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207-seitige Aussage von Erdal Beşikçioğlu: So reagierte er auf Bestechungs- und Ausschreibungsvorwürfe

Erdal Beşikçioğlu, der im Rahmen der Ermittlungen gegen die Stadtverwaltung Etimesgut vernommen wurde, wies die Vorwürfe der Bestechung und Unregelmäßigkeiten bei Ausschreibungen zurück; er erklärte, von den Vorgängen erst nach den Prüfberichten erfahren zu haben.

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207-seitige Aussage von Erdal Beşikçioğlu: So reagierte er auf Bestechungs- und Ausschreibungsvorwürfe

Im Rahmen der Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft Ankara-West gegen die Stadtverwaltung Etimesgut wurden bei der polizeilichen Vernehmung des Bürgermeisters Erdal Beşikçioğlu zahlreiche Themen angesprochen, die von Finanzbewegungen über Ausschreibungsverfahren und Bebauungspläne bis hin zu den Dreharbeiten für „Behzat Ç.“ reichten.

Gegen Beşikçioğlu wurden Vorwürfe wegen Bestechung, Erpressung, Manipulation von Ausschreibungen und Unregelmäßigkeiten bei der Vertragserfüllung erhoben. Beşikçioğlu, der zu einem Fragenkatalog von 207 Seiten Stellung nahm, wies sämtliche Anschuldigungen zurück und erklärte, dass er keine Reue zeigen wolle, da er keine Straftaten begangen habe.

In der Akte wurden Fragen auf Basis von Berichten des Rechnungshofs (Sayıştay), MASAK-Aufzeichnungen, Bankbewegungen, Ausschreibungs- und Zahlungsprozessen der Stadtverwaltung sowie Zeugenaussagen gestellt. Beşikçioğlu argumentierte, dass er von vielen Vorgängen in der Stadtverwaltung erst nach den internen Prüfungen und Berichten erfahren habe.

FINANZBEWEGUNGEN UND SCHULDENERKLÄRUNG

Dem Vernehmungsprotokoll zufolge gab Beşikçioğlu sein monatliches Einkommen mit 2,5 Millionen Lira an. Er erklärte, dass sich sein Einkommen aus seinem Gehalt als Bürgermeister, Ticketverkäufen des „Tatbikat Sahnesi“, schauspielerischen Tätigkeiten und Tantiemenzahlungen zusammensetze.

In der Finanzprüfung der Ermittlungsakte wurde jedoch behauptet, dass auf seinen Bankkonten kein derart regelmäßiger Einkommensfluss erkennbar sei. Es wurde festgehalten, dass die externen Geldeingänge auf Beşikçioğlus Konten im Jahr 2024 etwa 6,1 Millionen Lira und im Jahr 2025 9,4 Millionen Lira betrugen.

Beşikçioğlu beantwortete auch Fragen zu seinem Vermögen. Er gab an, über Haselnussplantagen in Ünye, Häuser in Çeşme, Urla, Izmir, Istanbul und Ankara, ein Grundstück mit Anteilen in Ayvalık, zwei Motorräder und einen Audi A6 zu verfügen. Er begründete sein Vermögen mit Ersparnissen aus vielen Jahren und Erbschaften.

Einer der Schwerpunkte in der Akte waren Geldtransfers von Gültekin Bayındır, der nach Angaben von Beşikçioğlu seit langem sein Finanzberater ist, sowie von dessen Sohn Batuhan Bayındır. Den Untersuchungen zufolge wurden von Gültekin Bayındır in 13 Transaktionen insgesamt 5,445 Millionen Lira und von dessen Sohn im Jahr 2026 mehr als 2 Millionen Lira überwiesen.

Beşikçioğlu verteidigte sich damit, dass diese Geldflüsse mit den geschäftlichen Aktivitäten der Familie und Medienprojekten in Verbindung stünden. Auch die spätere Ernennung des Finanzberaters Gültekin Bayındır zum stellvertretenden Bürgermeister von Etimesgut wurde im Rahmen der Ermittlungen thematisiert.

