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Plastikabfälle bedrohen Umwelt und Gesundheit! Ein Leben in einer gesunden Umwelt ist ein Verfassungsrecht!

Rechtsanwalt Kemal Yılmaz und Rechtsreferendar Özgür Özdemir, Mitglieder der Kommission für Umwelt, Stadt und Bebauung der Anwaltskammer Istanbul, schrieben diesen Beitrag für 12 Punto.

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Plastikabfälle bedrohen Umwelt und Gesundheit! Ein Leben in einer gesunden Umwelt ist ein Verfassungsrecht!
Plastikabfälle bedrohen sowohl die Umwelt als auch die öffentliche Gesundheit. Zusätzlich zur bestehenden Umweltverschmutzung importiert die Türkei auch noch Müll aus dem Ausland. Experten betonen, dass dies eine für Umwelt und Gesundheit schädliche und inakzeptable Praxis ist. Rechtsanwalt Kemal Yılmaz und Rechtsreferendar Özgür Özdemir, Mitglieder der Kommission für Umwelt, Stadt und Bebauung der Anwaltskammer Istanbul, erklärten in ihrem Beitrag für 12 Punto, dass sie rechtliche Schritte gegen den Müllimport und die Verschmutzung der Umwelt durch Abfälle einleiten könnten.

Der Beitrag von RA Kemal Yılmaz und Rechtsref. Özgür Özdemir lautet wie folgt:

In unserem Land und weltweit werden Plastikabfälle von Tag zu Tag zu einem größeren Umweltproblem. Jedes Jahr gelangen Millionen Tonnen Plastik in die Umwelt und in die Meere, was zu besorgniserregenden Bildern führt, die die Gesundheit aller Lebewesen gefährden. 

Die internationale Gemeinschaft hat sich erstmals auf einen Rahmen geeinigt, um das wachsende weltweite Plastikproblem einzudämmen. Bei dem unter UN-Führung vom 28. Februar bis 2. März 2022 in Nairobi abgehaltenen Treffen wurde erstmals ein Konsens über ein Rahmenabkommen zur Bekämpfung der Plastikverschmutzung erzielt. Die Parteien trafen eine historische Entscheidung, die Plastikverschmutzung zu beenden und bis 2024 ein international rechtlich bindendes Abkommen zu schließen. In der UN-Entscheidung heißt es: „Das hohe und schnell wachsende Ausmaß der Plastikverschmutzung stellt ein ernstes Umweltproblem auf globaler Ebene dar. Wir erkennen die dringende Notwendigkeit an, die globale Koordinierung, Zusammenarbeit und Regierungsführung zu stärken, um langfristig sofortige Maßnahmen zur Beseitigung der Plastikverschmutzung zu ergreifen.“ 

Auch in unserem Land ist der Plastikverbrauch, sowohl in der industriellen Produktion als auch im individuellen Konsum, maßlos, unkontrolliert und in einem gefährlichen Ausmaß; zudem ist der Import von Plastikmüll eine für Umwelt und Gesundheit schädliche und inakzeptable Praxis. Untersuchungen haben gezeigt, dass dieser Prozess die lokale Umwelt durch die Freisetzung gefährlicher Luftschadstoffe und Toxine vergiften und die menschliche Gesundheit gefährden kann.

Bürger und Nichtregierungsorganisationen können verschiedene rechtliche Schritte in Bezug auf Abfälle unternehmen. Das in Artikel 56 unserer Verfassung verankerte „Recht auf ein Leben in einer gesunden Umwelt“ ist ein verfassungsmäßiges Recht jedes Bürgers. Dieser Text legt gleichzeitig jedem Verantwortung und Pflichten auf. Die Rechte in Bezug auf die Umwelt; die Verantwortlichkeiten und Pflichten in der Verfassung wurden insbesondere durch das Umweltgesetz, das Strafgesetzbuch und das Forstgesetz konkretisiert. Verstöße gegen die Bestimmungen dieser Gesetze stellen Straftaten dar.

Gegen den Müllimport und die Verschmutzung der Umwelt durch Abfälle kann der Rechtsweg beschritten werden. Zunächst ist es sehr wichtig festzustellen, wo das verschmutzte Gebiet liegt und wen es direkt betrifft. Eine qualifizierte Eingabe kann auf Basis der Antworten auf Fragen wie „Handelt es sich bei dem verschmutzten Gebiet um ein Waldgebiet oder ein Gebiet in der Nähe von Wasserquellen in der Region, wer trägt die administrative Verantwortung in der Region und wer ist der Verursacher?“ erfolgen.

I) Türkisches Strafgesetzbuch
Das Türkische Strafgesetzbuch enthält unter der Überschrift „Umweltstraftaten“ (Artikel 181-184) Regelungen zur Umweltverschmutzung. Hier wird zwischen vorsätzlicher und fahrlässiger Umweltverschmutzung unterschieden und auch auf die qualifizierten Formen der jeweiligen Handlungen eingegangen. Wenn beispielsweise ein Gebiet durch das Ablagern von Abfällen vorsätzlich verschmutzt wurde, wird eine Freiheitsstrafe von 6 Monaten bis zu 2 Jahren verhängt; wurde der Abfall unerlaubt aus dem Ausland eingeführt, beträgt die Strafe 1 bis 3 Jahre. In Fällen, in denen der betreffende Abfall dauerhafte Schäden verursachen kann (z. B. nukleare und chemische Abfälle), kann die Strafe verdoppelt werden. Wenn man auf ein verschmutztes Gebiet stößt, kann eine Strafanzeige gegen den Verursacher erstattet werden.

