Digitale Trojanische Pferde…
In unserer Kindheit war alles einfacher. Wir spielten Murmeln auf der Straße, ließen Kreisel drehen und fuhren mit selbstgebauten Seifenkisten um die Wette. Am liebsten spielte ich Murmeln. Die Regeln des Spiels, die für den Sieg erforderlichen Fähigkeiten und die Konsequenzen einer Niederlage waren klar. Es reichte aus, die Murmel richtig zu treffen, um zu gewinnen. Wenn etwas kaputtging, konnten wir den Grund dafür verstehen.
Dann bekam ich einen Commodore-64. Ich erinnere mich an die Tage, an denen ich minutenlang darauf wartete, dass ein Spiel von der Kassette geladen wurde, und manchmal den gesamten Vorgang neu starten musste. Damals bewunderten wir die Technologie.
Nicht einmal vierzig Jahre später sind unsere Autos, Fernseher, Kühlschränke und die Türschlösser unserer Häuser mit dem Internet verbunden. Es ist fast unmöglich geworden, mit dem Tempo der technologischen Entwicklung Schritt zu halten. Es ist jedoch schwer zu sagen, dass wir die Abhängigkeiten, die diese Entwicklung mit sich bringt, mit der gleichen Geschwindigkeit hinterfragen.
Um heute die Sicherheit eines Landes zu bedrohen, muss man nicht mehr die Grenze überschreiten, in den Luftraum eindringen oder einen einzigen Schuss abfeuern. Es reicht aus, Zugang zu den Technologien zu haben, die das Land nutzt…
Im Dezember 2025 funktionierten in Russland Hunderte Porsche-Fahrzeuge nicht mehr. Aufgrund eines Problems mit den satellitengestützten Sicherheitssystemen sprangen die Motoren der Fahrzeuge nicht an. Dass es sich um einen Cyberangriff handelte, wurde nicht bewiesen. Aber das Ergebnis war offensichtlich: Die Funktionsfähigkeit eines Autos hing von digitalen Systemen ab, die der Besitzer nicht direkt kontrollieren konnte. Auf diese Gefahr hatte ich bereits in meinem früheren Artikel hingewiesen.
Im September 2026 untersuchten die US-Küstenwache und das FBI verdächtige Cyberaktivitäten auf zwei Öltankern. Es wurde berichtet, dass Anzeichen für unbefugten Zugriff auf die Netzwerke der Schiffe gefunden wurden und dass die Navigations-, Antriebs- und Ladesysteme möglicherweise beeinträchtigt waren. Wer in die Steuerungssysteme eines Schiffes eingreifen kann, bedroht nicht nur das Schiff selbst, sondern auch die Ladung, die Besatzung, den Hafen und die Handelskette. Als jemand, der jahrelang auf Schiffen gedient hat, bedeutet das für mich sehr viel.
Es stellte sich heraus, dass Mietwagen, die bei einem Militärmanöver in Norwegen eingesetzt wurden, die Bewegungen der Soldaten und die Zugangscodes zu militärischen Einrichtungen aufzeichneten. Es wurde berichtet, dass einige der Fahrzeuge aus chinesischer Produktion stammten. Dass Daten an andere Systeme übertragen wurden, konnte nicht bewiesen werden. Bevor man fragt, in welchem Land ein Fahrzeug hergestellt wurde, das die Sicherheitscodes einer militärischen Einrichtung aufzeichnen kann, sollte man hinterfragen, warum es diese Daten sammelt, wo es sie speichert und wem es den Zugriff darauf ermöglicht.
Eine weitere Untersuchung chinesischer Elektrobusse in Norwegen brachte ebenfalls die Fernzugriffsrechte des Herstellers und die Möglichkeit zur Sprache, dass die Fahrzeuge von außen außer Betrieb gesetzt werden könnten.
In Frankreich waren im Oktober 2026 die Kühlsysteme von etwa 700 Supermärkten von Cyberangriffen betroffen. Die Temperaturen der Kühlanlagen wurden manipuliert, wodurch Lebensmittel unbrauchbar wurden. Man kann Lebensmittel verderben lassen, indem man in das Kühlsystem eines Marktes eingreift. Wenn man dies in Hunderten von Einrichtungen tut, ist es kein bloßer betrieblicher Schaden mehr. Es wird zu einer Frage der Lebensmittelsicherheit und der gesellschaftlichen Resilienz.
