Erdgaspreise in Europa steigen wegen Hormus-Spannungen erneut
Neue US-Luftangriffe auf den Iran und Vergeltungsdrohungen haben die Sorgen um den LNG-Fluss verschärft; die europäischen Referenz-Gaskontrakte stiegen um fast 10 Prozent.
Auf dem europäischen Erdgasmarkt sind die Preise erneut gestiegen, da die zunehmenden Spannungen im Nahen Osten die Risiken für den Energietransport vergrößert haben. Nachdem die USA als Reaktion auf Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus neue Luftangriffe auf den Iran durchgeführt haben, legten die Referenz-Erdgas-Terminkontrakte nach Marktöffnung um fast 10 Prozent zu.

Die jüngsten Entwicklungen ereigneten sich in einer Zeit, in der LNG-Tanker die Straße von Hormus weitgehend meiden. Die US-Angriffe und die Vergeltungsdrohungen aus dem Iran haben die Unsicherheit sowohl hinsichtlich der Zukunft der Friedensgespräche als auch der Sicherheit dieser für den globalen Energiehandel kritischen Wasserstraße erhöht.
Katar, der größte LNG-Produzent im Nahen Osten, hatte in den letzten Wochen signalisiert, dass es die Exporte schnell wieder hochfahren könne. Die erneute Eskalation der Spannungen hat diese Erwartungen jedoch geschwächt. Europa versucht derweil, seine Gasspeicher vor dem Winter zu füllen, während es gleichzeitig eine Phase durchläuft, in der heißes Wetter die Nachfrage erhöht und der Wettbewerb mit Asien um begrenzte Lieferungen auf dem Seeweg zunimmt.

Die Strategen der ING Groep NV, Warren Patterson und Ewa Manthey, erklärten, dass Asien aufgrund von Angebotsunterbrechungen im Nahen Osten verstärkt auf den Spotmarkt ausweiche, was die LNG-Importe Europas verringere. Den Strategen zufolge verstärkt die jüngste Eskalation der Spannungen die Sorgen vor einer Angebotsverknappung, während die europäische Heizsaison näher rückt.
Die europäischen Untergrund-Gasspeicher sind zu etwa 51 Prozent gefüllt. Dieser Wert wurde als der saisonal niedrigste Stand der letzten fünf Jahre registriert. Während die LNG-Importe des Kontinents im Juni im Jahresvergleich um 18 Prozent zurückgingen, setzte sich dieser Rückgang nun bereits den dritten Monat in Folge beschleunigt fort.
Laut einem Bericht der Energieaufsichtsbehörde der Europäischen Union liegen die Einspeisungen in die Speicher sowohl unter dem 10-Jahres-Sommerdurchschnitt als auch unter dem Vorjahresniveau. In dem Bericht wurde betont, dass das Ziel eines Füllstands von 80 Prozent zwar weiterhin erreichbar sei, dafür jedoch die LNG-Importe wieder auf das Niveau des Vorjahres steigen müssten.
Die niederländischen Terminkontrakte für den nächsten Monat, einer der Referenzindikatoren für den europäischen Gasmarkt, wurden bei 48,27 Euro pro Megawattstunde gehandelt.
Nachrichtenquelle: 12punto
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