Debatte um kostenlose HPV-Impfung hält an: Ministerium wartet auf wissenschaftliche Bewertung
Gesundheitsminister Kemal Memişoğlu erklärte, dass die wissenschaftliche Bewertung zur Aufnahme der HPV-Impfung in das nationale Impfprogramm noch andauert.
Die Debatte darüber, ob die HPV-Impfung in der Türkei kostenlos verabreicht werden soll, hält an. Gesundheitsminister Kemal Memişoğlu sagte bei einem Treffen mit Gesundheitsjournalisten am 15. August, dass die wissenschaftlichen Bewertungen zur Aufnahme des Impfstoffs in das nationale Impfprogramm fortgesetzt werden.
Memişoğlu wies darauf hin, dass einige Wissenschaftler der Ansicht seien, dass in der Türkei kein Bedarf für eine nationale HPV-Impfung bestehe, und betonte, dass die Türkei ein flächendeckendes HPV-Screening durchführe. Der Minister äußerte: „Unsere HPV-Raten, unsere Krebsraten, unsere Krebsentstehungsraten sind anders. Auch unser HPV-Profil ist anders.“
Minister Memişoğlu erklärte zudem, dass der Impfstoff in das Programm aufgenommen werde, falls die wissenschaftliche Bewertung zu dem Ergebnis komme, dass er nützlich sei. Trotz früherer Ankündigungen wurde die HPV-Impfung in der Türkei jedoch noch nicht in den nationalen Impfkalender aufgenommen.

TTB ERNEUERT FORDERUNG NACH KOSTENLOSER IMPFUNG
Die Türkische Ärztevereinigung (TTB) fordert, dass die HPV-Impfung in den nationalen Impfkalender aufgenommen wird, damit sie für alle kostenlos zugänglich ist. Dr. Ayşe Gültekingil, Vorstandsmitglied der Sektion für Frauenheilkunde und Frauengesundheit der TTB, erklärte, dass die wissenschaftlichen Daten, die der Erklärung des Ministeriums zugrunde liegen, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollten.
Laut Gültekingil unterscheidet sich die Prävalenz der HPV-Typen 16 und 18, die in der Türkei am stärksten mit Gebärmutterhalskrebs in Verbindung gebracht werden, nicht wesentlich von den weltweiten Daten. Gültekingil sagte: „Den Zahlen der Gynäkologischen Gesellschaft zufolge sind die onkogenen HPV-Typen 16 und 18, die Krebs verursachen, auch in der Türkei die am weitesten verbreiteten Typen. Sie treten zu etwa 70 Prozent auf.“
Gültekingil bewertete dies wie folgt: „Es gibt keine wissenschaftliche Literatur, die das Argument stützt, dass die Typen in der Türkei anders seien und daher keine Impfung erforderlich sei.“ Es wird darauf hingewiesen, dass der 9-valente HPV-Impfstoff Schutz gegen neun Typen bietet, die im Hinblick auf Gebärmutterhalskrebs von Bedeutung sind, einschließlich HPV-16 und HPV-18.
SCREENING UND IMPFUNG SIND KEINE ALTERNATIVEN ZUEINANDER
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betrachtet die HPV-Impfung als eines der grundlegenden Instrumente ihrer Strategie zur Eliminierung von Gebärmutterhalskrebs. Laut WHO ist insbesondere die Impfung von Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren eine hochwirksame Schutzmethode.
Es wird festgehalten, dass die von der WHO zugelassenen Impfstoffe Schutz gegen die HPV-Typen 16 und 18 bieten, die weltweit für etwa 76 Prozent der Gebärmutterhalskrebsfälle verantwortlich sind. Die Organisation definiert Impfung und regelmäßiges Screening nicht als Alternativen, sondern als komplementäre Maßnahmen.
Die Debatte über die Kostenfreiheit der HPV-Impfung in der Türkei steht seit 2022 auf der Tagesordnung. Der damalige Gesundheitsminister Fahrettin Koca hatte angekündigt, dass mit der Impfung einer festgelegten Gruppe begonnen werde und der Umfang schrittweise erweitert werde. Memişoğlu hatte ebenfalls erklärt, dass die Impfung ab Ende 2025 kostenlos verabreicht werde; das Programm wurde jedoch nicht gestartet.
Minister Memişoğlu erklärte im Februar 2026 vor dem Ausschuss für Chancengleichheit von Frauen und Männern der Großen Nationalversammlung der Türkei (TBMM), dass im Jahr 2025 etwa 1 Million 760 Tausend HPV-Screenings durchgeführt wurden und die Typenverteilung untersucht werde. Bei derselben Sitzung gab er an, dass im Wissenschaftlichen Beirat keine gemeinsame Entscheidung über die Aufnahme des Impfstoffs in das Programm getroffen worden sei.
Die wirtschaftliche Dimension der Forderung nach einer kostenlosen Impfung ist ebenfalls eines der wichtigen Themen der Debatte. Es wird angegeben, dass eine Einzeldosis des in der Türkei verwendeten 9-valenten HPV-Impfstoffs etwa 5 Tausend TL kostet und die Gesamtkosten je nach Alter, da zwei oder drei Dosen erforderlich sind, auf 10 Tausend bis 15 Tausend TL steigen können.
Obwohl kein landesweites kostenloses Programm gestartet wurde, führen einige Kommunen HPV-Impfprogramme für Gruppen im Rahmen der sozialen Unterstützung durch. Die Kriterien für Alter, Wohnsitz und Sozialhilfe in den Programmen der Stadtverwaltungen von Ankara, Istanbul und Izmir variieren je nach Kommune.
Nachrichtenquelle: 12punto
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