Zudem wurde in die Akte aufgenommen, dass im Dezember 2024 von einem Unternehmen, das dem stellvertretenden Bürgermeister von Etimesgut, Mutlu Kerimoğlu, gehört, in zwei Transaktionen insgesamt 975.000 Lira auf das Konto von Beşikçioğlu überwiesen wurden. Beşikçioğlu erklärte, dass sein Kreditkartenlimit während eines Auslandsaufenthalts für eine Hotelzahlung nicht ausgereicht habe, er sich das Geld von Kerimoğlu geliehen und nach seiner Rückkehr in die Türkei zurückgezahlt habe.

Beşikçioğlu räumte ein, dass die Abteilungen für das Sekretariat, die interne Revision und die Inspektion in der Stadtverwaltung direkt ihm unterstellt seien und er die allgemeine Aufsichtspflicht habe. Er betonte jedoch, dass er keine direkte Befugnis oder Aufgabe bei der Vorbereitung von Ausschreibungsunterlagen, der Auswahl von Unternehmen oder den Zahlungsprozessen habe.

In einer Zeugenaussage eines Mitarbeiters in der Ermittlungsakte wurde behauptet, dass die Ausschreibung für die Müllabfuhr und Fahrzeugvermietung so vorbereitet worden sei, dass ein bestimmtes Unternehmen gewinne, und dass ihm gesagt worden sei, die Zuweisungen seien auf Wunsch von Beşikçioğlu und einigen Stadtverwaltern erfolgt. Beşikçioğlu wies diese Darstellungen zurück.

In der Akte findet sich zudem der Vorwurf, dass im Gegenzug für Änderungen am Bebauungsplan eines Bauprojekts eine Bestechungsvereinbarung in Höhe von 250 Millionen Lira getroffen worden sei. In Zeugenaussagen wurde behauptet, dass über 70 Millionen Lira für Wohngebiete und 180 Millionen Lira für Gewerbeflächen gesprochen wurde und nach Gesprächen mit Stadtverwaltern die mündliche Zustimmung von Beşikçioğlu eingeholt worden sei.

Beşikçioğlu wies den Vorwurf zurück und erklärte, von einer solchen Vereinbarung oder Geldforderung nichts gewusst zu haben. Er wurde auch zu den Vorwürfen befragt, wonach von einigen Bauunternehmern Geld für den Kauf von Bussen für die Stadtverwaltung verlangt wurde und Ozan Yiğit im Gegenzug für die Vermietung städtischer Parkplätze Devisen erhalten habe. Beşikçioğlu bezeichnete diese Aussagen als unwahr.

Im Rahmen der Ermittlungen kamen auch Vorwürfe auf, dass Einrichtungen und Ressourcen der Stadtverwaltung Etimesgut für die Dreharbeiten und Werbeaktivitäten der Serie „Behzat Ç.“, in der Beşikçioğlu als Schauspieler mitwirkt, genutzt wurden. Beşikçioğlu bestritt nicht, dass städtische Ressourcen bei den Dreharbeiten genutzt wurden; er sagte jedoch, dass die Produktionsfirma die erforderlichen Zahlungen geleistet habe und der Stadtverwaltung kein Schaden entstanden sei.

Beşikçioğlu bestätigte zudem, dass er seinen Wohnsitz für die Kandidatur als Bürgermeister in das Haus des Stadtratsmitglieds von Etimesgut, Ozan Yiğit, verlegt hatte. Er erklärte, er kenne Yiğit durch Mutlu Kerimoğlu und es bestehe keine geschäftliche Beziehung zwischen ihnen.

Nach der polizeilichen Vernehmung wurde Beşikçioğlu an die Justiz überstellt, wo eine Befragung durch die Staatsanwaltschaft erfolgen soll. Während die Vorwürfe und Zeugenaussagen in der Ermittlungsakte noch auf keiner rechtskräftigen gerichtlichen Entscheidung beruhen, weist Beşikçioğlu sämtliche Anschuldigungen zurück.


Nachrichtenquelle: 12punto

Erdal Beşikçioğlu Stadtverwaltung Etimesgut Generalstaatsanwaltschaft Ankara-West Bestechungsvorwurf Ausschreibungsermittlung Rechnungshof (Sayıştay) MASAK