarbakır angewiesen, ein detailliertes ergänzendes Gutachten einzuholen. Darin sollten die Ersteller des ursprünglichen Berichts zur Funkzellenortung darlegen, welche Methoden, Basisdaten, Geräte und Kriterien verwendet wurden, welche wissenschaftlichen Techniken zum Einsatz kamen und ob eine Fehlertoleranz besteht.

Das gemäß diesem Zwischenbeschluss von vereidigten Sachverständigen erstellte ergänzende Gutachten wurde nun dem 8. Schwurgericht von Diyarbakır vorgelegt. Im Bericht wird festgehalten, dass Mobiltelefone über Basisstationen mit dem Mobilfunknetz verbunden sind und Daten zwischen den Geräten und den Stationen über Funkfrequenzen übertragen werden. Wenn ein Nutzer einen Anruf tätigt, eine Nachricht sendet oder eine Internetverbindung herstellt, gelangen diese Informationen über Funksignale zur Basisstation und von dort in das Hauptkommunikationsnetz des Betreibers.

Im Bericht wird erläutert, dass eine der Methoden zur geografischen Standortbestimmung mittels Funkzellen die "Triangulation" ist, und folgende Informationen werden dazu aufgeführt:

"Wenn ein Mobiltelefon mit mindestens drei verschiedenen Basisstationen verbunden ist, kann der Betreiber anhand der Entfernungsinformationen zu diesen Stationen den Standort des Telefons annähernd bestimmen. Basierend auf der Signalstärke und der Ausbreitungszeit des Signals von jeder Basisstation wird eine Entfernung berechnet, wodurch der Aufenthaltsbereich des Telefons eingegrenzt werden kann. Bei Gesprächen über GSM-Leitungen wird das Signal bei hoher Auslastung der Funkzelle von der nächstgelegenen Station empfangen. Bei Ortswechseln verlässt das Gerät den Abdeckungsbereich und wechselt in den einer anderen Station. Auch wenn Empfangsprobleme oft auf externe Faktoren zurückzuführen sind, können manchmal hardware- oder softwarebedingte Probleme im Gerät selbst die Ursache sein; so können beispielsweise defekte Antennen oder Softwarefehler die Empfangsstärke beeinflussen.

Bei der Funkzellenanalyse im kleinen Umkreis wurden im Dorf Tavşantepe sämtliche Basisstationen einzeln identifiziert, wobei Daten aus lizenzierten Programmen zur HTS-Analyse wie 'Open Signal', 'Network Cell Info Lite' und 'Netmonsters' genutzt wurden. Die Signalstärken und Zellinformationen wurden einzeln ausgewertet und mittels eines in Microsoft Excel erstellten Arbeitsblatts sowie eines Algorithmus zur systemischen Abgleichung und Trennung analysiert, um die möglichen Aufenthaltsorte der betroffenen Personen zu bewerten."

Im Bericht wird darauf hingewiesen, dass am 29. und 30. August sowie am 8. und 9. September – dem Tag des Auffindens der Leiche von Narin Güran – Begehungen im Dorf Tavşantepe stattfanden:

"Es wurden an verschiedenen Tagen und zu unterschiedlichen Uhrzeiten bei Tag und Nacht Funkzellenmessungen im kleinen Umkreis durchgeführt, die alle Verdächtigen, die Wohnsitze von Salim Güran, Arif Güran und Nevzat Bahtiyar sowie Zwischenbereiche und Straßen abdeckten. Insbesondere bei der Arbeit im Umfeld der Häuser von Arif und Salim Güran wurde darauf geachtet, dass die Mobiltelefone der Einsatzkräfte ausgeschaltet wurden, um eine Überlastung der Funkzellen zu vermeiden. Unter Verwendung verschiedener Programme und mindestens zweier Leitungen wurde das Gebiet Schritt für Schritt vermessen, wobei Haupt-, Neben- und GPRS-Basisstationen präzise und ohne Fehlerquellen erfasst wurden."

Da das Dorf auf einer Anhöhe liegt und Signale von vielen Basisstationen aus dem Stadtzentrum und der Umgebung empfängt, sei die hohe Anzahl an Funkzellen für die detaillierte Analyse vorteilhaft gewesen; bei einer geringeren Anzahl wäre eine solche Genauigkeit nicht möglich gewesen. Zudem wird angemerkt, dass der Bereich, in dem die Leiche von Narin Güran gefunden wurde, unterhalb des Dorfes liegt, weshalb die Funkzellen dort einen größeren Bereich abdecken können und eine detaillierte Analyse aufgrund der Weitläufigkeit des Geländes, wie etwa auf Feldern, schwieriger war.

