Die Frage, die nicht an Aktualität verliert: Warum Marx recht hatte
Terry Eagleton ist nicht nur einer der führenden marxistischen Denker unserer Zeit, sondern auch ein Literaturkritiker, der für seine scharfe Feder bekannt ist. „Warum Marx recht hatte“ ist ein bei Yordam Kitap erschienenes Buch. Es zeigt, dass die Ideen von Karl Marx nicht nur auf das 19. Jahrhundert beschränkt sind, sondern auch heute noch einen lebendigen Leitfaden bieten, um die Welt zu verstehen und sogar zu verändern.
Eagletons Sprache ist polemisch; mal scharf, mal ironisch, aber immer zum Nachdenken anregend. Der Satz „Der Marxismus ist tot“ wird seit Jahren wiederholt. Doch Eagletons Buch liefert eine geduldige Antwort auf diese Behauptung in 10 Kapiteln. Er verbindet die Aktualität des Marxismus nicht nur mit den Wirtschaftskrisen der letzten Jahre, sondern weist auf ein tieferliegendes Problem hin: die Widersprüche, die dem System innewohnen. Die Krisen des Kapitalismus sind nicht vorübergehend, sondern das natürliche Ergebnis der Funktionsweise des Systems selbst. Genau hier erinnert Eagleton daran, warum Marx immer noch recht hat.
Einer der bemerkenswerten Aspekte des Buches ist die direkte Auseinandersetzung mit den klischeehaften Einwänden gegen den Marxismus. Vorwürfe wie „Der Marxismus führt zur Diktatur“, „Er widerspricht der menschlichen Natur“ oder „Er reduziert alles auf die Wirtschaft“ zielen eher auf eine Karikatur von Marx ab als auf sein eigentliches Denken. Eagleton nimmt diese Missverständnisse einzeln unter die Lupe und widerlegt sie mit einem mal spöttischen, mal geduldigen Stil. Auf diese Weise verteidigt er den Marxismus nicht wie eine heilige Doktrin; im Gegenteil, er befreit ihn vom Staub und macht ihn klarer. Er stützt sich nicht auf die bekannte Form des Marxismus, sondern auf dessen Methode. Doch die Pfeile des Autors richten sich nicht nur gegen die Gegner. Er kritisiert auch diejenigen, die behaupten, den Marxismus zu verteidigen, sich aber mit oberflächlichen, klischeehaften Wiederholungen begnügen. Denn solche Verteidigungen können genauso schädlich sein wie Feindseligkeit. Ein Denken zu verteidigen bedeutet auch, es von falschen Verteidigungsweisen zu reinigen. An diesem Punkt lädt Eagleton den Leser zum Nachdenken ein: Erfordert die Verteidigung von Marx ein blindes Bekenntnis oder den Mut zur ständigen Neubefragung? Genau hier konfrontiert das Buch den Leser mit der Bedeutung des Klassenkampfes.
Das ganze Buch über vermeidet Eagleton es, fertige Rezepte anzubieten. Es ist weder ein dogmatischer Text noch nur ein akademischer Essay…
Es ist eher wie ein diskussionsfreudiger, zum Nachdenken anregender Wegbegleiter. Während man die Seiten umblättert, begegnet man Marx an manchen Stellen neu, an anderen ist man gezwungen, die eigene Sichtweise zu hinterfragen.
Wenn wir auf die heutige Welt blicken, sehen wir Einkommensungleichheit, Klimakrise, Kriege, Arbeitslosigkeit und den Aufstieg autoritärer Regime… All dies zeigt, dass Marx’ Diagnosen über den Kapitalismus nach wie vor gültig sind. Was Eagleton in Erinnerung ruft, ist Folgendes: Der Kapitalismus ist nicht nur eine Wirtschaftsordnung, sondern ein System, das das gesamte gesellschaftliche Leben durchdringt. Daher sind Krisen keine Störungen, sondern die Struktur selbst.
„Warum Marx recht hatte“ spricht nicht nur Marxisten an, sondern jeden, der die Welt, in der wir leben, hinterfragen möchte. Während Eagleton die Ideen von Marx neu verteidigt, öffnet er sie auch für ein neues Nachdenken. Vielleicht ist das der eigentliche, konventionelle Denkmuster durchbrechende Aspekt. Sich eine Ideologie zu eigen zu machen, bedeutet gleichzeitig, sie von oberflächlichen Verteidigungen und Missverständnissen zu befreien. In der heutigen Welt, in der der Kapitalismus ins Wanken gerät, lädt dieses Buch dazu ein, darüber zu diskutieren, warum Marx immer noch unverzichtbar ist. Es erinnert klar daran, dass der Klassenkampf kein Absolutismus ist, sondern der grundlegende Kampf zwischen den Herrschenden und der Arbeiterklasse in der Geschichte.
Das Buch ist nicht nur eine Antwort auf 10 Einwände gegen den Marxismus, sondern eine fundierte Analyse einer Welt, in der selbst die Existenz des Kapitalismus oft kaum noch begreifbar ist. Die Frage „Warum hatte Marx recht?“ wird immer einen festen Platz im Kampf der Menschheit haben.
Ulaş Karaağaç
Nachrichtenquelle: 12punto
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