Ära der 'digitalen Qual' im Schengen-Raum beginnt, Wartezeiten vervielfachen sich
Die jahrzehntelange Tradition des "Passstempels" bei Europareisen endet, doch diese digitale Revolution bringt eine erhebliche operative Belastung mit sich. Das EES (Einreise-/Ausreisesystem), das ab dem 10. April 2026 im gesamten Schengen-Raum in vollem Umfang angewendet wird, könnte insbesondere für türkische Staatsbürger die Grenzübergänge zu einer neuen Geduldsprobe machen.
Das Einreise-/Ausreisesystem (EES), das die Grenzkontrollen der Europäischen Union vollständig digitalisiert, tritt ab dem 10. April 2026 in allen Schengen-Ländern in Kraft. Während physische Stempel in Pässen der Vergangenheit angehören, drohen aufgrund der Pflicht zur Abgabe von Fingerabdrücken und biometrischen Fotos stundenlange Warteschlangen an den Grenzübergängen.
45-Sekunden-Kontrolle steigt auf 4 Minuten
Mit dem neuen System müssen Staatsbürger der Republik Türkei (unabhängig davon, ob sie einen bordeauxroten, grünen oder grauen Pass besitzen) bei ihrer ersten Einreise in den Schengen-Raum Fingerabdrücke abgeben und ein biometrisches Foto machen lassen. Experten prognostizieren, dass die Vorgänge, die bei manuellen Kontrollen durchschnittlich 30-45 Sekunden dauerten, mit dem EES bei der ersten Registrierung pro Passagier 2 bis 4 Minuten zusätzliche Zeit in Anspruch nehmen werden. Dies bedeutet, dass insbesondere an stark frequentierten Flughäfen, an denen Tausende Passagiere gleichzeitig abgefertigt werden, riesige Warteschlangen entstehen werden.
"Gehen Sie mindestens 4 Stunden früher zum Flughafen"
Branchenvertreter geben kritische Warnungen für Reisepläne im Jahr 2026 ab. Orkun Özkan, stellvertretender Generaldirektor von ENUYGUN.com, äußerte sich zu dem Thema und gab folgende Empfehlungen, damit Passagiere keine Nachteile erleiden:
"Die mit dem EES einhergehende biometrische Pflicht kann die Grenzübergangszeiten erheblich verlängern. Wir empfehlen insbesondere Passagieren mit Anschlussflügen, ihre Umsteigezeiten deutlich länger als gewohnt zu planen. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Passagiere ihre Ankunftszeiten am Flughafen an dieses neue Szenario der hohen Auslastung anpassen und mindestens 4 Stunden vorher am Terminal sind."
Manuelle Nachverfolgung endet: 90-Tage-Regel jetzt automatisch
Das EES-System wird nicht nur Daten sammeln, sondern auch die Aufenthaltsdauer im Schengen-Raum in Sekundenschnelle berechnen.
Automatische Nachverfolgung: Die Regel von 90 Tagen Aufenthalt innerhalb von 180 Tagen wird vom System berechnet. Wer die Frist überschreitet, wird ohne Spielraum für manuelle Fehler sofort erkannt und den Grenzbehörden gemeldet.
Digitales Archiv: Die Daten werden 3 Jahre lang im System gespeichert. Obwohl das Ziel darin besteht, die Abfertigung bei Reisen nach der ersten Registrierung zu beschleunigen, wird für das Jahr 2026, in dem das System erstmals in Betrieb genommen wird, während der Feiertags- und Sommerferienzeiten mit Chaos gerechnet.
Passseiten bleiben leer: Mit der Abschaffung der Ein- und Ausreisestempel wird das Problem der vollen Passseiten der Geschichte angehören.
Die letzte Kurve vor ETIAS
Das EES, das am 10. April startet, ist eigentlich eine Vorbereitungsphase für das ETIAS (Europäisches Reiseinformations- und -genehmigungssystem), das im letzten Quartal 2026 in Betrieb gehen soll. Die mit dem EES gesammelten Daten werden vollständig in das ETIAS-System integriert und den digitalen Sicherheitswall Europas vervollständigen.
Reiseexperten raten Passagieren, die die Dichte an den Flughäfen zumindest etwas reduzieren möchten, Selbstbedienungskioske zu nutzen, sofern verfügbar, und alle ihre Dokumente (Unterkunft, Versicherung, Rückflugticket) sowohl digital als auch ausgedruckt griffbereit zu halten.
Nachrichtenquelle: 12punto
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