Kann künstliche Intelligenz exklusive Nachrichten schreiben? Kritische Einschätzung vom Experten
Künstliche Intelligenz wird, wie in allen anderen Branchen auch, zunehmend effektiv im Journalismus eingesetzt. Doch kann KI die Arbeit von Medienmitarbeitern und Journalisten übernehmen? Kann sie exklusive Nachrichten produzieren? Hier sind die Details...
Journalismus gilt als ein arbeitsintensiver Beruf. Obwohl manche die Ansicht vertreten, dass mit der Entwicklung der künstlichen Intelligenz Journalismus auch durch KI betrieben werden könnte, teilen Kommunikationswissenschaftler und Akademiker diese Meinung nicht.
Im Gespräch mit Sibel Gülersöyler von Haber Global erklärte Doz. Dr. İlknur Doğu Öztürk, Dozentin an der Doğuş-Universität, dass sie das Verfassen von Nachrichten mittels künstlicher Intelligenz nicht als Journalismus definiere und betonte: "Ich glaube nicht, dass die Produktion von Nachrichten ohne menschliche Dateneingabe Journalismus ist. Die Technologie, die wir künstliche Intelligenz nennen, besteht lediglich aus Algorithmen."
DER MENSCHLICHE FAKTOR
Doz. Dr. Öztürk wies zudem darauf hin, dass von künstlicher Intelligenz verfasste Nachrichtentexte technisch gesehen nicht den journalistischen Schreibregeln entsprechen, und führte weiter aus:
"Manchmal werden Inhalte nur produziert, um Klicks zu generieren, damit sie als Nachricht gelten und länger auf Nachrichten-Websites verweilen. Dennoch müssen diese Inhalte von einem Journalisten auf ihre Richtigkeit überprüft werden. Sollte die KI jedoch in Zukunft den Menschen ersetzen und wie ein Mensch unabhängig von Algorithmen Entscheidungen treffen, dann könnten wir über mögliche Bedrohungen und Gefahren sprechen."
KANN SIE EXKLUSIVE NACHRICHTEN SCHREIBEN?
Öztürk fügte hinzu, dass künstliche Intelligenz derzeit keinen investigativen Journalismus, keine Interviews und keine exklusiven Nachrichten produzieren könne:
"Algorithmen werten derzeit lediglich Daten aus dem digitalen Umfeld entsprechend der Nachfrage aus. Ich halte es jedoch für angemessen, künstliche Intelligenz als Unterstützung zu nutzen, um den Prozess des Schreibens und Veröffentlichens zu beschleunigen – etwa bei der Kategorisierung vorhandener Daten, der Bitte um Hilfe bei journalistischen Fähigkeiten wie der Wahl einer prägnanten Überschrift, der Auswahl von Spot-Sätzen aus einem vom Journalisten zusammengetragenen Text oder der Auswahl des eindrucksvollsten Fotos."
"KEIN GRUND ZUR SORGE"
Prof. Dr. Süleyman İrvan, Dekan der Fakultät für Kommunikation an der Üsküdar-Universität, verweist hingegen auf Roboter-Journalisten, die in der jüngeren Vergangenheit vor allem in den amerikanischen Medien Anwendung fanden. İrvan merkte an, dass Roboter-Journalisten in Zeitungen wie der New York Times weiterhin Finanz-, Wetter-, Erdbeben- und Sportnachrichten verfassen, und erklärte: "In einigen Bereichen können sie Nachrichten schneller und präziser produzieren als Journalisten. Daher gibt es aus journalistischer Sicht keinen Grund zur Sorge; man könnte sogar sagen, dass dies eine positive Entwicklung im Hinblick auf den Informations- und Nachrichtenbedarf der Gesellschaft ist."
"COPY-PASTE-REDAKTEURE KÖNNTEN IHREN JOB VERLIEREN"
Prof. Dr. İrvan äußerte sich zu der Frage, ob einige Journalisten mit der zunehmenden Nutzung von KI arbeitslos werden könnten: "Redakteure, die den in der Türkei weit verbreiteten 'Copy-Paste-Journalismus' betreiben, könnten ihren Job verlieren. Es dürfte wohl kaum einen 'menschlichen Journalisten' brauchen, um eine bereits veröffentlichte Nachricht einfach zu kopieren und einzufügen."
Nachrichtenquelle: 12punto
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