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Kriegstreiberei und Gewaltpornografie

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     Als Journalist habe ich verallgemeinernde Ansätze stets abgelehnt. Eines ist jedoch wahr: Ein Großteil der „westlichen Medien“ betrachtet die Rücksichtslosigkeit Israels im Gazastreifen, das gezielte Bombardieren unschuldiger, unbewaffneter Menschen – ohne Rücksicht auf Kinder oder Familien – als vermeintliches „Recht auf Selbstverteidigung“ und berichtet auch so darüber. Meist vermeiden sie es, Israel als den Verursacher zu benennen.

     Reuters verschleierte die Verantwortung Israels bei der Berichterstattung über die Bombardierung des Al-Ahli-Baptistenkrankenhauses und die Tötung eines Kameramanns, indem der Verantwortliche nicht genannt wurde. Die Bombardierung des Krankenhauses war besonders bemerkenswert, nachdem die BBC zuvor berichtet hatte, die Hamas würde Tunnel unter Krankenhäusern und Schulen bauen. Der Artikel der DW mit dem Titel „Welche Handlungen gelten als Kriegsverbrechen“ legitimierte die Gewalt Israels gegen Zivilisten. Solche Beispiele gibt es viele…

    Aber natürlich gab es in den westlichen Medien auch Berichterstattungen, die journalistische Prinzipien einhielten, eine Sprache zugunsten der Opfer wählten und die unverhältnismäßige Gewalt Israels hinterfragten. Doch wenn die Mainstream-Medien in der Türkei Nachrichten aus den US-amerikanischen und europäischen Medien zitieren, werden diese positiven Beispiele leider nicht ausreichend wiedergegeben. Alle dortigen Medienhäuser werden über einen Kamm geschert. 

     Sogar in einem Aufruf von 500 Journalisten aus der Türkei, „Stoppt den israelischen Völkermord“, wurde pauschal behauptet, dass „pro-israelische globale Werbeunternehmen die westlichen Medien kontrollieren“. Es stimmt, dass Israel viel Geld für diese Zwecke ausgibt. Die Zeitung Libération bestätigte, dass Israel allein in Frankreich seit dem 7. Oktober 4,6 Millionen Dollar für Propaganda in den sozialen Medien ausgegeben hat. Doch selbst diese Gelder reichen nicht aus, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen, denn der ehemalige israelische Premierminister Lapid gibt Erklärungen ab wie: „Wenn die internationale Presse objektiv ist, dient sie der Hamas.“ 

    Denn es gibt durchaus Journalismus, der Israel unangenehm ist, wie etwa die Analyse der New York Times, wonach die Rakete, die das Krankenhaus in Gaza traf, von Israel abgefeuert wurde. Es gibt auch andere Beispiele. Le Monde, das zunächst die Hamas für die Bombardierung des Krankenhauses beschuldigt hatte, räumte zwei Tage später seinen Fehler ein und kündigte an, Informationen aus Gaza künftig unter Angabe der Quelle zu veröffentlichen. Auch die BBC, die pro-palästinensische Demonstrationen als „Unterstützung für die Hamas“ bezeichnet hatte, entschuldigte sich später für ihre Nachrichtensprache. Auf CNN berichtete Christiane Amanpour ausführlich über den Tod der Ehefrau, des Sohnes und zahlreicher Familienangehöriger des Gaza-Korrespondenten von Al Jazeera infolge eines israelischen Bombardements. Die israelische Zeitung Haaretz setzt ihre Berichterstattung fort, in der Netanjahu kritisiert wird.

    Doch es gibt auch die Kehrseite der Medaille: Wenn die „westlichen Medien“ schlechten Journalismus betreiben, sind dann die Mainstream-Medien in der Türkei so viel besser? Meiner Meinung nach nicht. Auch in unseren Medien gibt es Akteure, die Kriegstreiberei und Hassrede verbreiten; die Gewaltpornografie auf die Spitze treiben und den Krieg in eine Arena für Spektakel verwandeln. 

    Yeni Şafak und Yeni Akit betrachten diejenigen, die im Gazastreifen Gewalt erleiden und vertrieben werden, nicht als Menschen, sondern als „Umma“; sie betreiben seit Tagen Kriegstreiberei, indem sie Schlagzeilen wie „Gründet die Islamische Armee“ drucken und entsprechende Artikel veröffentlichen.

    Blutige Fotos und Bilder von Leichen aus Gaza werden in den türkischen Medien ohne jegliche Filterung verwendet. Selbst Fotos von Baby- und Kinderleichen mit unverdeckten Gesichtern werden veröffentlicht, wobei journalistische Prinzipien sowie die traumatischen Auswirkungen auf Menschen, insbesondere auf Kinder, völlig ignoriert werden. Die Warnungen von Experten, dass „der Krieg unsere psychische Gesundheit zerstört hat“, werden in den Wind geschlagen; in den sozialen Medien werden blutige Bilder sogar mit dem Kommentar „Wer den Mut hat, soll hinsehen“ geteilt.

     Die Journalisten, die über Tod und Zerstörung im Krieg berichten, befinden sich nicht in Gaza, sondern auf der israelischen Seite der Grenze. Als ob die kriegerische Dynamik nicht schon genug wäre, bemühen sich einige Reporter, ihre Berichterstattung in eine Show zu verwandeln. Während Fulya Öztürk von CNN Türk aufgeregt schilderte, wie Raketen in ihrer Nähe einschlugen und dabei ihre Show abzog, berichtete Osman Terkan vom NTV nur wenige Meter weiter sachlich und ruhig.

    Ohnehin haben sich die Mainstream-Medien fast vollständig von Nachrichten außerhalb Gazas abgewandt