Was passiert in Israel? : „So etwas hat es in der Geschichte Israels noch nie gegeben“
Israelische Experten und Analysten werteten den von der Hamas in Gaza am Samstag, dem 7. Oktober, gestarteten Angriff namens „Al-Aqsa-Flut“ als „Zusammenbruch des israelischen Geheimdienstes“ und erklärten, dass dieser Schock langfristige Auswirkungen haben werde.
Mit dem Angriff, den sie am Morgen des 7. Oktober starteten, feuerte die Hamas Tausende Raketen auf Israel ab und drang zudem über Land in die jüdischen Siedlungen an der Grenze zu Gaza ein, wobei sie zahlreiche Israelis als Geiseln nahm.
Dieser Angriff, der zu einer Zeit stattfand, in der die Überzeugung vorherrschte, dass sich die Hamas auf die wirtschaftliche Lage in Gaza konzentriere und keine Absicht habe, in einen Krieg mit Israel zu ziehen, löste bei israelischen Politikern und Sicherheitsbehörden einen Schock aus.
Die Erklärungen des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu, dass „die Hamas einen plötzlichen und tödlichen Angriff gegen Israel gestartet hat“, waren zudem ein „seltenes Eingeständnis“ von der Spitze der politischen Hierarchie.
'ALLE 50 JAHRE'
Der Angriff der Hamas wurde zudem mit dem Krieg verglichen, den Ägypten und Syrien am 6. Oktober 1973 (Jom-Kippur-Krieg) begannen, und es wurde zum Ausdruck gebracht, dass das, was Ägypten und Syrien vor 50 Jahren taten, von der Hamas wiederholt wurde. Israelische Zeitungen veröffentlichten Nachrichten und Artikel, die den Schockzustand nach Beginn des Angriffs, den Zusammenbruch des Geheimdienstes und die Ähnlichkeiten des Angriffs mit dem Krieg vom 6. Oktober aufzeigten.
ISRAEL ERLEBT EINEN LANG ANHALTENDEN SCHOCK
Die israelische Zeitung Maariv schrieb in einem am 7. Oktober veröffentlichten Bericht, dass die Hamas einen Überraschungsangriff auf Israel verübt habe und dies ein großes Geheimdienstversagen darstelle.
Die Zeitung Yediot Ahronot bewertete den Angriff der Hamas als ein Versagen der Regierung.
Die Zeitung betonte, dass „die lang anhaltende Herabwürdigung der vermeintlichen Terrororganisationen zu einem Albtraum geworden ist, dem man nur schwer entkommen kann, und zu einem Schock, der die Israelis noch lange verfolgen wird“.
''SO ETWAS HAT ES IN DER GESCHICHTE ISRAELS NOCH NIE GEGEBEN''
Der israelische Militäranalyst Avi Benayahu erklärte in seinem Artikel in der Zeitung Maariv, dass sich Israel in einem Überraschungskrieg befinde, der Merkmale aufweise, die man bisher nicht kannte, mit einer großen Anzahl von Toten, Verletzten und Entführten.
„Es hat sich herausgestellt, dass die Annahme, die Hamas konzentriere sich auf die Wirtschaft, falsch war und dass die Mauer, die Israel mit Kosten in Milliardenhöhe gebaut hat, ebenfalls eingestürzt ist. Ich sitze seit Stunden vor dem Fernseher, knirsche vor Fassungslosigkeit mit den Zähnen und reibe mir die Augen. Denn so etwas hat es in der Geschichte Israels noch nie gegeben“, sagte Benayahu und merkte an, dass eine lange und schwierige Zeit bevorstehe, die die Nerven strapazieren werde.
''ÜBERRUMPELT''
David Horovitz, der die Ereignisse als „großes Versagen“ bezeichnete, schrieb in der Times of Israel: „50 Jahre nach dem Jom-Kippur-Krieg wurde Israel heute nicht von arabischen Armeen, sondern von der Hamas überraschend angegriffen. Während israelische Politiker zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkamen, begannen in der Presse Kritiken aufzutauchen, dass 'Israel, während es mit internen Angelegenheiten beschäftigt war, erneut überrumpelt wurde'“.
EIN GEHEIMDIENTVERSAGEN MIT POLITISCHEN FOLGEN
Israelische Experten hinterfragten auch, wie die Hamas die Infiltrationsoperation, an der Hunderte Menschen beteiligt waren, durchführen konnte, ohne dass jemand davon erfuhr.
