Aufsehenerregende Aussagen von Politikwissenschaftler Rahr: 'Europa kann sich nicht aus dem Diktat der USA befreien'
Alexander Rahr, der als einer der bedeutendsten Politikwissenschaftler Deutschlands gilt und Deutschland lange Zeit in Russland-Fragen beriet, äußerte sich zur aktuellen politischen Lage.
Der Politikwissenschaftler Alexander Rahr äußerte sich zu den Beziehungen zwischen Russland und Europa sowie zur Außenpolitik Deutschlands.
Im Gespräch mit Tunç Akkoç, dem Chefredakteur des Magazins Harici, erklärte Rahr, dass der Ukraine-Krieg als Folge „verpasster Gelegenheiten“ begonnen habe.
Rahr vertrat die Ansicht, dass sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Möglichkeiten zur Schaffung einer neuen Friedens- und Sicherheitsordnung geboten hätten, diese jedoch vertan worden seien. Rahr zufolge müsse man mit Russland zusammenarbeiten, um dauerhaften Frieden und Stabilität in Europa zu gewährleisten.
HÄTTE FRIEDEN GEWAHRT WERDEN KÖNNEN?
Rahr betonte, dass Russland von Deutschland und den westlichen Staaten nicht als Großmacht wahrgenommen werde, und unterstrich, dass im Westen die verbreitete Meinung herrsche, Russland nicht ernst nehmen zu müssen. Er erklärte, dass die Tatsache, dass die NATO kein Problem darin sah, sich in Richtung der russischen Grenzen auszudehnen, sowie die Unterstützung von Regierungen in Georgien und der Ukraine, die Bündnisse mit dem Westen anstrebten, die Friedenschancen zunichtegemacht hätten, mit folgenden Worten:
„Man hätte ernsthafter mit den Russen verhandeln müssen. Wir hätten Russland als echte Großmacht ernster nehmen müssen. Außerdem hätte meiner Meinung nach damals auf Initiative Deutschlands mit den Amerikanern und Europäern ein Moratorium über eine weitere NATO-Osterweiterung vereinbart werden müssen. In diesem Fall hätte man die Ukraine und Georgien, all diese Länder, nicht verraten. Das ist Unsinn.“
WAREN DIE WIRTSCHAFTSSANKTIONEN WIRKSAM?
Rahr ging auch auf die Sanktionen gegen Russland nach Kriegsbeginn in der Ukraine ein und fügte hinzu, dass europäische Unternehmen wirtschaftlich stärker gelitten hätten als Russland selbst. Laut Rahr beruhe die Fortsetzung der Sanktionen auf moralischen Gründen. Rahr wies auf die Wirkungslosigkeit der Wirtschaftssanktionen hin und betonte zudem, dass der deutschen Wirtschaft die nötige Kraft fehle, um den Krieg weiter durchzustehen.
Rahr sagte: „Wir müssen uns davon verabschieden, die deutsche Wirtschaft in der Spitzenposition zu sehen; wir müssen uns bewusst machen, dass wir nicht mehr das Zentrum der Welt sind.“
Im Interview sprach Rahr auch die Beziehungen zwischen Europa und den USA an. Der Politikwissenschaftler bezeichnete Europa als eine von den USA „gewonnene Beute“ und äußerte: „...ich sage es mit Bedauern, aber Europa wird keinen Weg finden, sich aus dem Griff der USA, ja sogar aus dem Diktat der USA zu befreien.“
WER IST RAHR?
Alexander Rahr leitete 20 Jahre lang das Russland/Eurasien-Programm der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), die als eine der wichtigsten Denkfabriken Deutschlands gilt und enge Beziehungen zur Regierung unterhält. Rahr, der als Vermittler zwischen Russland und Deutschland tätig war, ist ein deutsch-russischer Politikwissenschaftler.
Nachrichtenquelle: 12punto
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