Darüber hinaus muss der Angreifer in Zukunft möglicherweise nicht einmal mehr jedes Gerät einzeln steuern. Eine im Oktober 2026 veröffentlichte Studie von Anthropic deutet darauf hin, dass kleine KI-Modelle in der Lage sein könnten, eigene Kopien auf internetfähigen Haushaltsgeräten auszuführen. Das bedeutet nicht, dass sich heute unkontrolliert KIs in unseren Häusern vermehren. Aber es ist eine ausreichende Warnung, um unser derzeitiges Sicherheitsverständnis zu hinterfragen. Die Gefahr liegt weniger darin, wie weit die KI entwickelt ist, sondern wie unabhängig sie in Systemen agieren kann, die wir nicht kontrollieren können.
Und was ist mit der Türkei? Die Erklärung des TEI-Generaldirektors Mahmut Faruk Akşit, dass ausländische Elektrofahrzeuge nicht in einige Einrichtungen der Verteidigungsindustrie gelassen werden, zeigt, dass es auch in der Türkei Institutionen gibt, die sich dieses Risikos bewusst sind. Aber wird der gleiche Ansatz auch in all unseren kritischen Einrichtungen angewandt?
Werden die Datenerfassungs- und Fernzugriffsrechte von vernetzten Fahrzeugen, die von öffentlichen Einrichtungen angeschafft werden, unabhängig geprüft? Wird die Fernzugriffskapazität des Herstellers bei den Busflotten der Kommunen getestet? Gibt es einen gemeinsamen Sicherheitsstandard für Kamera-, Mikrofon-, Standort- und Datenübertragungsfunktionen von Fahrzeugen, die in militärische Einrichtungen, Unternehmen der Verteidigungsindustrie und kritische Infrastrukturen einfahren? Werden in unseren Häfen, Handelsschiffen, Krankenhäusern und Energieanlagen realistische Cyberangriffsübungen durchgeführt?
Natürlich gibt es in der Türkei Institutionen, Gesetze und Arbeiten zur Cybersicherheit. Aber das Vorhandensein einer Regelung ist nicht dasselbe wie deren effektive Umsetzung in der Praxis. Es geht nicht darum, ob wir eine Cybersicherheitspolitik haben oder nicht; es geht darum, wie vorbereitet wir sind, wenn morgen eines unserer kritischen Systeme von außen außer Betrieb gesetzt werden soll…
Jahrelang haben wir Sicherheit über den Schutz physischer Grenzen definiert. Wir haben Türen verstärkt, Kameras installiert, Patrouillen gebildet und Ein- und Ausgänge kontrolliert. Jetzt befinden wir uns in einer Zeit, in der selbst das Auto, das vor dieser Tür steht, aufzeichnen kann, was im Inneren geschieht. Wir schützen die Tür. Aber wer schützt die Daten, die das Fahrzeug vor der Tür sammelt?
Technologie nicht zu nutzen, ist keine Lösung. Wir müssen jedoch wissen, welche Zugriffsrechte der Hersteller hat, wo die Daten gespeichert werden, wer Software-Updates genehmigt und ob das System weiter funktioniert, wenn die Verbindung unterbrochen wird. Denn nationale Sicherheit besteht nicht nur aus dem Schutz von Grenzen und militärischen Einrichtungen. Dass ein Land seinen Verkehr, seine Energieversorgung, seine Kommunikation und seine kritische Infrastruktur aus eigenem Willen betreiben kann, ist ebenfalls Teil der nationalen Sicherheit.
In unserer Kindheit hatten wir die Kontrolle über die Seifenkiste. Wenn wir den Stecker des Commodore-64 zogen, hörte er auf zu arbeiten. Heute müssen wir hinterfragen, wer die Kontrolle über die Technologien hält, die wir verwenden.
Für wen sind die digitalen Türen der Türkei offen? Und haben wir wirklich die Schlüssel zu diesen Türen?