Amos Harel, einer der Analysten der Zeitung Haaretz, stellte fest, dass der Angriff ein großes Versagen sei, das politische Schocks auslösen werde, und fuhr fort:
„Die Situation, in der wir uns befinden, erfordert einen schmerzhaften historischen Vergleich. Israels Denken in Bezug auf Gaza ist zusammengebrochen. Es gab ein Versagen in der Politik, bei der Stationierung der Verteidigungskräfte und bei der Vorbereitung auf Überraschungen. In der Samstagnacht schliefen israelische Politiker und Kommandeure sicher in ihren Häusern, und da es keine Frühwarnung gab, wurden keine Truppen verstärkt.“
Harel erklärte, dass der militärische Geheimdienst und der Generalstab behauptet hätten, „die Hamas habe aus früheren Kriegen gelernt und habe nicht die Absicht, einen neuen Krieg zu beginnen“, und bewertete: „Während Hunderte Hamas-Mitglieder monatelang im Geheimen diesen Überraschungsangriff vorbereiteten, wurde in Israel darüber diskutiert, ob die Anzahl der Arbeiter, denen die Einreise aus Gaza ins Land gestattet wird, erhöht werden sollte oder nicht.“
''EINE BEISPIELLOSE KRISE''
Harel betonte, dass sowohl das Militär als auch die Politik an diesem großen Versagen beteiligt seien, und sagte: „Diese Angelegenheit kann erst nach Ende des Krieges eingehend bewertet werden. Das Problem ist, dass Israel in diesen Krieg in einer beispiellosen Krisensituation eintritt. Dies wird die Leistung der Regierung in den kommenden schwierigen Tagen beeinflussen.“
Harel erklärte, dass die Hamas aus der Operation Protective Edge im Jahr 2014 gelernt und sich entsprechend vorbereitet habe, und merkte an:
„Diesmal griff die Hamas Gebiete an, in denen sich die Armee befand. Offensichtlich war die Wachsamkeit in diesen Bereichen gering und die Anzahl der militärischen Kräfte niedrig. Ebenso kam es zu Zusammenstößen im Hauptquartier der Gaza-Division und in einigen anderen Militärstützpunkten.
Das einzige Problem war nicht das Geheimdienstversagen. Es scheint, dass das gesamte System zusammengebrochen ist. Als Israel gegen die ägyptische Armee oder die Hisbollah kämpfte, passierte so etwas nicht. Diesmal hat eine kleinere Gruppe (Hamas) Israel einen Schlag versetzt, der schmerzhafter ist als der Schlag von 1973.“
HAMAS HAT DIE HISBOLLAH IMITIERT UND WAR GERISSEN
Yossi Yehoshua erklärte in seinem Artikel in Yediot Ahronot, dass „die israelische Armee, eine der stärksten Armeen des Nahen Ostens und eine der angesehensten der Welt, vom Angriff der Hamas verblüfft war“.
Yehoshua merkte an, dass die Hamas vor etwa zwei Wochen ihre Gerissenheit bewiesen habe, indem sie Demonstranten an die Grenzregion schickte, und berichtete: „Nachdem die israelische Regierung die Einreise von Arbeitern aus Gaza nach Israel gestattet hatte, glaubte die Armee, die Lage an der Grenze unter Kontrolle zu haben, während die Hamas die israelische Armee täuschte und in Sicherheit wiegte.“
Yehoshua betonte, dass die Hamas die Hisbollah imitierte, indem sie in die Siedlungen an der Grenze eindrang, Soldaten und Zivilisten tötete und entführte, und wies darauf hin, dass die Armee nicht für möglich hielt, dass so etwas passieren könnte, und zudem auf die neue, kostspielige Grenzsperre vertraute.
Yehoshua betonte, dass das Eindringen bewaffneter Personen an vielen Punkten gleichzeitig in Israel und der Raketenregen auf Israel Planung und Zeit erforderten, aber noch wichtiger sei, dass die Hamas ein beispielloses Beispiel an Mut gezeigt habe.
Yehoshua erklärte, dass der 7. Oktober, an dem die Izz ad-Din al-Qassam-Brigaden einen groß angelegten Angriff auf die Siedlungen im Süden Israels starteten, den israelischen Behörden zeigen sollte, dass „der Aufbau einer stärkeren Armee unerlässlich ist“, und merkte an, dass man aufhören müsse, sich mit weniger wichtigen Themen wie der seit langem diskutierten „Justizreform“ zu beschäftigen, um dies zu erreichen.
"EINE SCHANDE, DIE NICHT ZU TILGEN IST"
Der ehemalige israelische Minister Meir Sheetrit äußerte sich in seinem Artikel in der Zeitung Maariv wie folgt zur „Schande, die Israel erlebt“:
„Dies ist ein Versagen sowohl in politischer und operativer Hinsicht als auch in Bezug auf den Geheimdienst. Wie können wir erklären, dass der Feind mit Bulldozern die Zäune überwindet und mit Toyota-Fahrzeugen eindringt und niemand da ist, um sie aufzuhalten? Wo ist die israelische Armee? Wo sind die modernsten Waffen und Drohnen, Hubschrauber, Panzer, Soldaten? Diese Schande ist nicht zu tilgen.“
Sheetrit erinnerte daran, dass der Angriff am Jahrestag des Jom-Kippur-Krieges stattfand, den Ägypten am 6. Oktober 1973 begann, und sagte: „Das Versagen des Jahres 2023 ist schlimmer als das Versagen des Jom-Kippur-Krieges. Ich habe Schwierigkeiten, diese schreckliche Wahrheit zu glauben, die uns wie eine Ohrfeige trifft.“
''ICH SCHÄME MICH''
Sheetrit erklärte, dass es schwer zu glauben sei, dass ein Land, das über Geheimdienstsysteme sowie eine Spionagesoftware namens Pegasus verfüge, bei einem solchen Thema versage, und bewertete dies wie folgt:
„Als ehemaliger Minister, der in israelischen Regierungen gedient hat, und als Offizier, der in den Israelischen Verteidigungsstreitkräften gedient hat, schäme ich mich dafür, dass ein solch gefährliches Versagen in Israel stattgefunden hat.“
Sheetrit fügte hinzu, dass unmittelbar nach Ende des Krieges ein Untersuchungsausschuss eingesetzt werden müsse, um alle Verantwortlichen für dieses katastrophale Versagen vor Gericht zu bringen.
Nachrichtenquelle: AA
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