Turan Karakaş war mein Freund, er war mein Anwalt.
Turan Karakaş war ein Anhänger Atatürks, ein Republikaner; er stand für volle Unabhängigkeit, für die Arbeiterschaft, für Gleichheit und war ein Antimperialist.
In seiner Jugend spielte er Fußball, und während seines Studiums an der juristischen Fakultät der Universität Ankara war er als Mitglied der 68er-Generation Teil der fortschrittlichen, revolutionären, patriotischen und linken Studentenbewegungen.
In späteren Jahren profilierte er sich sowohl als ein scharfsinniger, erfolgreicher Anwalt als auch als organisatorisch begabter Politiker, der während der Koalitionsregierung von SHP und DYP in den 90er Jahren den SHP-Provinzverband Izmir leitete.
Er lehnte Identitätspolitik ab und verteidigte die Klassenpolitik. Da er sich als Jurist und erfahrener Politiker intensiv mit den Organisations- und Mitgliederstrukturen politischer Parteien auseinandersetzte, kritisierte er ständig die Mentalität des „Ein-Mann-Regimes“ in Parteien und Organisationen. Er trat für einen Kampf ein, der von der Basis ausging und organisiert war.
Während des Ergenekon-Prozesses war Turan Karakaş einer der tapferen, mutigen und furchtlosen Anwälte in den Schauprozessen.
Turan Karakaş und ich hatten gemeinsame Werte und gemeinsame Freunde.
Prof. Dr. Alpaslan Işıklı, einer der legendären Professoren der Mülkiye, an den ich mit Wehmut und Sehnsucht zurückdenke, sowie Suay Karaman, Sadettin Tantan, Hüseyin Özbek und Ümit Zileli sind die ersten, die mir unter unseren gemeinsamen Freunden einfallen. Er war sowohl Student von Prof. Dr. Mümtaz Soysal, einem der legendären Professoren und Dekane der Mülkiye, einem herausragenden und produktiven Intellektuellen der Republik, Denker und ehemaligen Außenminister, als auch an der Gründung dessen Partei beteiligt. Mümtaz Hoca war ein Denker, der uns beide sehr geprägt hat und den wir in unseren Gesprächen oft erwähnten; er war ein ständiges Thema bei uns.
Nicht nur Mümtaz Hoca, sondern natürlich auch Attila İlhan, den ich als meinen Mentor betrachte und auf dessen Lehre ich stolz bin, war eines der Themen in all unseren Gesprächen.
Da Turan Ağabey, der mit meiner Mutter und meinem Onkel dieselbe Oberschule besucht hatte, und ich dieselbe Grundschule (Kars Gazi İlkokulu) absolviert hatten, neckten wir uns gegenseitig als „mein Grundschulfreund“. Wenn sein Enkel anrief, nahm er das Telefon mit den Worten ab: „Bitte mein Enkel, ich habe keine Sorgen.“ Er erzählte gerne Witze. Wenn er von seinen Kindheitserinnerungen, den Werten jener Jahre und den Freundschaften erzählte und seine Sehnsucht nach jenen Tagen zum Ausdruck brachte, füllten sich manchmal seine Augen mit Tränen.
Wir hatten gemeinsam in der Cumhuriyet-Stiftung gearbeitet und waren im selben Zeitraum aus demselben Grund ausgeschieden. Während des Prozesses des Ausscheidens hatten ihn die Dinge, die über ihn gesagt wurden, sehr verletzt. Nach all der Mühe, die er investiert hatte, und dem juristischen Kampf, den er geführt hatte, verletzte ihn die Haltung derer, die er für Freunde gehalten hatte, zutiefst.
Ich werde nie vergessen, wie er mich in Ankara vor Gericht verteidigte, als ich mich für meine Dozentur bewarb und einige Professoren verklagte, die sich gegen mich stellten und schrieben, die „USA hätten der Irak Demokratie gebracht“, nur weil ich in einem meiner Artikel die US-Besatzung im Irak als eine imperialistische Besatzung bezeichnet hatte. Er hielt dort quasi eine Vorlesung sowohl über Jura als auch über internationale Beziehungen.
Mein Grundschulfreund Turan Karakaş hat uns verlassen.
Zurück bleiben seine Bücher, seine Erinnerungen, seine Kolumnen, seine Notizen, die Juristen, die er ausgebildet hat, seine zwei Töchter und sein Enkelkind.
Wir werden ihn sehr vermissen.