Ökonom İnan Mutlu listet auf: Warum sollen die beiden Brücken am Bosporus und die Autobahnen privatisiert werden?
Die Regierung hat Schritte zur Privatisierung der beiden Brücken am Bosporus und der Autobahnen eingeleitet. Das Ziel ist nicht nur die Deckung des Haushaltsdefizits; auch die Botschaft zur Stärkung des Vertrauens bei ausländischem Kapital steht im Vordergrund.
Die Regierung hat den Startschuss für die Privatisierung von Brücken und Autobahnen gegeben. Die Begründung ist nicht nur die Schließung des Haushaltslochs; auch die kritische Botschaft an das ausländische Kapital ist bemerkenswert.
WIRTSCHAFTLICHE BEGRÜNDUNG: HOHE EINNAHMEN AUF EINEN SCHLAG
Der Ökonom İnan Mutlu weist auf die wirtschaftliche Dimension des Prozesses hin und erklärt:
„Wirtschaftlich betrachtet möchte die Regierung durch die Erzielung hoher Einnahmen auf einen Schlag die Haushaltsdefizite senken. Noch kritischer ist jedoch die Botschaft, die an das ausländische Kapital gesendet werden soll: ‚Sorgen Sie sich nicht um unsere Schulden; wenn nötig, verkaufen wir unsere Vermögenswerte und begleichen unsere Schulden. Fahren Sie fort, uns Geld zu leihen.‘ Dieser Ansatz ist einer der Grundpfeiler von Wirtschaftsprogrammen, die mit oder ohne IWF umgesetzt werden, und deshalb stehen Privatisierungen immer auf der Tagesordnung.“
VERTRAUENSBILDUNG BEI AUSLÄNDISCHEM KAPITAL
Experten zufolge richtet sich dieser Verkauf nicht nur an den Binnenmarkt. Die Regierung, die ihre Kreditaufnahmefähigkeit unter Beweis stellen will, zielt darauf ab, den internationalen Finanzkreisen durch die Privatisierung von Brücken und Autobahnen Sicherheit zu vermitteln.
Laut Mutlu:
„Um die Schulden bedienen zu können, werden durch den Verkauf von Vermögenswerten Sicherheiten geboten. Dies ist eine Botschaft an ausländische Investoren und Gläubiger, dass ‚die Türkei über die Kapazität zur Schuldentilgung verfügt‘. Langfristig schränkt diese Strategie jedoch den unabhängigen Handlungsspielraum des Landes ein.“
DAS ERBE DER ÄRA ŞİMŞEK
Experten, die daran erinnern, dass Privatisierungspolitik in der Türkei nicht neu ist, betonen, dass Privatisierungen auch während der früheren Amtszeit von Mehmet Şimşek als Minister häufig auf der Tagesordnung standen. Obwohl damals Privatisierungen von Autobahnen und Brücken geplant waren, wurden diese verschoben, da sich keine Käufer fanden oder sie nicht an bestimmte Holdinggesellschaften vergeben werden sollten.
Der heute erneut auf die Tagesordnung gesetzte Verkauf wird mit dem Vergleich eines „undankbaren Kindes, das das Familiensilber verkauft“ kommentiert.
DAS ENDE STRATEGISCHER VERMÖGENSWERTE?
Die Privatisierung der beiden Brücken am Bosporus und der Autobahnen wird nicht nur als Einnahmequelle betrachtet, sondern auch als ein Schritt, der direkte Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Entscheidungen und die politische Unabhängigkeit der Türkei haben wird.
Nachrichtenquelle: 12punto
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