Neue Erkenntnisse im Fall Gülistan Doku: Route des Chefarztes wird zum kritischen Detail in den Ermittlungen
Im Fall der 2020 in Tunceli verschwundenen Gülistan Doku wurden wichtige Beweise gesichert. Aufzeichnungen des Kennzeichenerkennungssystems (PTS) belegen, dass der damalige Chefarzt Çağdaş Özdemir die gleiche Strecke wie die vermisste Studentin befuhr. Die Ermittlungen wegen des Verdachts auf Tötungsdelikt dauern an.
Mit dem Amtsantritt von Ebru Cansu, einer der drei Oberstaatsanwältinnen der Türkei, die durch das Dekret des Rates der Richter und Staatsanwälte (HSK) vom Juni 2024 nach Tunceli berufen wurde, wurde der Fall Gülistan Doku neu aufgerollt. Auf Anweisung der Oberstaatsanwältin Cansu wurde mit Unterstützung der Gendarmerie-Ermittlungsteams (JASAT) ein spezielles Team gebildet, das die Ermittlungen von Grund auf neu prüfte.
Sämtliche Aufzeichnungen des städtischen Sicherheitsmanagementsystems (KGYS) sowie des Kennzeichenerkennungssystems (PTS) aus der Stadt für den Tag des Verschwindens von Gülistan Doku und den Vortag wurden zusammengetragen. Dabei wurden nicht nur die Hauptstraßen, sondern insgesamt 700 Stunden neues Videomaterial von 70 verschiedenen Standorten in die Akte aufgenommen.
ERMITTLUNGEN WEGEN TÖTUNGSDELIKT AUSGEWEITET
Nachdem sich die Ermittlungen auf die Möglichkeit eines Tötungsdelikts konzentrierten, wurden infolge von HTS- und PTS-Analysen der Verdächtigen verschiedene Operationen durchgeführt. Bei drei separaten Razzien im April wurden 17 Personen festgenommen; zwei von ihnen, darunter Mustafa Türkay Sonel, der Sohn des damaligen Gouverneurs, und Erdoğan Elaldı, der damals in der Provinzverwaltung tätig war, wurden wegen des Vorwurfs des „vorsätzlichen Tötungsdelikts“ inhaftiert.
Gülistan Dokus ehemaliger Freund Zeinal Abarakov, seine Familie und weitere Personen wurden wegen „Verbergens und Vernichtens von Beweismitteln“ inhaftiert. Zudem wurde gegen Umut Altaş, der sich auf der Flucht befindet und derzeit in den USA aufhält, ein internationaler Haftbefehl (Red Notice) erlassen.
BEWEGUNGEN DES CHEFARZTES IM FOKUS DER ERMITTLUNGEN
Eine der wichtigsten Neuerungen im Ermittlungsprozess ist die durch PTS-Aufzeichnungen belegte Tatsache, dass der damalige Chefarzt des Staatskrankenhauses Tunceli, Çağdaş Özdemir, am Tag des Verschwindens mit seinem Fahrzeug durch das Gebiet fuhr, in dem Gülistan Doku zuletzt gesehen wurde. Der Anwalt der Familie, Ali Çimen, betonte die lebenswichtige Bedeutung dieses Fundes für den Fall.
Anwalt Çimen erklärte: „Im Rahmen dieser Ermittlungen gab es eine neue Entwicklung. Durch die Feststellung der Generalstaatsanwaltschaft Erzurum wurde belegt, dass der damals amtierende und derzeit inhaftierte Chefarzt des Staatskrankenhauses, Çağdaş Özdemir, mit seinem Fahrzeug durch das Gebiet fuhr, in dem Gülistan zuletzt gesehen wurde. Diese Feststellung ist für unseren Fall von Bedeutung. Wie Sie wissen, war Gülistan Doku Gewalt ausgesetzt, weil sie sich gegen einen sexuellen Übergriff gewehrt hatte.
Nach dieser Gewalttat wollte sie das Staatskrankenhaus aufsuchen, um die Verletzungen dokumentieren zu lassen. Wie Sie wissen, hatte das Staatskrankenhaus die Polizei informiert. Es gab einen POLNET-Eintrag bei der Polizei, und als Gülistan dort ihre Aussage machte, die den Hauptverdächtigen, den Sohn von Tuncay Sonel, belastete, wurde diese Aussage dort vertuscht. Bei dieser Vertuschung kam dem Chefarzt Çağdaş Özdemir die größte Rolle zu. Es heißt, dieser Vorfall habe sich am 31. Dezember 2020 ereignet.
Das letzte Datum, an dem Gülistan gesehen wurde, ist der 5. Januar 2020. Wir sehen Folgendes: Die Täter Erdoğan Elaldı, Çağdaş Özdemir, Şükrü Eroğlu, Mustafa Türkay Sonel und Umut Altaş zeigten am 5. Januar 2020 alle eine Bewegung in Richtung des Ortes, an dem sich Gülistan aufhielt. Çağdaş Özdemir wird nun nicht mehr nur wegen der Vertuschung, sondern auch für das Tötungsdelikt an Gülistan verantwortlich. Das ist für unseren Fall eine wirklich wertvolle Erkenntnis.“
ERMITTLUNGEN VERTIEFT: FESTNAHMEN UND VERLEGUNGEN
Im weiteren Verlauf wurden einige der inhaftierten Verdächtigen von Elazığ in ein Hochsicherheitsgefängnis in Erzurum verlegt. Diese Verlegungsentscheidung wurde im Zusammenhang mit den neuen Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft Erzurum begründet.
Gegen zahlreiche Personen, darunter auch den damaligen Gouverneur, wurde wegen Vorwürfen wie „Beweismittelverdunkelung“, „Verfälschung offizieller Dokumente“ und „rechtswidrige Datenübermittlung“ ermittelt. Einige Verdächtige wurden unter Auflagen freigelassen.
SUCHAKTIONEN DAUERN AN
Die Umstände um das Schicksal von Gülistan Doku werden von den Teams der Gendarmerie-Such- und Rettungseinheit (JAK) und JASAT mit modernsten Geräten untersucht. Gebiete, die durch Daten von Bodenradar-Geräten identifiziert wurden, werden detailliert geprüft. Bislang konnte der leblose Körper der jungen Frau nicht gefunden werden; die Arbeit der Spezialteams wird jedoch unter der Koordination der Oberstaatsanwältin von Tunceli, Ebru Cansu, fortgesetzt.
'EFFEKTIVE ERMITTLUNGEN WERDEN GEFÜHRT'
Der Anwalt der Familie Doku, Ali Çimen, informierte über den Verlauf des Falls und erklärte, dass mit der Ernennung der neuen Oberstaatsanwältin effektiver ermittelt werde. Çimen sagte: „Im Rahmen des Falls wurden 12 Haftbefehle vollstreckt. In der Gesellschaft herrschte Sorge, ob der Fall geschlossen wird. Doch mit der Einbeziehung der Generalstaatsanwaltschaft Erzurum haben sich die effektiven Ermittlungen vertieft.“
Mit den neuen Erkenntnissen aus den Ermittlungen und den laufenden Operationen wird erwartet, dass im Fall Gülistan Doku aufklärende Ergebnisse erzielt werden.
Nachrichtenquelle: 12punto
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