Hindernisse für die Astronomie: Lichtverschmutzung und Teleskope
Astronomische Observatorien sind aufgrund der zunehmenden Lichtverschmutzung ernsthaft gefährdet. Zuletzt wurde dieses Problem am Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile thematisiert. Der dunkle Nachthimmel über diesem Observatorium, einem der renommiertesten Astronomiezentren der Welt, ist durch die Lichtverschmutzung bedroht, die von Projekten für erneuerbare Energien ausgehen könnte.
Das VLT ist durch den geplanten Bau des 10-Milliarden-Dollar-Projekts INNA Renewable Energy Park, der nur wenige Kilometer entfernt liegt, einem großen Risiko ausgesetzt. Dieses Projekt soll von dem in den USA ansässigen Energieunternehmen AES in der Atacama-Wüste realisiert werden und umfasst ein 7.400 Hektar großes Gebiet mit Solarkraftwerken, Windkraftanlagen und Anlagen zur Wasserstoffproduktion. Nach Berechnungen der ESO wird diese Anlage so viel Licht erzeugen, wie es eine kleine Stadt in den Nachthimmel abstrahlt.
Der Generaldirektor der ESO, Xavier Barcons, erklärte, dass der Himmel in der Umgebung des Observatoriums durch dieses Projekt voraussichtlich um 10 Prozent heller werden wird. Dieser Helligkeitsanstieg könnte dazu führen, dass das VLT seinen derzeitigen prestigeträchtigen Status verliert und das Teleskop auf das Niveau eines gewöhnlicheren Observatoriums herabgestuft wird.

KRITISCHE ASTRONOMISCHE BEOBACHTUNGEN IN GEFAHR
Es wird betont, dass der Anstieg der Lichtverschmutzung um 10 Prozent schwerwiegendere Folgen haben könnte als bisher angenommen. Barcons weist darauf hin, dass dies dazu führen könnte, dass 30 Prozent der derzeit schwächsten sichtbaren Galaxien nicht mehr beobachtet werden können. Dabei hat das VLT bisher viele bahnbrechende Entdeckungen gemacht, wie etwa die erste direkte Aufnahme eines Exoplaneten und die Enthüllung der kosmischen Netzstruktur im Universum. Die zunehmende Helligkeit könnte solche Entdeckungen jedoch unmöglich machen.
NEUES TELESKOP EBENFALLS GEFÄHRDET
Der INNA Renewable Energy Park könnte nicht nur das VLT, sondern auch das neue 1,5-Milliarden-Dollar-Teleskop der ESO, das Extremely Large Telescope (ELT), negativ beeinflussen. Beide Teleskope wurden speziell in abgelegenen Gebieten der Atacama platziert, die den dunkelsten Nachthimmel der Welt bieten. Die ESO hatte eine umfassende weltweite Suche durchgeführt, um diese idealen Beobachtungsbedingungen zu gewährleisten. Barcons erklärte, dass sie nicht grundsätzlich gegen die Energieanlage seien, aber der Bau in einer solch unmittelbaren Nähe ein großes Problem darstelle. Seiner Ansicht nach könnte das Problem gelöst werden, wenn die Anlage mindestens 50 Kilometer entfernt errichtet würde.
SATELLITEN IM ORBIT VERURSACHEN EBENFALLS PROBLEME
Die Lichtverschmutzung beschränkt sich nicht nur auf lokale Projekte; auch die Dichte der Satelliten im Orbit beeinträchtigt die Beobachtungen negativ. Es ist bekannt, dass die Satelliten, die im Rahmen des Starlink-Projekts von SpaceX in die Umlaufbahn gebracht wurden, aufgrund ihrer Helligkeit astronomische Beobachtungen erschweren. Diese schnell wachsende Zahl von Satellitenkonstellationen ist zu einem wachsenden Problem für bodengestützte Observatorien geworden.
Nachrichtenquelle: 12punto
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