Der Bericht betont, dass bei allen Arbeiten die Signalstärke und die Zellwerte jeder einzelnen Basisstation erfasst und analysiert wurden.

SIGNALE VON 22 VERSCHIEDENEN FUNKZELLEN EMPFANGEN

"Das Dorf Tavşantepe empfängt nicht nur Signale von einer, sondern von mindestens 20 verschiedenen Basisstationen", heißt es im Bericht, wobei Informationen zu 22 erfassten Funkzellen geteilt wurden. Zudem wird darauf hingewiesen, dass diese Basisstationen in den von der Informations- und Kommunikationstechnologiebehörde (BTK) erhaltenen HTS-Aufzeichnungen der Verdächtigen registriert und gelistet sind.

Funkzellenaufzeichnungen am Tag des Vorfalls am Wohnsitz von Arif Güran und den Nebengebäuden

Im Bericht werden folgende Informationen zu den Signalen vom Wohnsitz von Arif Güran und den Nebengebäuden aufgeführt:

"Es wurde festgestellt, dass Salim Güran am Tag des Vorfalls gegen 15.20 Uhr am Wohnsitz von Arif Güran eintraf, gegen 15.22 Uhr in den Stallbereich ging, sich zwischen 15.22 und 15.26 Uhr im Haus aufhielt, gegen 15.36 Uhr das Haus von Arif Güran betrat, um 15.52 Uhr während eines Gesprächs mit Mehmet Selim Atasoy am Wohnsitz von Arif Güran war und sich gegen 16.08 Uhr hinter dem Haus von Arif Güran aufhielt. Gegen 16.35 Uhr befand er sich auf einem Maisfeld in Richtung Uzunbahçe. Nevzat Bahtiyar wurde am Tag des Vorfalls gegen 15.10 Uhr auf dem Weg zwischen den Häusern von Arif und Salim Güran sowie in der Nähe von Arifs Haus lokalisiert, gegen 15.18 Uhr in der Nähe von Arifs Wohnsitz, gegen 15.27 Uhr im Wohnsitz und den Nebengebäuden von Arif Güran und gegen 16.00 Uhr in dem Bereich, in dem die Leiche von Narin Güran gefunden wurde."

Der Bericht enthält zudem den Hinweis: "Da ein bloßer Vergleich der Funkzellennummern zu Fehlern führen würde, wurden bei diesen Feststellungen die durch unsere Messungen vor Ort gewonnenen Daten zur Signalstärke, die Reihenfolge der Funkzellenwechsel im HTS-Bericht der Person sowie die Unterscheidung zwischen Haupt-, Neben- und Zwischenbasisstationen berücksichtigt."

"Wir möchten betonen, dass bei den Funkzellenanalysen im kleinen Umkreis kein Raum für Interpretationen besteht; die Ergebnisse hängen von den HTS-Gesprächen, der Auslastung der Funkzellen und deren Variabilität ab. Es ist wichtig zu wissen, dass die hohe Anzahl an Funkzellen einen Vorteil bei der Identifizierung der Orte und Personen darstellt. Wir weisen darauf hin, dass bei diesen Arbeiten eine Fehlertoleranz von etwa 2 Metern und 1 Minute aufgrund von Zellwechseln und Bewegungen bestehen kann", heißt es im Bericht. Bezüglich der Information aus dem ersten Gutachten, dass "das von Salim Güran genutzte Telefon am 21. August zwischen 22.47 und 22.55 Uhr ein Signal von dem Maisfeld sendete, an dem die Leiche von Narin Güran gefunden wurde", wird klargestellt, dass es sich bei dem als Maisfeld bezeichneten Bereich um das Feld in unmittelbarer Nähe des Fundortes der Leiche handelt.

Abschließend heißt es im Bericht: "Im Zusammenhang mit dem Mord an Narin Güran wurden außer den in den Akten befindlichen HTS-Aufzeichnungen und der ersten Aussage von Salim Güran keine weiteren Beweise herangezogen, keine Proben aus Aussagen entnommen oder Protokolle bzw. Berichte zu Kameraaufzeichnungen erstellt; es wurden lediglich die Daten ausgewertet, die wir durch unsere Feldarbeit gewonnen haben."


Nachrichtenquelle: İHA

lebenslange Freiheitsstrafe mit erschwerten Bedingungen Behörde für Informations- und Kommunikationstechnologien Sachverständigengutachten Enes Güran