Stellungnahme der Anwaltskammer Istanbul zum 'Mord am Arbeiter Erol Eğrek': Kein spontaner Gewaltakt
Das Zentrum für Arbeits- und Sozialversicherungsrecht der Anwaltskammer Istanbul hat eine Erklärung zu Erol Eğrek veröffentlicht, der in Istanbul-Şişli das Gebäude seines ehemaligen Arbeitgebers aufsuchte, um Abfindungsansprüche geltend zu machen, dort von Sicherheitskräften zusammengeschlagen wurde und später im Krankenhaus verstarb.
In der Erklärung heißt es: "Das Verhalten des Arbeitgebers, das den Arbeiter in den Tod getrieben hat, muss sorgfältig untersucht werden. Die an dem Mord beteiligten Personen sowie die Unternehmensverantwortlichen müssen in die Ermittlungen einbezogen und ein wirksames sowie faires Gerichtsverfahren muss geführt werden."
Die Erklärung lautet wie folgt:
"Nach den der Presse vorliegenden Informationen hat der 48-jährige Erol Eğrek in einem Betrieb in Turkmenistan gearbeitet, der mit einer Holding verbunden ist, und über Jahre hinweg die aus dieser Tätigkeit resultierenden Lohnforderungen geltend gemacht. Es wurde angegeben, dass die Forderungen trotz gewonnener Rechtsstreitigkeiten vom Arbeitgeber nicht in ihrem tatsächlichen Wert ausgezahlt wurden.
Am 9. Mai 2025 suchte Erol Eğrek das Holding-Gebäude in Istanbul-Şişli auf, um über den Abfindungsprozess zu verhandeln, wurde jedoch vor dem Gebäude von einer großen Gruppe von Sicherheitskräften schwer misshandelt und verstarb infolge dieses Angriffs.
Dieser Mord, der in direktem Zusammenhang mit dem seit 2012 andauernden Streit um Arbeitsentgelte steht, ist ein erschütterndes Ereignis, das den Zustand unseres Justizsystems verdeutlicht.
Dieser Mord hat erneut gezeigt, dass das Arbeits- und Sozialversicherungsrecht für weite Teile der Gesellschaft von lebenswichtiger Bedeutung ist.
Er hat auf erschütternde Weise aufgezeigt, dass ineffektive und geschwächte öffentliche Kontrollmechanismen, langwierige Gerichtsverfahren, nicht umgesetzte Gerichtsurteile, die Haftung der juristischen Person der Holding, das Durchgreifen auf die juristische Person sowie rein enge akademische und juristische Auslegungen von Fragen wie ausländischen Elementen im Rahmen des IPR (Internationales Privatrecht) keine Lösungen bieten können; vielmehr müssen wirksame und schnelle Lösungen gefunden werden, die der gesellschaftlichen Realität entsprechen.
Dies ist ein frappierendes Beispiel dafür, dass die riesigen Probleme, unter denen Millionen von Arbeitern leiden, nicht durch akademische, theoretische und täglich zu Lasten der Arbeiter eingeschränkte Rechtsprechung gelöst werden können und dass die mangelhafte Anwendung justizieller Mechanismen sowie ungerechte Urteile und Auslegungen zu neuen und weitaus größeren gesellschaftlichen Problemen führen können.
Konflikte, die bei Grundrechten wie Lohnforderungen ungelöst bleiben, müssen im Rahmen der staatlichen 'Schutzpflicht' behandelt werden.
Dieser Mord kann nicht nur als ein spontaner Gewaltakt bewertet werden. Auch das über Jahre hinweg praktizierte Verhalten des Arbeitgebers, das den Arbeiter in den Tod führte, muss sorgfältig untersucht werden. Die an dem Mord beteiligten Personen und die Unternehmensverantwortlichen müssen unverzüglich in die Ermittlungen einbezogen werden, und es muss ein wirksames und faires Gerichtsverfahren geführt werden. Wir betrachten es als unsere Pflicht, die Arbeitgeber an ihre rechtliche Verantwortung zu erinnern, und teilen der Öffentlichkeit respektvoll mit, dass wir den Prozess unsererseits aufmerksam verfolgen werden."
Nachrichtenquelle: 12punto
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