Nachdem die Zentralbank vor Kurzem den Leitzins erneut angehoben hat, stieg der Zinssatz auf 30 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand der letzten 19 Jahre. Damit ist die Türkei nach Argentinien das Land mit den zweithöchsten Zinsen weltweit.
Doch wer wird die Rechnung für die widersprüchliche Politik derselben Regierung bezahlen, und zwar eine sehr hohe Rechnung? Welche sozialen Klassen, Schichten und Gruppen werden den bitteren Kelch leeren müssen?
Natürlich werden die breiten Bevölkerungsschichten, Rentner, Arbeiter, Unterdrückte, Geringverdiener, Menschen, die von ihrer Hände Arbeit leben, und Arme die hohe Rechnung bezahlen. Da sich die wirtschaftspolitische Struktur, die seit Jahren die Reichen noch reicher macht, nicht geändert hat und kein Ansatz vorherrscht, der die Wirtschaft ideologisch begreift und aus einer Klassenperspektive heraus versteht, wird sich die Kluft zwischen Arm und Reich weiter vertiefen.
Zunächst müssen wir erkennen, dass die wirtschaftlichen Probleme unseres Landes nicht periodisch, sondern strukturell sind. Sie hängen damit zusammen, wie Wirtschaft verstanden wird. Sie können nicht unabhängig von ideologischen Entscheidungen betrachtet werden. Deshalb ist es falsch, in naher Zukunft eine Lösung für die wirtschaftlichen Probleme zu erwarten. Es ist illusorisch zu glauben, dass die Türkei den Kurs, den sie insbesondere nach den Beschlüssen vom 24. Januar eingeschlagen hat, in naher Zukunft verlassen könnte. Weder die Regierung noch die Opposition haben ein solches Ziel, eine solche Präferenz oder ein solches Programm. Die Unterschiede zwischen ihnen in Bezug auf die Wirtschaft sind sehr gering.
WAS IST ZU TUN?
Für die kommende Zeit muss die Türkei vor allem in der verarbeitenden Industrie stark werden, bei der Produktion von Vorleistungsgütern ambitioniert sein und sich durch Produkte hervorheben, die Wertschöpfung generieren und fortschrittliche Technologien enthalten. Denn mit Produkten, die auf niedriger oder mittlerer Technologie basieren, ist es unmöglich, wohlhabend zu werden und weltweit wettbewerbsfähig zu sein.
Mehr noch: Die Welt bewegt sich rasant in Richtung Künstlicher Intelligenz. Künstliche Intelligenz und andere digitale Technologien werden in naher Zukunft weitaus effektiver, funktionaler sowie verbreiteter und intensiver genutzt werden. Dies wird einerseits die Arbeitslosigkeit erhöhen, andererseits aber auch neue Chancen bieten. Es ist zudem sehr wichtig, wer diese Technologien produziert und wer sie am effizientesten und effektivsten einsetzt. Natürlich wird über deren Nutzen und Schaden noch viel diskutiert werden.
In Zukunft wird die Welt verstärkt über den Zusammenhang zwischen technologischem Fortschritt und Produktionssteigerung, zwischen technologischem Fortschritt und Arbeitsproduktivität, zwischen Arbeitsproduktivität und Lohnwachstum sowie zwischen Lohnwachstum und gesellschaftlichem Wohlstand sowie dem Bruttoinlandsprodukt sprechen.
Leider ist unsere Produktivität nicht im gewünschten Maße vorhanden, sie ist niedrig. Bei unseren Exportprodukten dominieren Produkte mit niedriger und mittlerer bis niedriger Technologie; bei beiden liegt der Anteil bei über 30 Prozent. Der Anteil von Produkten mit Hochtechnologie an den Exporten liegt bei knapp 4 Prozent, nicht einmal bei 5 Prozent. Dabei müsste er auf über 30 Prozent steigen.
Kurz gesagt: Ohne eine Planung der Wirtschaft ist Wohlstand und Entwicklung nicht möglich.
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