Warnung vor biologischer Invasion durch wartende Schiffe in der Straße von Hormus: „Könnte zu einer ökologischen Krise führen“
Meeresbiologen weisen darauf hin, dass Schiffe, die aufgrund der Sperrung der Straße von Hormus monatelang warten, invasive Arten in alle Welt tragen könnten.
Ein internationales Team von Meeresbiologen hat davor gewarnt, dass die Sperrung der Straße von Hormus nicht nur den Energie- und Handelsfluss, sondern auch die marinen Ökosysteme bedrohen könnte. Laut einem in der Fachzeitschrift Biological Invasions veröffentlichten Artikel könnten Schiffe, die in der Region monatelang untätig bleiben, zu „Trägern“ für invasive Meeresarten werden.
Die Forscher geben an, dass seit Februar schätzungsweise 1.500 Schiffe im Persischen Golf feststecken und weitere Hunderte im Golf von Oman warten. Das lange Stillliegen der Schiffe erhöht das Risiko des sogenannten „Biofouling“, bei dem sich Meeresmikroben, Algen und wirbellose Tiere an den Rümpfen festsetzen und vermehren.

RISIKO KÖNNTE BEI WIEDERAUFNAHME DER FAHRTEN STEIGEN
Der Hauptautor der Studie, der Meeresökologe Prof. Mario Tamburri von der University of Maryland in den USA, bezeichnete das Warten der Schiffe unter diesen Bedingungen als „Worst-Case-Szenario“ für die Ausbreitung invasiver Arten. Tamburri erklärte, dass neue und harte Oberflächen, die ins Meer gelangen, zunächst von Mikroben und Bakterien besiedelt werden, woraufhin Algensporen sowie Larven von Muscheln, Würmern und ähnlichen wirbellosen Tieren auf diesen Flächen Kolonien bilden.
Wissenschaftlern zufolge ist der Meeresboden des Golfs größtenteils schlammig, siltig oder sandig, weshalb harte Oberflächen dort begrenzt sind. Daher bieten Schiffsrümpfe einen geeigneten Untergrund für Lebewesen, die nach Ansiedlungsmöglichkeiten suchen. Unter normalen Bedingungen bleiben Schiffe nur ein bis drei Tage im Hafen, doch invasive Arten können sich auf Schiffen bereits nach 10 Tagen schnell ansammeln.
In dem Artikel wird betont, dass das Risiko aufgrund der zentralen Rolle der Straße von Hormus für die globale Schifffahrt nicht auf die Region beschränkt bleiben könnte. Sollten die wartenden Schiffe verschiedene Häfen anlaufen, könnten die an ihren Rümpfen haftenden Arten in weit entfernte Ökosysteme verschleppt werden.

WARNUNG VOR WIRTSCHAFTLICHEN UND ÖKOLOGISCHEN SCHÄDEN
Die Forscher weisen darauf hin, dass invasive Arten einheimische Lebewesen verdrängen, zum Aussterben einiger lokaler Arten führen sowie die Fischerei und Aquakultur beeinträchtigen können. Zu den Warnungen gehört auch, dass diese Arten kritische Infrastrukturen wie die Kühlsysteme von Kraftwerken verstopfen könnten.
Biofouling bedeutet auch zusätzliche Kosten für die Schifffahrt. Laut Tamburri kann selbst eine Biofilm-Schicht am Rumpf den Kraftstoffverbrauch um 2 bis 5 Prozent erhöhen. Bei starkem Befall durch Muscheln und Krebstiere kann dieser Wert auf bis zu 25 Prozent ansteigen.
Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) hatte 2023 empfohlen, dass Schiffe, die über einen längeren Zeitraum untätig waren, vor der Wiederaufnahme des Betriebs Maßnahmen zur Beseitigung von Biofouling ergreifen sollten. Forscher bewerten es jedoch als logistisch schwierig, die große Anzahl an Schiffen im Golf vor der Abfahrt umfassend zu reinigen.
Wissenschaftlern zufolge ist daher internationale Zusammenarbeit von entscheidender Bedeutung. Es wird darauf hingewiesen, dass Häfen, die Schiffe aus der Region empfangen, ihre Reinigungs- und Kontrollkapazitäten bei Ankunft der Schiffe erhöhen müssen. Im Artikel werden Häfen wie Dschidda, Mumbai, Colombo, Singapur, Alexandria, Piräus, Algeciras und Rotterdam als gefährdete Punkte genannt.
Tamburri betonte, es bestehe die starke Erwartung, dass mit der Wiedereröffnung der Meerenge nicht-heimische Organismen verschleppt werden. Ob sich das Ereignis zu einer globalen „Super-Ausbreitung biologischer Invasionen“ entwickle, hänge von den nun folgenden internationalen Maßnahmen ab.
Nachrichtenquelle: 12punto
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