Brief von Ümit Özdağ aus der Haft in Silivri an 12punto! Erklärt der Öffentlichkeit, dass die Anklageschrift völlig substanzlos ist
Der Vorsitzende der Zafer Partisi, Prof. Dr. Ümit Özdağ, der in einem Restaurant in Ankara festgenommen und anschließend inhaftiert wurde, hat einen Brief an den 12punto-Autor und erfahrenen Journalisten Bahadır Selim Dilek geschickt. Özdağ erklärte, er sei wegen Öcalan inhaftiert worden und fügte hinzu: "Meine Bitte an dich und das 12punto-Team: Belasst es nicht dabei zu sagen, 'die Anklageschrift ist leer'. Zeigt der Öffentlichkeit, dass sie absolut substanzlos ist."
Der in der Haftanstalt Silivri inhaftierte Vorsitzende der Zafer Partisi, Ümit Özdağ, hat einen Brief an Bahadır Selim Dilek von 12punto geschickt.
In seinem Brief bezeichnete Özdağ die gegen ihn erstellte Anklageschrift als "völlig rechtswidrig" und forderte sowohl Dilek als auch die anderen Journalisten bei 12punto auf, der Öffentlichkeit konkret aufzuzeigen, wie substanzlos diese Anklageschrift ist.
Özdağ betonte, dass insbesondere die Lücken im Inhalt der Anklageschrift offengelegt werden müssten, und erklärte, dass der Prozess nicht nur in den Gerichtssälen, sondern auch im Gewissen der Öffentlichkeit verhandelt werde.
Hier ist der Brief von Özdağ:
“Lieber Bahadır Selim Dilek,
ich habe deinen Artikel bei 12punto gelesen. Du hast zu hundert Prozent recht. Das erkläre ich auch den Leuten, die mich besuchen.
Wenn am 21. Januar 30 Prozent der Reaktion vom 18. März vorhanden gewesen wären, hätte es den 19. März nicht gegeben.
Nun ist eine Anklageschrift eingetroffen. Völlig leer. Dasselbe wird auch İmamoğlu und seinem Team widerfahren.
Während die Anklageschrift für die Kobani-Ermittlungen in 68 Tagen geschrieben wurde, wurde meine in 78 Tagen verfasst.
Deshalb meine Bitte an dich und das 12punto-Team: Bitte belasst es nicht dabei zu sagen, 'die Anklageschrift ist völlig leer'. Zeigt der Öffentlichkeit, dass sie absolut substanzlos ist.
Ja, das Volk weiß, dass ich wegen Öcalan in Silivri bin.
Wir müssen der Öffentlichkeit bis zum 11. Juni erklären, wie leer diese Anklageschrift ist.
Damit wird bewiesen sein, dass ich wegen Öcalan in Silivri festgehalten werde.
Und noch vor dem Gerichtssaal wird der Freispruch vor dem Volksgericht erfolgen.”
Die Inhaftierung von Özdağ wird in der Öffentlichkeit nicht nur als eine Maßnahme gegen seine Person interpretiert, sondern als Teil eines allgemeinen Drucks auf die Opposition und die Meinungsfreiheit.
Der Begriff "Feindstrafrecht" ist in diesem Prozess zu einer häufig verwendeten Definition für Özdağ geworden.
Ein großer Teil der Bevölkerung vertritt die Ansicht, dass vage Anschuldigungen wie "Aufstachelung des Volkes zu Hass und Feindseligkeit" dazu genutzt werden, Politiker zum Schweigen zu bringen, und dass Stimmen, die der Regierung missfallen, auf juristischem Wege unterdrückt werden sollen.
Der kritischste Punkt, auf den Özdağ in seinem Brief hinweist, ist die "Leere" der Anklageschrift.
Wenn eine Anklageschrift die Tatbestandsmerkmale nicht mit konkreten Beweisen stützt, ist sie zu einem politischen Dokument geworden. Özdağ argumentiert, dass diese Gefahr nicht nur ihn selbst betrifft, sondern im weiteren Verlauf auch andere Namen der Opposition treffen wird. Diese Situation wird in der Türkei als ein sehr ernstes Alarmsignal für die Unabhängigkeit der Justiz und die Meinungsfreiheit gewertet.
Nachrichtenquelle: 12punto
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