II) Forstgesetz
In Artikel 14, Absatz F des Forstgesetzes ist das Abladen von Müll in Waldgebieten verboten. Wenn das betroffene verschmutzte Gebiet den Status eines Waldes hat, müssen auch die Bestimmungen des Forstgesetzes berücksichtigt werden.

III) Umweltgesetz
Das Gesetz mit den umfassendsten Regelungen zum Umweltschutz ist das Umweltgesetz. Das Fundament des Gesetzes bilden das Verschmutzungsverbot (Artikel 8) und das Verursacherprinzip (Artikel 28). Darüber hinaus wird betont, dass jeder verpflichtet ist, die notwendige Sorgfalt für den Schutz der Umwelt walten zu lassen (Artikel 9). Im Rahmen dieses Gesetzes muss zunächst ein administrativer Antrag bei der Stelle gestellt werden, die die administrative Verantwortung für das verschmutzte Gebiet trägt. Je nach Ergebnis dieses Antrags kann ein verwaltungsgerichtliches Verfahren eingeleitet werden. Bei der Antragstellung bei der Behörde kann von der Einholung von Informationen über das verschmutzte Gebiet bis hin zum Ersatz des durch die Verschmutzung entstandenen Schadens alles gefordert werden. Da das Antragsverfahren bei der Verwaltung jedoch meist negativ verläuft, beginnt genau an diesem Punkt der verwaltungsgerichtliche Prozess, und es wird der Rechtsweg beschritten.

IV) Antrag bei der TİHEK
Die TİHEK (Institution für Menschenrechte und Gleichbehandlung der Türkei), eine Institution, die versucht, Menschenrechtsverletzungen in der Türkei zu reduzieren, bewertet Anträge bezüglich der Haltung von Verwaltungsbehörden und Verwaltungsbeamten. Es handelt sich jedoch nicht um einen klassischen Rechtsweg, und da sie erst seit 2016 existiert, wird sie seltener in Anspruch genommen. Personen und Gruppen, die direkt von dem verschmutzten Gebiet betroffen sind, können geltend machen, dass aufgrund der mangelnden Sorgfalt der Verwaltung eine Diskriminierung hinsichtlich des Rechts auf ein Leben in einer gesunden Umwelt vorliegt. Da der Dreh- und Angelpunkt der Arbeit der TİHEK das Diskriminierungsverbot ist, sollte betont werden, dass es sich nicht direkt um das Recht auf ein Leben in einer gesunden Umwelt handelt, sondern um eine Diskriminierung, die aus der mangelnden Sorgfalt der Verwaltung resultiert.

V) Antrag beim UN-Menschenrechtsausschuss
Im Kontext der Umweltverschmutzung kann ein Antrag beim UN-Menschenrechtsausschuss (UNHRC) gestellt werden. Eine Einzelperson, eine Gruppe von Menschen oder eine Nichtregierungsorganisation kann einen Antrag stellen. Es ist wichtig zu betonen, dass es sich nicht um einen Prozess wie vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) handelt. Der UN-Menschenrechtsausschuss agiert darauf ausgerichtet, die Ursache des Problems aufzudecken, und seine Entscheidungen haben empfehlenden Charakter. Sie sind wichtig, da sie als Druckmittel gegenüber Regierungen dienen. 

Nach Eurostat-Daten und dem Bericht des britischen Journalisten Kit Chellel über ‚Müll, der von London nach Adana gelangt‘, wurde das Thema Müllimport in der Türkei viel diskutiert. Dass über rechtliche Wege in dieser Angelegenheit gesprochen wird, ist eine wichtige und erfreuliche Entwicklung. Unser erster Rat an Bürger und Nichtregierungsorganisationen, die rechtliche Schritte in dieser Angelegenheit einleiten wollen, ist, niemals von dem eingeschlagenen Weg abzuweichen.
Unser zweiter Rat ist, da es sich bei den Arten von rechtlichen Anträgen um Nachverfolgungsprozesse handelt, die ein gewisses technisches Wissen erfordern, diese mit einem Juristen durchzuführen.
Unser dritter Rat – wir richten uns insbesondere an Nichtregierungsorganisationen – ist die Dokumentation des verschmutzten Gebiets, technische Berichterstattung usw., also Fachwissen, Zeit und Archivierungsarbeiten zu investieren. Auf diese Weise werden Beweise und Grundlagen für die gerichtliche Phase geschaffen. 

RA Kemal Yılmaz - Rechtsref. Özgür Özdemir 
Mitglieder der Kommission für Umwelt, Stadt und Bebauung der Anwaltskammer Istanbul

Nachrichtenquelle: 12punto

UN Anwaltskammer Istanbul Kemal Yılmaz Gericht Gesundheit Müllimport