Skandale in religiösen Gemeinschaften reißen nicht ab: Ein weiterer Fall von Kindesmissbrauch! „Wenn ihr es erzählt, wird der Kurs geschlossen und ihr ladet Sünde auf euch“
In einem Koran-Kurs der İsmailağa-Vereinigung in Bursa kam es zu einem skandalösen Vorfall. Berichten zufolge wurden fünf Kinder im Alter zwischen 10 und 12 Jahren missbraucht. Eines der betroffenen Kinder berichtete von den Geschehnissen.
Die İsmailağa-Vereinigung, deren Name häufig mit Kindesmissbrauch in Verbindung gebracht wird, steht erneut wegen eines solchen Falls in der Kritik. Wie İsmail Arı von Birgün berichtet, ereignete sich der jüngste Missbrauchsfall diesmal in Bursa.
Bei dem Missbrauchsfall, der sich im April und Mai 2024 ereignete, wurden fünf Kinder im Alter zwischen 10 und 12 Jahren wiederholt von einem anderen, 16-jährigen Jugendlichen, den sie als „großen Bruder“ bezeichneten, im selben Koran-Kurs sexuell missbraucht.
Die von der Polizeidirektion Bursa erstellte und an die Generalstaatsanwaltschaft Bursa übermittelte Ermittlungsakte wurde nun bekannt. Beamte des Ministeriums für Familie und soziale Dienste besuchten am 18. Juli 2024 eine Familie, die finanzielle und soziale Unterstützung erhält.
Während dieses Besuchs berichtete eines der missbrauchten Kinder den Ministeriumsmitarbeitern von den Vorfällen. Der gemeldete Missbrauchsfall wurde von den Behörden an die Staatsanwaltschaft und die Polizei weitergeleitet.
Das 12-jährige männliche Opfer schilderte die Erlebnisse in seiner Aussage im Rahmen der Ermittlungen wie folgt:
„Ich werde dieses Jahr in die 8. Klasse kommen. Vor drei, vier Monaten war ich im Koran-Kurs. Am Morgen gab mir Fehim Hoca die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass niemand das Gästehaus betritt. Nachdem ich meine Waschung vollzogen hatte, schaute ich nach, ob jemand das Gästehaus betreten hatte. Als ich hineinging, hatten sie die Bettgestelle vor die Tür gestellt, damit niemand hineinkommt. Drinnen waren ein Kind namens A. und sechs weitere Kinder..."
Er gab an, dass der 16-jährige Jugendliche namens A. sechs Kinder missbraucht habe und er selbst ebenfalls von A. missbraucht worden sei.
Ein 11-jähriges Kind, dessen Aussage aufgenommen wurde, merkte an, dass der Ort, an dem sie blieben, eine Medrese sei und er dort missbraucht worden sei. Ein weiteres 11-jähriges Kind gab an, dass er zum ersten Mal in der Moschee der Medrese von dem Jugendlichen namens A. missbraucht wurde und nicht entkommen konnte.
„WENN IHR ES DEM HOCA SAGT, VERPRÜGLE ICH EUCH“
Eines der missbrauchten Kinder beschrieb den Jugendlichen namens A. als kräftig gebaut und sagte, dass jeder Angst vor ihm habe:
„A. war kräftig und hatte eine harte Hand. Er drohte mir: 'Ich kenne dein Haus, ich schlage dich, ich verprügle dich'. Jeder hatte Angst vor ihm. Er sagte: 'Wenn ihr dem Hoca erzählt, was ich getan habe, verprügle ich euch'."
„DIE HOCAS HABEN UNS NACHTS ZUSAMMENGERUFEN“
Das 10-jährige Opfer gab in seiner Aussage an, dass es nach dem Missbrauch seiner Mutter davon erzählt habe und dass fünf weitere Personen die Vorfälle den im Kurs tätigen Lehrern Fehim und Faruk gemeldet hätten:
„Nachdem ich diese Vorfälle gesehen hatte, erzählte ich es meiner Mutter. Später hörte ich, dass fünf weitere Personen diese Vorfälle den im Kurs tätigen Lehrern Fehim und Faruk gemeldet hatten... Dann riefen uns die Lehrer Fehim und Faruk nachts im Kurs zusammen. Sie sagten uns, wir dürften niemandem erzählen, was wir gesehen hätten; wenn wir es täten, würde der Kurs geschlossen werden, Hunderte von Schülern würden darunter leiden und wir würden ihre Sünden auf uns laden..."
AUSSAGEN VON GEMEINDEMITGLIEDERN BEKANNT GEWORDEN
Im Rahmen der Ermittlungen gestand Muhammed Kır, ein Gemeindemitglied, das seit 10 Jahren ehrenamtlich im Kurs arbeitete, dass sie die Familien bewusst belogen hätten:
„Ein Schüler, dessen Namen wir nicht mehr wissen, meldete den Verantwortlichen unserer Einrichtung, dass unter den genannten Kindern obszöne Handlungen stattgefunden hätten. Als wir das erfuhren, sprachen wir mit den Kindern... Wir sagten den Familien der Schüler, ohne zu sehr ins Detail zu gehen, dass das Kind lernunwillig sei und es besser wäre, es aus dem Kurs zu nehmen. Sie nahmen die Kinder daraufhin aus dem Kurs..."
EINIGE FAMILIEN ERSTATTETEN KEINE ANZEIGE
Es wurde bekannt, dass einige Familien im Rahmen der Ermittlungen keine Anzeige gegen den Jugendlichen erstatteten, der ihre Kinder missbraucht hatte.
DER MUTMASSLICHE TÄTER: ES WAR ALS SCHERZ GEMEINT
Der 16-jährige A. bestätigte in seiner Aussage im Rahmen der Ermittlungen den Missbrauch, behauptete jedoch, dies sei „als Scherz gemeint“ gewesen. Der Jugendliche namens A. wurde am 20. September 2024 festgenommen und in eine Jugendstrafanstalt eingewiesen.
GEMEINDEMITGLIEDER WERDEN NICHT ANGEKLAGT
In dem Verfahren vor dem Jugendstrafgericht in Bursa wurden die Gemeindemitglieder, die den Missbrauch vertuscht hatten, lediglich als „Zeugen“ vernommen. Die Gemeindemitglieder werden nicht dafür angeklagt, den Missbrauchsskandal vertuscht zu haben.
Nachrichtenquelle: 12punto
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