Finden Sie Nachrichten im folgenden Datumsbereich
und und
und und
und und
Löschen
Euro
Arrow
53,9629
Dollar
Arrow
44,7400
Pfund Sterling
Arrow
63,0425
Gold
Arrow
6271,3557
BIST 100
Arrow
10.729

Kein Film, sondern Realität!

Überlass die Wahl deiner Nachrichten nicht dem Algorithmus - entscheide selbst, was du liest. Füge 12punto zu deinen bevorzugten Quellen hinzu!

Ein Anruf geht ein und die Person am anderen Ende sagt Ihnen: 'Wir haben Hannibal gefasst.' Was würden Sie denken? Genau das passierte mir im Juni 2003. Ich arbeitete damals für die Zeitung Sabah. Der Anrufer war ein Polizeibeamter. Er sagte: "Kommen Sie sofort zum Kriminalkommissariat Bakırköy, wir haben Hannibal gefasst." Ich machte mich sofort auf den Weg. Ich war verwundert. Ich fragte mich, ob das ein Scherz oder die Wahrheit war. Denn für mich war Hannibal nur aus dem Film bekannt. Wenn man Hannibal sagte, erschien sofort die von Anthony Hopkins verkörperte Figur 'Hannibal Lecter' vor meinem geistigen Auge.

Als ich beim Kriminalkommissariat Bakırköy ankam, sah ich, dass der Festgenommene gerade für ein ärztliches Attest ins Krankenhaus gebracht wurde. Um darüber berichten zu können, machte ich sofort ein Foto. Danach holte ich die Informationen ein. Während der Polizeibeamte mir die Details schilderte, gefror mir sprichwörtlich das Blut in den Adern. Die Person, die in den Nachrichten als 'einheimischer Hannibal' bezeichnet wurde, war 25 Jahre alt. Er war abhängig von Verdünner und Klebstoff. Was hatte er getan? Welche Gemeinsamkeiten hatte er mit der Filmfigur? Gab es Morde? Wie viele Menschen hatte er gebissen? Diese Fragen, die mich brennend interessierten, stellte ich eine nach der anderen.

Der Polizeibeamte begann zu erzählen. In Zeytinburnu gab es einen Todesfall und einen Verletzungsfall. Er sagte, dass diese Person wahrscheinlich der Verdächtige sei. Nun werde ich Ihnen berichten, was dieser 'einheimische Hannibal' alles getan hat.

Eine 75-jährige Frau usbekischer Herkunft, die mit ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter in Istanbul-Zeytinburnu lebte, wurde am 20. Dezember 2002 morgens beim Betreten ihres Hauses nach dem Einkauf mit einem Messer angegriffen. Der Täter hatte der alten Frau die Hände auf dem Rücken gefesselt, sie an verschiedenen Körperstellen gebissen und ihr schließlich ein großes Stück Fleisch aus dem Gesicht gerissen. Die alte Frau, die tiefe Bisswunden erlitten hatte, wurde medizinisch versorgt. Diese Bisswunden blieben als Beweismittel zurück.

Der Kalender zeigte den 10. Februar 2003. Seit dem ersten Vorfall waren 55 Tage vergangen. Der Ort war wieder Zeytinburnu. In der Wohnung einer 80-jährigen Frau, die allein lebte, brach ein Feuer aus. Bei den Löscharbeiten wurde die Leiche der alten Frau gefunden. Die Untersuchung ergab, dass die alte Frau zu Tode gebissen und mit einem Spieß erstochen worden war. An ihrem Gesicht, ihren Armen und Beinen fanden sich tiefe Bissspuren. Tatsächlich wurden 75 Prozent der aus dem Körper der alten Frau herausgerissenen Teile auf dem Boden des Zimmers gefunden, in dem der Mord begangen wurde. Der Rest der Körperteile fehlte. Genau das stand in den Polizeiberichten.

Als der Mord in die Presse gelangte, brach Panik aus und in den Berichten erhielt er den Namen 'einheimischer Hannibal'. Die Istanbuler Polizei war in Alarmbereitschaft. Es gab nur ein Ziel: diesen Mann zu fassen.

Am 10. Juni 2003 ging bei der Polizei die Meldung ein, dass eine 60-jährige amerikanische Staatsbürgerin, die auf der Küstenstraße von Bakırköy auf ein Taxi zum Flughafen Atatürk wartete, angegriffen worden war. Als die Amerikanerin sich gegen den Angreifer wehrte, der sie küssen wollte, biss dieser ihr so fest in die Stelle über dem rechten Auge, dass er ein Stück herausriss und sie verletzte. Die Bissspuren, die an das Institut für Rechtsmedizin geschickt wurden, stimmten mit denen der beiden Angriffe in Zeytinburnu überein, von denen einer tödlich endete. Hannibal, der drei Frauen ähnlichen Alters angegriffen hatte, zu fassen, war nun die oberste Priorität der Polizei.

Die Istanbuler Polizei nahm Dutzende Obdachlose in der Umgebung von Zeytinburnu und Bakırköy fest. Doch bei keinem stimmten die Gebissabdrücke überein. Die Teams des Kriminalkommissariats der Polizeidirektion Bakırköy, die aufgrund der Täterbeschreibung der Amerikanerin arbeiteten, nahmen einen 25-jährigen Verdünnerabhängigen unter einer Brücke an der Küste von Bakırköy fest. Die beim ersten Angriff verletzte alte Frau und die Amerikanerin wurden zur Identifizierung auf das Revier gerufen. Beide Frauen identifizierten den Angreifer. Nachdem die Gebissabdrücke des Instituts für Rechtsmedizin mit denen des festgenommenen Angreifers übereinstimmten, wurde der 'einheimische Hannibal' inhaftiert. Dank der erfolgreichen Arbeit der Teams des Kriminalkommissariats Bakırköy wurde dieser Mann, der Angst und Schrecken verbreitet hatte, gefasst und die gesamte Bevölkerung Istanbuls, insbesondere in Zeytinburnu und Bakırköy, konnte aufatmen. Hannibal war diesmal kein Film, sondern Realität...